Pastor und Ex-Hindu – «Was dem Christentum im Westen fehlt»

Einst war Rahil Patel ein hochrangiger Hindupriester. Er wurde in den Westen gesandt, um hier Hindus zu bestärken. Doch dann fand er zu Jesus Christus. Heute ist er Pastor – und er ermutigt, disziplinierter und weniger klinisch zu sein.

Einst war Rahil Patel ein hochrangiger Hindupriester. Er wurde in den Westen gesandt, um hier Hindus zu bestärken. Doch dann fand er zu Jesus Christus. Heute ist er Pastor – und er ermutigt, disziplinierter und weniger klinisch zu sein.«Ich sagte einmal zu meinem Guru in einem kleinen Dorf: 'Diese Christen haben ein paar gute Dinge'», erinnert sich Patel, der in einem Kloster in Indien ein extrem hartes Training erlebte, einschliesslich Entbehrungen wie Fasten und extremer Hitze. Der Guru antwortete: «Ja, sie mögen in Verwaltung und Management und all diesen Dingen gut sein, aber es gibt nichts anderes in ihrem Charakter.»

Bei Jesus Frieden gefunden

Dennoch fand er später ausgerechnet zum christlichen Glauben (Livenet berichtete). Zuvor habe er wegen des Kolonialismus einen verzerrten Blick auf das Christentum gehabt.

Was er bisher in Sachen Religion erlebt hatte, sei eine Performance gewesen, doch «nun ruhte ich in Gottes Präsenz und realisierte, wie schnell mein Herz göttlicher wurde.» Durch Jesus habe er Frieden gefunden.

«Fehlende Disziplin»

Rahil Patel lebt heute in Europa. Er beobachtet bei den Christen im Westen einige Tendenzen, die ihm nicht gefallen. Unter Christen vermisse er «die Disziplin». Ich habe den Eindruck, dass diese in vielen westlichen Kulturen als Bestrafung missverstanden wird.» Noch als hinduistischer Priester habe er oft gedacht, dass die Frömmigkeit der Christen oberflächlich oder mangelhaft sei. Dies sehe er heute teilweise noch so.

Und eine weitere Sache, die Patel vermisst, ist der Gemeinschaftssinn. In seiner früheren Kultur sei es nicht etwas gewesen, das man dienstags oder sonntags am Vormittag oder Abend tut. «Es war eine Lebensweise.»

«Ziemlich klinisch»

«Vor zwei Jahren habe ich meine Mutter und meine Grossmutter in Indien besucht. Ich sass vor dem Fernseher, und da kam der Nachbar uneingeladen herein, setzte sich hin, ass ein paar der Snacks und fing an, mit ihnen zu plaudern. Zwei Stunden später kam ein anderer Nachbar herein, fing an, ein paar Snacks zu essen, plauderte und ging. Ich fand das so amüsant, so erfrischend.»

Er habe immer noch das Gefühl, dass Christen im Westen ihren Glauben «manchmal ziemlich klinisch praktizieren». Die östliche Art werde manchmal aufdringlich und könne auch ermüdend sein. Und doch sei da irgendwie eine Schönheit in diesem Chaos, die er nicht artikulieren könne.

Positiv: Friede, Liebe und Zugehörigkeit

Freilich überwiegt das Positive für Rahil Patel bei weitem, auch im Hinblick was für andere Hindus am christlichen Glauben attraktiv ist: «Das Gefühl der Zugehörigkeit zu Christus; die tiefe Freude, der Frieden und die Liebe sowie die Freiheit gegenüber der eigenen Unzulänglichkeit.»

Auch in schwierigen Lebensstürmen oder bei Ängsten habe man «einfach diesen unglaublichen Frieden, von dem man weiss, dass er von woanders kommt. Man weiss, dass man nicht hart gearbeitet haben, um diesen Frieden zu erlangen.»

Frei vom Karma

Unabhängig von den Umständen, «gibt es diese unglaubliche, tiefe Freude, diesen Frieden, diese Liebe. Und wenn ich zu kurz komme, wenn ich einen Fehler mache, wenn ich etwas falsch denke - die Beschäftigung mit seiner Gegenwart reinigt das Bewusstsein.»

Und gerade für Hindus besonders attraktiv: «Du bist einfach frei von all deinen Unzulänglichkeiten. Du bist nicht durch Karma belastet.»

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