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Christian Busemann

Christian Busemann – «Jesus, ich und mein verrücktes heiliges Jahr»

«Aus dem Tagebuch eines Anfängerchristen» lautet der Untertitel des Buchs: Da schreibt einer, der schreiben kann, darüber, wie man mitten im Leben zu Jesus umkehrt und dann auch noch katholisch wird. Lesenswert!

Wer Christian Busemann sieht, hat niemanden vor Augen, dem man dringend den Rettungsring des Glaubens zuwerfen müsste, und der unbedingt Halt benötigt, weil er sein Leben sonst nicht auf die Reihe bekommt. Im Gegenteil. Der Wahl-Hamburger produziert seit Jahren erfolgreich Unterhaltungsfernsehen, arbeitet als Autor für verschiedene Fernsehgrössen und schreibt als Redakteur für Zeitschriften. Trotzdem wird er sich irgendwann bewusst, dass da eine Leerstelle in seinem Leben ist. Ist es das Kriseln in seiner Ehe? Das Bewusstsein, dass er mehr als die Hälfte seines Weges hinter sich hat? Die grosse Frage nach dem Sinn?

Vielleicht ist es von allem etwas, aber zu Beginn seines Buchs schreibt er: «Vor etwas über einem Jahr habe ich mit der Idee gestartet, von der Pike auf das Christsein zu lernen. Nicht wie in der Schule, im Konfirmationsunterricht, durch ‹Das Leben des Brian› oder ‹Die Passion› auf RTL, sondern richtig, professionell, mit Support von oben und auf Erden, ganz meinem Vornamen entsprechend, mich zu christianisieren. Ich war im Kloster, habe einen Glaubenskurs besucht, den ‹Iron Man› des Pilgerns in Nord-Irland bewältigt und mir sogar eine eigene Gebetskapelle in den Garten gebaut…»

Das Mosel-Versagen

Es ist der Klassiker gläubiger Menschen: Da fragt sie jemand nach ihrem Glauben, erwischt sie auf dem linken Fuss und sie lügen. Damit beginnt Christian Busemann sein Buch darüber, wie er zu Gott (zurück) gefunden hat. Als er mit Bruder und Eltern auf einer Moselkreuzfahrt ist, kommt das Gespräch darauf, ob er in der Kirche wäre. «Evangelisch oder katholisch?» In Sekundenschnelle hat Busemann die Folgen seiner wahren Antwort vor Augen und will einer langen Diskussion aus dem Weg gehen. Also lügt er: «Evangelisch.» Als er abends in seiner Kabine ist, kann er es kaum fassen, dass er inzwischen seit einem Jahr mit Gott unterwegs ist, vieles mit ihm erlebt hat und jetzt nicht zu ihm stehen konnte. Und dann blendet er zurück und berichtet, wie es dazu kam.

Im Untertitel des Buchs bezeichnet er sich als «Anfängerchristen». Das mag zutreffen, aber in der Kommunikation ist er Vollprofi. Es macht Spass, das locker, persönlich und trotzdem berührend geschriebene Buch zu lesen. Und die herrlich alltäglichen Gotteserfahrungen mitzuerleben.

Die Beteiligten

Das Buch und die gesamte Umkehr zu Gott darin wäre nicht denkbar ohne viele andere, die darin immer wieder zu Wort kommen: Vorneweg Frau und Töchter, die den Autor schonungslos ehrlich und liebevoll begleiten. Fernsehprominente wie Wigald Boning kommen genauso zu Wort wie der Franziskanerbruder Thomas aus Assisi, den fast niemand kennt. Im Rückblick bekommt selbst Busemanns «Ommi» eine wichtige Bedeutung. Überhaupt sind die Wegbegleiterinnen und -begleiter gar nicht unbedingt fromm. Eine gute Bekannte coacht ihn, zeigt ihm, dass es ein Teil seiner Herausforderungen ist, «in Würde zu altern». Als das Gespräch mit ihr auf den Glauben kommt, ermutigt sie ihn: «Dann schau doch mal, was da für dich ist, was das ‹Nichtverfügbare› ist, das du in der Kirche suchst. Und tu mir einen Gefallen: Beginn nicht, zu analysieren, sondern geh in die Reflexion. … Aber wenn das Gefühl stimmt, dann ist alles richtig für dich.» Motor und Seele aller Bewegungen im Buch ist jedoch jemand anderes: Kalle, ein reinrassiger Mischlingshund aus Mazedonien. Man muss ihn einfach liebhaben – auch wenn man sich zwischendrin immer wieder freut, diesen Chaoten nicht bei sich selbst im Haus zu haben.

Hoffnung, Neustart und ganz viel Spass

Zu Beginn wünscht sich Busemann einen Gott, der sich so wie im Filmklassiker «Don Camillo und Peppone» hörbar einmischt und mit ihm redet. Das passiert nicht, aber er erlebt ihn trotzdem: als den, der einfach da ist, an dem er sich festhalten kann, und der ihn bedingungslos liebt. Ob auf der Mosel oder daheim, beim Fernsehdreh, im Glaubenskurs oder im Kloster: Beim Lesen ist man direkt mit dabei. Man lacht über verrückte Ideen wie die Kapelle im Garten, die aus dem alten Spielhaus der Kinder entsteht, und gleichzeitig ist es so, wie es im Titel steht: «verrückt heilig». Es gibt im Leben so viele verfahrene Situationen oder Dinge, die sich scheinbar nicht mehr ändern lassen. Busemann erklärt seine Umkehr zu Gott so: «Dazu kommt die ganz urchristliche Hoffnung: dass Gott einmal vollenden wird, was wir – mit aller Kraft – nicht mehr ändern können, was unabänderlich ist.»

Diese lebensfrohe Hoffnung macht das Buch zu einer inspirierenden und fröhlichen Urlaubslektüre mit Tiefgang. Man kann es mit viel Spass lesen und sich einladen lassen zum verrückten und schönen Abenteuer des Glaubens.

Zum Buch:
Jesus, ich und mein verrücktes heiliges Jahr

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