Menschsein 2019 – Advent: So nah – so fern!

Wie normal ist es doch geworden, dass wir kurz in die Ferne fliegen, am weissen Strand promenieren und ins türkisblaue Nass eintauchen. Gleichzeitig entfernen wir uns vom Nachbarn und wissen oft nicht, wie es den Leuten in nächster Nähe geht.

Wie normal ist es doch geworden, dass wir kurz in die Ferne fliegen, am weissen Strand promenieren und ins türkisblaue Nass eintauchen. Gleichzeitig entfernen wir uns vom Nachbarn und wissen oft nicht, wie es den Leuten in nächster Nähe geht. Ein Gegentrend ist möglich: Gott kommt ganz nahe! Näher geht es nicht...

«Mensch bist du braungebrannt.» – «Ja, es war herrlich, Hotel direkt am Strand, tolles Wetter…» Wer kennt sie nicht, diese Dialoge? Andererseits sind wir zu Hause mit dem Internet, Computer und Fernsehen isoliert und in der eigenen Welt, abgeschottet von unserem Umfeld. Doch zwischenmenschliche Beziehungen und Nähe sind für den Erdenbürger eigentlich etwas vom Wichtigsten und sogar existentiell.

Mit der Inkarnation Gottes, diesem Nahekommen, setzt Weihnachten ein allesveränderndes Zeichen.

Die goldene Regel: Nahe Liebe

Von Schriftgelehrten gefragt, welches denn das höchste Gebot sei, antwortete Jesus mit dem Dreiklang: «Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst!» (Markus Kapitel 12, Vers 28ff.) Wenn wir bei der Quelle der Liebe angeschlossen sind, davon trinken und leben, können wir uns selber lieben und umso mehr auch die Menschen in unserer Nähe. Denn sorry, aber Menschen in der Ferne zu lieben, ist doch eher schwierig. Auch wenn uns «soziale» Netzwerke vorgaukeln, dass wir locker mit 100 «Freunden» auf Hunderten von Kilometern Distanz eine Freundschaft pflegen könnten.

So lebt in unseren Breitengraden doch jeder in seiner eigenen Welt. Wir sind Weltmeister des Individualismus! Und dann sind wir schockiert, wenn wir plötzlich vernehmen, dass der Nachbar vom selben Wohnblock durch Krebs gestorben ist. Und wir fragen uns, weshalb wir das nicht mitgekriegt haben...

Wo und wer ist der Nächste?

Eine Folgefrage zum oben erwähnten Liebesgebot trifft dann voll ins Schwarze: «Wer gehört denn nun zu meinen Nächsten?» Worauf Jesus mit der legendären Geschichte vom «Barmherzigen Samariter» antwortet (nachzulesen in Lukas Kapitel 10, Vers 25ff.). Demnach sind unsere Nächsten Notleidende, Verletzte, Personen, die Zuwendung brauchen – und wer braucht die nicht?

Mit Weihnachten zoomt die Menschheitsgeschichte auf das historische Ereignis der Menschwerdung Gottes. Gott naht sich den Erdlingen. Aber wie ist denn nun Gott, hat ihn wirklich nie jemand gesehen?

Darauf entgegnete Christus, dieser «Best Mensch ever», wer ihn – Jesus – gesehen habe, hätte den Vater im Himmel gesehen. Das Göttliche ist nicht mehr entfernt und unpersönlich, sondern nah und fassbar personifiziert. Und es ist nicht nur in die Welt reingeboren, es geht noch weiter – oder näher –, nämlich dass Gott selbst in uns Menschen wohnen möchte.

Einer hat es uns also vorgemacht: Mach's wie Gott, werde Mensch; werde menschlich!

Vom Fernseher und Fernsicht über Nahsicht zur Nachsicht

Das Internet hat die Menschen voneinander entfernt! Auch schon früher der Fernseher. Zwischenmenschlich sind wir auf Distanz gegangen, haben uns von unserem persönlichen Umfeld abgegrenzt. Natürlich hat das Internet auch Distanz überwunden, und so kann man mit einem Mausklick und Headset mit dem ganzen Globus kommunizieren. Gleichzeitig sind Single-Haushalte auf einem Rekordhoch und im Zug steckt der Pendler seine Nase in die Zeitung.

Den Nächsten zu sehen, jemandem Aufmerksamkeit schenken, ist hier ein gutes Gegenmittel; nur schon mit bewusstem Grüssen. Und «nachsichtig sein» geht noch eine Schicht tiefer: jemandem verzeihen, keine Fehler nachtragen, sich versöhnen. Dies ist ein Kern von Freundschaften und tiefer Nächstenliebe.

Und wenn wir dann nah sichten, können wir auch Menschen begegnen, die Nähe suchen, jemanden brauchen; mit ihnen sprechen, ein kleines Geschenk machen oder einfach mit unaufgeregter Gemeinschaft. Da kann sich der Nächste zu Hause fühlen. Und so kann plötzlich die Floskel «Wie geht’s?» zu einem echten Türöffner ins Leben werden.

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