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Jordan Peterson

Nach seiner Krankheit – Jordan Peterson: «Ich bin erstaunt über meinen eigenen Glauben»

Nach vielen Monaten schwerer Krankheit ist Jordan Peterson mit einem neuen Buch wieder da – und offenbar näher dem christlichen Glauben denn je.

Nach vielen Monaten schwerer Krankheit ist Jordan Peterson mit einem neuen Buch wieder da – und offenbar näher dem christlichen Glauben denn je.

«Ich handle, wie wenn es Gott gäbe – und ich habe Angst, dass das stimmen könnte.» Das war lange das «Glaubensbekenntnis» des gefeierten kanadischen Youtube-Stars, Dozenten und Psychotherapeuten Jordan Peterson (58), den die New York Times für einen der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart hält. An ihm scheiden sich auch die Geister wie selten: Für die einen ist er Advokat für Redefreiheit, liberaler Denker und Ethiker – Kritiker werfen ihm vor, reaktionär zu sein und patriarchalische Ideale zu fördern.

«Nur zu 5 Prozent»

Monatelang war es still um Jordan Peterson. Er kämpfte mit seiner mentalen Gesundheit, einer Autoimmunkrankheit und einer Tranquillizer-Sucht, die er in Russland auskurierte. In bewegenden Videos beschreibt er offen, transparent und verletzlich, wie sehr es mit ihm bis an die Grenzen ging – und darüber hinaus. Er ist immer noch nicht gesund und funktioniert nach eigenen Aussagen «nur zu 5 Prozent». Dieser Prozentsatz reichte offenbar für sein neues Buch, das Anfang März erschien: «Beyond Order: 12 More Rules for Life» (auf Deutsch ab 18. Mai)

Neue Offenheit für Christus

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Jonathan Pageau

Die Frage, ob er an Gott glaube, hatte Peterson wiederholt als «privat» bezeichnet und sich geweigert, sich in eine Box einordnen zu lassen und zu glauben, dass es nur einen Retter gebe, obwohl viele seiner Aussagen eine grosse Nähe zur christlichen Lehre und Ethik erkennen lassen. In einem bewegenden Youtube-Gespräch mit dem orthodoxen christlichen Künstler Jonathan Pageau bekannte Peterson nun eine tiefere Offenheit für Jesus. «Der Unterschied – wie C.S. Lewis es gut herausgestellt hat – zwischen diesen mythologischen Göttern und Christus ist der, dass er auch historisch existiert hat. In Christus hat man also beides: die Figur von Christus als Person, die wirklich lebte, plus den Mythos. Christus ist die Vereinigung dieser beiden Dinge.» Und er fuhr fort: «Das Problem ist, dass ich das wahrscheinlich glaube, und ich bin über meinen eigenen Glauben erstaunt, ich verstehe das nicht» und fing an zu weinen. «Ich habe einige Male erlebt, wie sich die objektive Welt und die Welt des Unsichtbaren berühren, synchron sind. Ich habe das oft in meinem Leben beobachtet, also kann man es nicht leugnen.»   

Die unsichtbare Welt der Moral, die uns sagt, wie wir handeln sollen (a narrative sense of the world), ist nach Peterson «sehr real, auch wenn es nicht die objektive Welt ist. Diese beiden Welten kommen in Christus zusammen, das scheint mir seltsam plausibel. Ich weiss noch nicht, wie ich damit umgehen soll, es ist zu erschreckend. Ich weiss nicht, was mit dir geschieht, wenn du das völlig glaubst.»

Pageau erklärte daraufhin, dass, wenn Menschen «handeln, wie wenn Gott existiert», die erste Reaktion nicht Moral, sondern «Aufmerksamkeit und Anbetung» ist – dass Gott also nicht unsere Anständigkeit, sondern unsere Anbetung sucht. 

Hindernisse für einen vollen Glauben

Hier wird Peterson erneut sehr ehrlich und bekennt zwei wesentliche Probleme, die ihn (noch) daran hindern, aus seinen Überzeugungen die vollen Konsequenzen zu ziehen. Einmal habe Jesus (in Matthäus Kapitel 11 Vers 30) gesagt, dass «sein Joch leicht sei» und Freude bedeute. Angesichts permanenter Schmerzen scheine diese Idee der Freude ziemlich grausam für ihn – obwohl er und besonders seine Frau durch Krankheit und den Krebs seiner Frau «ziemlich religiös geworden sind, vor dem Essen Danke sagen und überhaupt für eine unglaubliche Menge von Segnungen unglaublich dankbar sind». Trotzdem habe er Mühe mit seinen permanenten Schmerzen – obwohl das letzte Kapitel seines neuen Buches heisst «Sei dankbar trotz deines Leidens». Pageau wies in diesem Zusammenhang auf den Tod Jesu am Kreuz hin, in dem tiefe Geheimnisse verborgen seien.

Ein anderes Problem ist für Peterson die Tatsache, dass viele Christen und christliche Institutionen nicht so handeln, dass sie glaubwürdig Zeugnis der Wahrheit ablegen: «Wirklich? Du glaubst, dass Jesus der Sohn Gottes ist und du handelst so? Und du willst, dass ich dir deinen Glauben abkaufe?» Hier wies Pageau auf den Prozess der fortschreitenden Heiligung hin, den Prozess der Erlösung, der mit der Zeit passiert und die Menschheit nicht auf einen Schlag von all ihren Sünden befreit, während wir noch auf der Erde sind.

«Der widerstrebendste Bekehrte»

Livenet ruft auf, für Jordan Peterson zu beten in seinem Kampf mit der Wahrheit des Christentums und auch für seine weitere physische Heilung. Es sei daran erinnert, dass auch C.S. Lewis sich erst nach langen intellektuellen Kämpfen 1929 als «der widerwilligste Bekehrte in ganz England» Gott ergab, zuerst Theist wurde und erst später zur vollen Erkenntnis Christi kam.

Übrigens: Unter den Hunderten von Reaktionen auf das oben erwähnte Video ist auch die folgende: «Dieses Video hat eine geistliche Erweckung in mir bewirkt, die ich noch nie erlebt habe. Es hat mich zu Gott und zu Christus gebracht. Ich bin 51 Jahre alt und habe mich nie als Christ identifiziert. Ich habe an diesem Wochenende angefangen, die Bibel zu lesen, zum ersten Mal als Erwachsener. Ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich für diese beiden Männer bin!»

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