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Lernen, das Singlesein zu akzeptieren

Warum nicht, Gott? – Wenn es anders kommt als gedacht

Die meisten Menschen gehen davon aus, im Laufe des Lebens einen Partner oder Partnerin zu finden. Doch was, wenn das nicht geschieht? Sina Hottenbacher berichtet, wie sie aufhörte, nach dem Warum zu fragen, und so ihr Singlesein akzeptieren lernte.

Würde man mein jugendliches Ich fragen, wo es sich mit Mitte Dreissig sieht, wäre die Antwort völlig eindeutig gewesen: glücklich verheiratet, mit zwei bis drei Kindern. Hund und Einfamilienhaus wären optionale, aber willkommene Add-Ons gewesen. Nun bin ich Mitte Dreissig, und ich muss erkennen: Sowohl der Mann als auch die Kinder sind in weiter Ferne. Hund und Haus habe ich auch nicht. Es kam also anders als gedacht.

Jahrelang habe ich deshalb mit Gott gehadert. Habe mich von ihm übersehen gefühlt, ignoriert und sogar ungeliebt. Denn mein ständiges Gebet, er möge mir doch einen Partner schenken, blieb unbeantwortet. Warum? Diese Frage poppte immer dann in meinem Kopf auf, wenn ich wieder einmal ohne Begleitung auf einer Hochzeit auftauchte oder bei Familienfeiern die vielen Kleinkinder und Schwangeren in meinem Umfeld beobachtete. Oder wenn ich mich einfach einsam fühlte. Warum bin ich noch Single? Warum erhört Gott mein Gebet nicht? Warum bleibt meine Sehnsucht unerfüllt?

«Was» und «Wie» statt «Warum» oder «Wozu»

In einer Bibelarbeit vor einiger Zeit machte der Referent eine Aussage, die mir die Augen öffnete. Er meinte: Fragen, die mit Warum oder Wozu beginnen, führen uns selten zu Gott. Denn wenn wir auf unser Warum keine (befriedigende) Antwort erhalten, kommen nur zu oft Zweifel auf und wir beginnen, uns von Gott ab- und unserem Selbstmitleid hinzuwenden. Diese These blieb noch lange in meinem Herzen und arbeitete ihn mir. Denn ich fühlte mich ertappt. Wie häufig stellte ich Gott Fragen, die mit «warum» begannen, statt ihn zu fragen, «wie» er mich auch in meiner jetzigen Situation gebrauchen mag oder «was» er mit mir im Hier und Jetzt vorhat. Ich erkannte: «Wie» und «Was» sind so viel produktivere Fragepronomen als «Warum» oder «Wozu».

Schliesslich war es dann auch eine «Was-Frage», die mir auf meinem Weg zur Annahme meines Single-Status den heilsamen Durchbruch verschaffte: Was wäre, wenn ich für immer Single bleiben würde? Diese Frage machte mir zunächst unheimliche Angst, so sehr, dass ich sie lange kaum denken konnte, geschweige denn ihr nachgehen wollte. Es kostete mich unheimlich viel Mut, mich dieser Frage und den dahinterliegenden Antworten zu stellen. Aber es lohnte sich. Denn ich erkannte, dass ich mehr bin als mein Beziehungsstatus. Ich lernte loszulassen und mich nicht mehr nur durch das zu definieren, was ich nicht bin oder was ich nicht habe. Statt geplatzten Träumen nachzuweinen, richte ich meinen Blick auf das Positive in meinem Leben. Ich habe wundervolle Freunde, liebevolle Beziehungen zu meiner Herkunftsfamilie, eine tolle Gemeinde und einen Hauskreis, der mich in meinem Glaubens- und Alltagsleben begleitet. Ich habe einen Beruf, der mir Spass macht, und die Freiheit, zu reisen und vielen Träumen nachzugehen. Ausserdem habe ich Zeit und Geld, um Himmelreich zu bauen und mich ehrenamtlich zu engagieren. Ich erkannte: Ich bin Gottes geliebtes Kind. Er sieht mich und schätzt mich. Für ihn bin ich vollständig, auch ohne Partner. Wie Dietrich Bonhoeffer begriff ich: Man kann ein erfülltes Leben haben, trotz unerfüllter Wünsche.

Mein Gott kann

Ich glaube noch immer an einen Gott, der Wunder tun kann! An einen Herrn, der Gebete erhören und Träume erfüllen kann. Ich möchte mir aber ein Beispiel nehmen an den Freunden von Daniel im Alten Testament. Als sie sich weigerten, vor dem goldenen Standbild des Königs niederzuknien und ihnen daher der Tod im Feuerofen drohte, sagten Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu König Nebukadnezar: «Unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem Feuer und aus deiner Gewalt retten. Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie deine Götter anbeten oder uns vor der goldenen Statue niederwerfen werden» (Daniel Kapitel 3, Verse 17-18).

Auch ich möchte immer wieder neu lernen, so zu beten und zu vertrauen, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Gott kann mir einen Partner schenken. Er kann auch Kranke heilen und Frieden schenken. Aber selbst, wenn er all das nicht tut, möchte ich ihm treu bleiben, so wie die drei Freunde von Daniel es taten.

Gott liebt, auch wenn er nicht alle Bitten erfüllt

Ich möchte immer wieder neu in der Gewissheit leben, dass Gott mich liebt, auch wenn er mir nicht immer alles schenkt, worum ich ihn bitte. Gott liebt mich, auch wenn Manches in meinem Leben anders kam, als ich gedacht habe. Und weil er mich zuerst geliebt hat, möchte ich ihn voller Vertrauen zurücklieben – ohne an unerfüllten Sehnsüchten zu ver- oder an ihm und seiner Allmacht zu zweifeln. Ich möchte ihm bedingungslos vertrauen und beten: «Wie gross ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und wie undurchdringlich seine Pläne!» (Römer Kapitel 11, Vers 33)

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