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Raphael Dorigo

Raphael Dorigo – Vom Prediger zum Atheisten und zurück

Raphael Dorigo ist in Basel als aktiver Nachfolger von Jesus aufgewachsen. Dann wurde er zum rationalistischen Bibelkritiker und atheistischen Blogger. Inzwischen hat er zurück zum Glauben gefunden. Diese Reise wurde zur Grundlage seines Romans.

Raphael Dorigo wurde christlich erzogen. Nach dem Suizid des Vaters mit 14 legte er an christlichem Eifer zu: «Die Bibel fordert ganze Hingabe – das ganze Leben Gott unterzuordnen.» Doch irgendwann fiel ihm auf, dass seinem Glauben eine vernünftige Grundlage zu fehlen schien: «Man setzt Gottes Existenz einfach reflexartig voraus.» Dies habe er zu hinterfragen begonnen.

Dabei blieb Raphael Dorigo sehr aktiv. In der reformierten Kirchgemeinde in Basel konnte er als einziger Nicht-Theologe predigen. Er war auch als Musiker und Jugendarbeiter tätig. Nach etlichen Jahren hat er sich 2016 seine Zweifel eingestanden: «Warum versteckt sich ein liebender Vater vor seinen Kindern? … Gott schwieg seit Monaten – obgleich ich ihn inbrünstig um Hilfe bat.»

Gott und das Böse

Anfang 2016 begann Raphael Dorigo, die Bücher von Atheisten zu lesen. «Sie pulverisierten in wenigen Wochen die letzten Reste meines Glaubens», sagt der heute 31-jährige Sprachspezialist im Rückblick. Was sehr wehtat – denn die Beziehungen in seinem christlichen Umfeld wollte er nicht verlieren. Doch die Antworten von Christen auf die grossen Fragen hatten ihn nicht mehr überzeugt. «Gott kann Böses nicht zulassen und gut sein!» Zu Beginn des Jahres 2016 schien sein Glaube nach intensiver Suche unwiederbringlich verloren zu sein. Der Glaube stand für ihn dem Realitätssinn und der Vernunft im Wege: «Warum würde Gott uns zu blöd erschaffen, um seine Welt zu verstehen?»

Raphael Dorigo verliess die christliche Szene – seine Freunde reagierten sehr betroffen, machten aber keinen Druck, sagte er am «Denkfest» 2017 der Freidenker-Vereinigung als einer der jüngsten Referenten. Er startete inzwischen den religionskritischen Blog «Scrutator» auf bibelkritik.blogspot.ch und brachte es auf über 4000 Abonnenten. Der Glaubensverlust – dies verschwieg Raphael Dorigo nicht – bringe Einsamkeit und Verunsicherung mit sich und zwinge zur Suche nach einer Moral ohne Gott.

Zurück zum Glauben

Jetzt ist er zurückgekehrt – «nach Hause». Durch etliche Denker und Wissenschaftler von Sokrates über Jonathan Haidt bis zu Jordan Peterson wurde er nach und nach wieder offener dafür, das Wahre und Gute an der Idee von Gott und den Inhalten der Bibel zu sehen. Er wusste immer, dass sie ihren Wert hatten, und entdeckte die Gründe für diesen Wert neu. Er fand neue Wege, Gott und die Bibel zu verstehen, die sich mit seinem kritischen Geist besser vereinbaren liessen.

Heute sieht Raphael Dorigo die Religion als realitätsnähere, nützlichere Perspektive als den säkularen Humanismus. Er hat eine «intensive Reise» hinter sich, die ihn «über weite Strecken zurück zu Gott geführt» habe. Zugleich aber war für ihn immer klar: «Ich möchte die Wahrheit glauben, ganz gleich, wie sie aussieht – und wie sie wirklich aussieht, weiss ich nicht. Die Tür für Gott blieb also immer offen.» Er musste sich von seinem kindlichen Glauben trennen, um als Mensch weiterwachsen zu können. 

Einen Roman geschrieben

Dorigo hat sich weitgehend mit seiner Vergangenheit versöhnt und damit auch wieder einen Schritt auf die Menschen zugemacht, mit denen ihn der Glaube verband. Er fühlt sich wieder verbundener mit den Wurzeln der Kultur, in der er lebt. Heute schreibt und analysiert er Geschichten. Am 1. September ist nun sein Roman «Meotod – Die Wellen des Schicksals» im Verlag Sure Publishing erschienen. Das Buch handelt von einem jungen Mann, der in Sicherheit und Wohlstand hineingeboren wird und ein unbekümmertes Leben führt, das auf Vergnügen als höchstes Ziel ausgelegt ist. Zugleich fühlt er in sich auch einen Aufruf zu Höherem, weiss aber nicht, was er damit anfangen soll. Er muss lernen, mit dem Schicksal zu leben, und findet heraus, dass er dies tun kann, indem er Verantwortung übernimmt, Opfer bringt und gemeinsam mit anderen im treuen Glauben an das Höchste sein persönliches Kreuz auf sich nimmt. Dabei muss er stets ein Gleichgewicht meistern; ein Gleichgewicht zwischen Vertrauen und Zweifel, zwischen Akzeptanz und Änderung, repräsentiert wie im Exodus durch Wasser und Gestein. Hinzu kommt das Gleichgewicht zwischen Liebe und Wahrheit – beide Werte sind immens wichtig für seine Mission. Der Roman «Meotod» soll die Kraft biblischer Kernwerte so zeigen, dass auch Kirchenferne etwas mit ihnen anfangen können – ohne sie zu verdrehen oder bis zur Unkenntlichkeit abzuschwächen. Mehr dazu findet sich auf seiner Website.

Dieser Artikel erschien bei Dienstagsmail

Zum Buch:
Meotod – Die Wellen des Schicksals

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