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Paul Kingsnorth

Von Gott «verfolgt» – Umweltschützer und Wicca-Priester kapituliert vor Jesus

Der englische Umweltschützer und Autor Paul Kingsnorth dachte, dass das Christentum eine marode und verstaubte Religion sei – bis er im letzten Jahr von Jesus «gepackt» wurde.

Der englische Umweltschützer und Autor Paul Kingsnorth dachte, dass das Christentum eine marode und verstaubte Religion sei – bis er im letzten Jahr von Jesus «gepackt» wurde.

Viele Jahre lang war Kingsnorth sehr eng verbunden mit der Antiglobalisierungs- und anderen Umweltbewegungen. Doch schliesslich wurde er desillusioniert und zog sich mit seiner jungen Familie in Irland aufs Land zurück. «Ich hatte genug von all dem Geschrei», sagte er. «Wir können uns aus der ökologischen Krise nicht 'herausorganisieren'. Die Wurzel des Problems kann nicht durch eine andere Politik, einen besseren Klimavertrag oder sauberere Technologien gelöst werden. Wir befinden uns mitten in einer grossen Ausrottungswelle und gehen auf einen Abgrund zu. Corona hat uns zum Stillstand gebracht, doch nun tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Wachstumsmaschine wieder in Gang zu setzen. Wir haben keine Grenzen.»

Kingsnorth beschloss, «kleine Orte des Lebens, der Natürlichkeit, der Schönheit und der Bedeutsamkeit» zu schaffen und anzufangen, «auf die Erde zu hören». Das hört sich spirituell an und das sollte auch sein, sagt Kingsnorth. «Von klein auf hatte ich das tiefe Empfinden in mir, dass es mehr gibt, etwas, das hinter der Natur steht, einen Schöpfer oder Naturgewalten, die etwas sagen wollten.» Mehr als fünf Jahre lang praktizierte er Zen und studierte die Lehren des Buddhas. Doch etwas fehlte dabei: die Liebe. «Ich spürte, dass auch in mir ein Abgrund war. Ich hatte diese Leere früher mit Sex, Ruhm und Aktivismus gefüllt und nun mit Meditation, doch sie blieb bestehen. Zuerst wollte ich es nicht zugeben, aber ich hatte das Bedürfnis, etwas anzubeten, das grösser ist als ich. Aber natürlich keinen christlichen Gott, auf keinen Fall.»

Im Wicca-Zirkel

Kingsnorth schloss sich einem Wicca-Zirkel an. «Wicca ist eine moderne Form der Hexerei, die sich aus uralten religiösen Praktiken und Symbolen zusammensetzt. Jeder, der sich diesem Zirkel anschliesst, wird ein Priester der grossen Naturgöttin und des gehörnten Gottes. Wir führten Rituale im Wald durch, bei Vollmond. Für viele Menschen ist es ein Spiel, eine Art Verkleidung mit Mänteln. Doch wenn man tiefer hineingeht, stellt man fest, dass okkulte Magie kein Schwindel ist. Ich habe tatsächlich erlebt, wie Dinge passierten, die wir durch Zaubersprüche und magische Zirkel heraufbeschworen hatten. Es gibt Kräfte in der Natur, denen man sich öffnen kann. Doch das sind nicht nur gute Kräfte und man kann sie auch nicht kontrollieren.»

Vor über einem Jahr begann Kingsnorth, etwas Seltsames zu erleben. «Ich träumte von Jesus, der mir eine Botschaft gab. Die Menschen um mich herum fingen an, mir von Jesus zu erzählen. Er tauchte plötzlich in einem Buch auf, das ich gerade las, oder in einem E-Mail, das ich bekam. Christus zu meiner Linken, Christus zu meiner Rechten. Es war nervig. Ich wollte das absolut nicht. Ich war ein heidnischer Priester! Das Christentum war das Letzte, was mich interessierte. Ich fühlte mich … verfolgt.» Eines Abends, als sein Wicca-Zirkel gerade mit einem Ritual beginnen wollte, hatte Kingsnorth plötzlich das Gefühl, einen Jetlag zu haben. «Ich wurde überwältigt von einer Kraft, die mich daran hinderte, in den Tempel hineinzugehen, und ich wusste, wer das war.» Nach einigen solchen intensiven Erfahrungen gab es nur noch eine Sache, die er machen konnte: sich beugen und Christ werden.

Der einzige Ausweg ist Demut

Das war ein seltsames Gefühl, denn er hatte das Christentum nie ernstgenommen. «Ich betrachtete es als eine veraltete, korrupte Religion. Eine Sammlung von moralischen Regeln, um Gott zu gefallen. Ich wusste nicht, dass das Christentum in seinem Kern etwas ganz anderes ist. Dass es die Geschichte der Rebellion der Menschen gegenüber Gott ist und dass Christus diese Beziehung wieder hergestellt hat, durch Demut, Armut und Verletzlichkeit. Dieser Christus kam, um mich zu holen, so empfinde ich es heute. Ich kam nicht durch rationale Überlegung zur Umkehr. Stattdessen wurde ich überwältigt, so wie C.S. Lewis schreibt: '…durch die stetige und unerbittliche Annäherung von jemanden, dem ich mit all meiner Kraft aus dem Weg gehen wollte'. Je mehr ich heute darüber erfahre, desto mehr schwingt diese christliche Geschichte in meinem ganzen Sein mit. Magie ist keine Antwort, denn in der Magie geht es letzten Endes genau wie bei der modernen Wissenschaft um Kontrolle. Es geht darum, wie man der Natur seinen Willen aufzwingen kann. Ich hatte nicht erkannt, dass der einzige Ausweg am Ende in Demut besteht. Ordne dich dem Schöpfer unter.»

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Paul Kingsnorths Taufe

Im vergangenen Januar, als Corona überall auf der Welt wütete, liess sich Kingsnorth im eiskalten Shannon River von einem rumänisch-orthodoxen Priester taufen. «In einer orthodoxen Kirche in Irland, in der es hauptsächlich Migranten gibt, habe ich einen uralten Glauben gefunden. Einen Glauben mit lebendigen Heiligen und Ritualen, mit einer tiefen, unerklärlichen Kraft, die auf Gott in allem, in den Flüssen und den Bergen, hinweist. Wenn ich bete oder an der Eucharistie teilnehme, geschieht tatsächlich etwas, ich spüre das körperlich.»

«Einander die Füsse waschen, statt die Erde kolonieren»

«Ich habe entdeckt, dass die Botschaft von Christus nichts mit politischen Mächten zu tun hat. Es ist die radikalste Lehre in der Geschichte. Wir müssen einander die Füsse waschen, nicht die Erde kolonisieren. Christus hatte die Mächtigen herausgefordert, nicht durch eine Revolution oder durch Aktivismus, sondern durch ein Opfer. Simone Weil beschreibt das folgendermassen: Wer das Schwert hochhält, verdirbt durch das Schwert; wer das Schwert niederlegt, wird gekreuzigt.» Vor dieser Wahl stehen wir, sagt Kingsnorth, in dieser Welt des Wachstums und des Glaubens an den Fortschritt. «Wir haben uns eine Maschine zusammengebastelt, die alles zerstört – unsere Meere, unsere Wälder, unsere Kulturen und unsere Beziehungen. Wir können diese Maschine mit unseren eigenen Möglichkeiten bekämpfen, mit politischer Macht oder Aktivismus. Doch dabei kann es passieren, dass wir selbst zu dem werden, was wir bekämpfen. Die andere Möglichkeit ist nach Aussage von Weil der Weg des Kreuzes, des Opfers, der radikalen Demut, so wie wir das in der Bergpredigt lesen können.»                               

Gottes Geist bewegt sich, besonders in Krisenzeiten

Für Kingsnorth bedeutet Nachfolge von Jesus, «einfacher zu leben, weniger Technologie zu verwenden, mehr wegzugeben, politische Macht abzulehnen, seinen Nächsten zu lieben. Und mit dem Nächsten meine ich nicht nur den Nachbarn, sondern auch den benachbarten Wald. Ich denke, dass Weil recht hat und wir uns zwischen diesen beiden Optionen entscheiden müssen: Rebellion oder Hingabe, Dominanz oder Dienst, die Maschinerie oder das Kreuz. Nach 25 Jahren als Autor und Organisator von Kampagnen ist dies die Quintessenz für mich.»

Einige von Kingsnorth' Freunden sind enttäuscht über seine Kehrtwende. «Ich spreche mit ihnen darüber, denn ich habe dies nicht rational entschieden. Eine Kraft ist in mich gekommen und hat den Abgrund entfernt. Und das Bemerkenswerte ist: Ich kenne diverse Personen, die etwas Ähnliches erlebt haben. Ich spüre wirklich, dass der Geist sich auf der Welt bewegt, besonders in dieser Krisenzeit.»

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