Hindu-Priester ist fasziniert – So eine Liebe hatte er noch nie gespürt

Der Inder Rahil Patel war entschiedener Hindu. In der Schulung im Kloster lernte er, dass man niemanden lieben darf. Er sprach in Europa vor tausenden Hindus. Doch innerlich war er leer. Im Laufe der Zeit wuchs eine geheime Faszination für Jesus...

Der Inder Rahil Patel war entschiedener Hindu. In der Schulung im Kloster lernte er, dass man niemanden lieben darf. Er sprach in Europa vor tausenden Hindus. Doch innerlich war er leer. Darüber reden ging nicht, Emotionen aller Art waren verboten. Im Laufe der Zeit wuchs eine geheime Faszination für Jesus – und plötzlich änderte sich sein Lebensweg und er fand das, «was die antiken Hindu-Lehrer eigentlich gesucht hatten».Aufgewachsen war Rahil streng hinduistisch. «Daheim hatten wir einen besonderen Raum, einen Hausschrein. Wir hatten Idole und Statuen. Zudem hatten wir ein Gemälde eines Gurus, von dem wir glaubten, dass er Gott ist.» Davon war auch das tägliche Leben geprägt. «Wir assen kein Fleisch und tranken keinen Alkohol. Am Samstag und am Sonntag gingen wir stets in den Tempel. Das war damals mein Leben.»

Guru war beeindruckt

Rahil verbrachte zusehends Zeit im Tempel, wo er Freunde fand. Eines Tages sollte er zur Gemeinschaft sprechen. Der Guru war ebenfalls dabei und beeindruckt und fragte Rahil, ob er Priester werden sollte. «Da glaubt man, dass dies aufgrund des vorangegangenen Lebens geschieht und dass Gott einen anerkennt. Das erfüllte mich mit Stolz. Wenn einen der Guru vor tausenden Menschen anerkennt, ist das eine grosse Sache.»

Sechs Jahre verbrachte er in einem indischen Kloster, wo er diszipliniert lernte. Dieses war mitten in der nordwest-indischen Wüste. «Wir wachten um 4.30 Uhr in der Früh auf. Wir duschten mit kaltem Wasser. Warmes Wasser war nicht vorgesehen, damit man dem Körper nicht zu viel Aufmerksamkeit widmete – denn der Geist war ja das wichtigste.» Dann folgten frühe hinduistische Anbetungszeiten, Choräle, dann WC reinigen und in der Küche helfen. Gottesdienste, Examen und das Durchgehen von Schriften und Predigten bestimmten den Tagesablauf – bis abends um elf Uhr.

«Man spricht nicht mehr mit Familie»

Neben der geistlichen Bildung sei es darum gegangen, den Charakter weiterzuentwickeln und sich für das Zölibat vorzubereiten. «Man spricht nicht einmal mehr mit der Familie, so dass keine emotionalen Stränge mehr mit der Vergangenheit vorhanden sind. Somit ist man völlig Gott und dem Guru gewidmet.» Man unterdrücke alles, bis die Seele gespalten sei. Die eigenen Emotionen würden heruntergespielt und man versuche, nicht an sie zu denken. Er sei im Kloster einsam geworden. «Es wurde nicht erlaubt, Liebe zu geben oder zu empfangen. Ich sagte niemandem: 'Ich liebe dich'.» Es sei wie ein Kult. «Es wurde gelehrt, niemandem zu vertrauen.»

Anschliessend wurde er nach Europa ausgesandt, um Hindu-Tempel zu errichten. «Ich eröffnete welche in Portugal, Frankreich und Belgien. Und wir führten Zentren in 18 weiteren Städten in Europa.» Er wurde zu einem prominenten Redner, doch in ihm drin tobte ein Kampf und er nahm Anti-Depressiva. Er war innerlich verwirrt und geistlich ausgetrocknet.

Vom Kreuz angezogen

Darüber reden habe er natürlich nicht können. «Man darf ja keine Emotionen haben, das wäre ein Zeichen der Schwäche und ein Zeichen dafür, dass der Teufel die Führung übernommen hat.» Die Zweifel begannen zu wachsen und er schaute sich andere Kulturen und Glaubenssysteme an. Eine geheime Faszination für Jesus wuchs. «Ich spürte, dass bei ihm Antworten vorhanden sind.» Er begann, nach spiritueller Nahrung zu suchen. «Das Kreuz faszinierte mich. Ich erkannte, dass es etwas Besonderes war.»

Nach 20 Jahren im Dienst verliess er seine Hindu-Denomination im Jahr 2011. «Ich sagte, dass ich nun einen grösseren Gott verkünde.» Umgehend wurde ihm gedroht, dass er in einem indischen Dorf eingesperrt würde, weil er sehr einflussreich war.

«Da war Liebe»

Schon früher gab es Dispute mit dem Guru, so etwa als Patel sagte, dass es vieles gebe, was man von den Christen lernen könne. Oder als er Fragen zu Ansichten und Doktrinen stellte, über die er predigen sollte; der Guru habe dann jeweils vom Thema abgelenkt.

Die Entscheidung für Jesus erfolgte, als er auf dem Weg zu einer Zugstation «zufällig» den Kopf wendete und eine schöne Kirche sah. «Die Menschen da grüssten alle mit einem unbeschreiblichen Lächeln. Da war Liebe. Für mich war es unheimlich, weil ich nie eine direkte Begegnung mit dieser Liebe hatte. Es war für mich etwas Neues.»

«Du bist daheim»

Er ging in die Kirche hinein und spürte Gottes Gegenwart. «Es war, als würde ich in eine Decke des Friedens gehüllt.» Er hörte eine flüsternde Stimme: «Du bist daheim.» Zum ersten Mal sah er Anbetung mit Gitarre und Schlagzeug. «Ich spürte eine unbeschreibliche Freude in meinem Herzen.» Danach ging er zurück in sein Hotelzimmer und sagte «Ja» zu Jesus. «Ich war bekannt als Person, die nur schwer überzeugbar ist. Niemand überzeugte mich von Christus. Ich gab ihm einfach mein Leben.» In der Folge begann er, im Glauben zu wachsen.

Plötzlich erfüllt

Als Hindu-Priester fuhr er schöne Autos, nächtigte in Luxus-Hotels und war nie hungrig. Nun hatte er plötzlich kein Geld mehr, seit drei Tagen nicht mehr gegessen und war zum Bus-Passagier geworden. Trotz den nun völlig anderen Umständen fühlte er sich erfüllt. «Ich spürte so viel Freude in mir. Ich schaute nicht zurück. Und ich bereute es keine Sekunde.» Und als er sich taufen liess, erkannte er, «dass es das war, was die antiken Hindu-Lehrer eigentlich gesucht hatten».

Das Konzept Gnade würde im Hinduismus nicht verstanden, da man immer dafür arbeiten müsse. Das hat Rahil Patel jetzt verstanden. «Jesus liebt dich, wie du bist. Du musst nicht für ihn eine Performance hinlegen oder nach ihm streben. Du bist geliebt. Es ist Gnade!»

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