Wenn 140 Zeichen nicht reichen – Bibellesen in mehr als Twitter-Portionen

Infos und Nachrichten müssen heute kurz sein. Leicht lesbar sollen sie sein und schnell zum Punkt kommen. Das ist kein Problem bei aktuellen News, aber wie kann die «Generation Twitter» ihr geistliches Leben mit einer Bibel gestalten?

Infos und Nachrichten müssen heute kurz sein. Leicht lesbar sollen sie sein und schnell zum Punkt kommen. Das ist kein Problem bei aktuellen News, aber wie kann die «Generation Twitter» ihr geistliches Leben mit einer Bibel gestalten, deren Absätze nun einmal länger als 140 Zeichen sind?

Kurznachrichten und schnelle Informationen beherrschen die Medien. Auch Filme und Bücher arbeiten mit immer schnelleren Schnitten und kürzeren Absätzen. Twitter mit seinen Botschaften, die auf 140 Zeichen beschränkt sind (das ist ungefähr so viel wie die ersten beiden Sätze im Text), ist ein typischer Vertreter dieser Art von Kommunikation. Noch minimalistischer ist zum Beispiel das «Liken» in den sozialen Netzwerken. Ein Mausklick oder ein Tippen mit der Fingerspitze sagt jemandem: Was du denkst oder wie du bist, finde ich gut.

Die Sache mit der Aufmerksamkeitsspanne

Der US-Pastor Chandler Vannoy wies in diesem Zusammenhang auf eine Studie hin, die das Computerunternehmen Microsoft in Auftrag gegeben hatte. Danach haben sich digital geprägte Menschen bereits so stark an diesen kurzen Mitteilungsstil gewöhnt, dass ihre Aufmerksamkeitsspanne bei nur noch acht Sekunden liegt. Zum Vergleich: Ein Goldfisch schafft immerhin neun Sekunden. Wer immer an den nächsten Schritt oder das kommende Ereignis denkt, lässt sich leicht von dem ablenken, was er momentan tut. Unternehmen und Ausbildungsstätten experimentieren daher mit kürzeren Lern- und Arbeitsphasen, um sich auf diese sinkende Aufmerksamkeitsspanne einzustellen.

Die Bibel auf Twitter

Daneben wirkt eine durchschnittliche Bibel mit vielleicht 1'500 Seiten anachronistisch. Natürlich kann man einen einzelnen Vers herausgreifen, für sich selber lesen und ihn jemandem anderen twittern oder simsen. Aber die gesamte Bibel ist für diese Sicht- und Denkweise eine Nummer zu gross. Es gab zwar schon Initiativen, die Bibel zu twittern – seit dem 11.11.2011 verschickt #Tweetthebible jeden Tag einen Bibelvers –, doch das Projekt, das die Bibel von vorne Vers für Vers weitergibt, befindet sich noch im 2. Buch Mose und wird insgesamt um die 86 Jahre dauern.

Allerdings hat auch in unserer schnelllebigen Zeit Johannes Kapitel 15, Vers 4 seine Gültigkeit behalten: «Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.» Ohne ein Investieren von Zeit ist solch ein «Bleiben» nicht machbar. Und ohne Zeit mit der Bibel ist Glaubenswachstum kaum möglich.

Wachstum praktisch

Ein einzelner Gedanke aus der Bibel kann sehr hilfreich sein – fürs Glaubenswachstum ist es allerdings wichtig, dass Christen die ganze Bibel lesen, studieren, darüber nachdenken und dann auf ihr Leben anwenden. Hilfreich dabei können diese Schritte sein:

  1. Finden Sie einen Bibelleseplan, der Ihnen einen guten Überblick über die Bibel gibt und Ihnen hilft, Ziele zu setzen.

  2. Finden Sie Ihre beste Zeit und einen geeigneten Ort, um in der Bibel zu lesen. Sie schaffen so ein Umfeld, in dem Sie Gott gut begegnen können.

  3. Finden Sie eine Möglichkeit, das zu notieren, was Ihnen beim Lesen deutlich wird oder was Sie Gott im Gebet sagen.

  4. Finden Sie Wege, das in den Alltag mitzunehmen, was Sie lesen, ob durch Auswendiglernen einzelner Verse, den Austausch in der Familie oder mit Freunden oder auf eine andere Art.

Das mag sich vielleicht altertümlich anhören, aber auch im Zeitalter von Twitter gibt es keine funktionierende Abkürzung zu prägenden Zeiten mit Gott und zu einem gelingenden, heiligen Leben. Dafür lohnt es sich auch, an der eigenen Aufmerksamkeitsspanne zu arbeiten.

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