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Hansruedi Zumbach

Ein Ja zu Profil und Berufung – «Immer hatte ich die 2 am Rücken»

Sein Leben lang arbeitete Hansruedi Zumbach unter der Leitung anderer. Gemäss Gabenprofil und Ausbildung hätte er durchaus selbst die Hauptverantwortung für eine Firma übernehmen können. Doch seine Berufung ist, die Nummer 2 zu sein.

«Als Kind war ich kein Alphatier», blickt Hansruedi Zumbach (63, verheiratet, zwei Söhne) zurück. «Ich hatte auch nie das Gefühl, einmal Leiter werden zu müssen.» Später entdeckte er seine Fähigkeit zu leiten, eine Karriere als Führungspersönlichkeit blieb aber aus.

Immer an zweiter Stelle

Als Hansruedi zwei Jahre alt war, starb sein Vater. «Ich hatte kein Vatervorbild, dem ich nacheifern konnte.» Die Mutter musste arbeiten und seine fünf Jahre ältere Schwester und er mussten schon früh Eigenverantwortung übernehmen. Das war prägend.

Nach der Berufslehre zum Autoersatzteilverkäufer wurde Hansruedi die Stelle als Leiter eines Ersatzteillagers in St. Gallen angeboten. «Ich hatte zwei Mitarbeiter, die mich unterstützten.» Später leitete er ein Ersatzteillager in Winterthur. «Dabei war ich immer dem Direktor der Garage unterstellt.» Seit diesen Jahren zog sich eine Sache wie ein roter Faden durch sein Leben: Er war in leitender Funktion und gleichzeitig einem Leiter unterstellt. Oder, um es mit Hansruedis Worten zu sagen: «Immer hatte ich die 2 am Rücken.»

Die «Nummer eins» war zum Greifen nah

Nach einem Theologiestudium in den 80er Jahren arbeitete Hansruedi als Taxifahrer, bis er wieder in den Ersatzteilhandel für Autos zurückkehrte. Ab 1992 machte er eine weitere Ausbildung, welche ihn für einen Job als Geschäftsführer befähigte. Unter vielen Bewerbern wurde er daraufhin für eine begehrte Geschäftsleiterstelle ausgewählt. Endlich sollte er die Nummer eins sein können. Die Unterzeichnung des Arbeitsvertrags zog sich dann in die Länge und irgendwann erfuhr Hansruedi, dass besagte Firma Konkurs gegangen war. So zerschlug sich sein Traum und stattdessen blieb die Frage: «Was mache ich jetzt?»

Engagement im christlichen Sektor

In diesen Tagen wurde Hansruedi angefragt, die Geschäfte der damals noch jungen theologischen Ausbildungsstätte IGW zu führen. Er sagte zu und wurde als Leiter der Administration angestellt – unter der Leitung des Schulleiters. Dass seine ursprünglichen Pläne durchkreuzt wurden, betrachtet Hansruedi heute als Gottes Führung.

Als administrativer Leiter kümmerte sich Hansruedi um Studenten im Fernstudium und baute einen entsprechenden Studiengang auf, den er auch verantwortete. «Trotzdem war ich immer jemandem unterstellt, der mir sagte, was zu tun ist.» So entdeckte Hansruedi seine Begabung, Ideen visionärer Personen umzusetzen. Dies war bei IGW so, aber auch in der Leitung des schweizerischen Zweigs vom 3L Buch-Verlag oder als Sekretär im New Life Zürich.

In der Hotelbranche angekommen

Als sich das Ende von Hansruedis Engagement bei IGW abzeichnete, fand er eine Anstellung als Rezeptionist im Hotel Kurhaus Grimmialp. Seit 2013 wirkt er nun als Nummer 2 in diesem Hotel und leistet mit seiner Arbeit einen Beitrag, damit der Betriebsleiter das Hotel möglichst gut führen kann. In Gästebetreuung, Verwaltung und Marketing blüht er auf.

«Gäste, die zum ersten Mal zu uns kommen, haben oft den Eindruck, dass ich der Chef bin. Irgendwann merken sie dann aber schon, wer es ist», berichtet Hansruedi schmunzelnd. Gerne sage er auch: «Ich bin nicht der Chef. Ich habe die 2 auf dem Rücken.» Dies klingt zwar irgendwie negativ, doch Hansruedi fühlt sich wohl damit.

Ein Ja zum eigenen Gabenprofil finden

Minderwertig fühlte sich Hansruedi aufgrund seiner untergeordneten Jobs nie. «Ich wusste, dass Gott mich in diese Position gestellt hat und dass er mir meinen Wert gibt.» Irgendwann wurde er auch dankbar dafür, die Hauptlast der Verantwortung nicht selbst tragen zu müssen. Wenn er sieht, mit wieviel Energie sich sein Vorgesetzter für das Hotel einsetzt, muss er sagen: «Ich könnte das nicht tragen!» Sehr wohl kann er jedoch helfen, dass sein Chef, der auch Freund und Glaubensbruder ist, seiner Aufgabe gerecht werden kann.

Vor einigen Jahren wurde Hansruedi angefragt, die Geschäftsführung der Bergbahnen Grimmialp zu übernehmen. Nach einigem Überlegen sagte er ab. «Ich bin nicht berufen, der erste Mann zu sein», weiss er heute. Trotz seiner administrativen und organisatorischen Fähigkeiten erkennt er, dass die Hauptverantwortung für eine solche Arbeit zu viel für ihn ist. Und im Anerkennen seiner Grenzen hat er Zufriedenheit gefunden.

Chancen und Herausforderungen als Nummer 2

In verschiedenen Arbeitsbereichen hat Hansruedi sein Leben lang in leitender Funktion unter einem starken Hauptleiter gearbeitet. Dies birgt Chancen, aber auch Herausforderungen. Wenn sich die Nummer 2 von seinem Vorgesetzten eingeschränkt fühlt, kann der Wunsch aufkommen, selbst die Nummer 1 zu werden. Andererseits ist es aber gut zu wissen, dass jemand anderes die letzte Verantwortung trägt – besonders in Krisenzeiten.

Als Führungsperson gibt es Spannungen und Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten. «Ich lernte, diese Spannungen nicht primär mit dem Vorgesetzten auszutragen, sondern meinem Gott zu sagen.» Hier hält er sich gerne an den Bibelvers: «All euer Tun – euer Reden wie euer Handeln – soll zeigen, dass Jesus euer Herr ist…» Kolosser, Kapitel 3, Vers 17. Das bedeute nicht, dass man sich gegenüber dem Vorgesetzten nicht äussern oder Schwierigkeiten nicht ansprechen darf. Wenn sich aber keine Lösung abzeichnet, gibt es keinen Sinn, auf der Sache zu beharren. «Irgendwann muss der Vorgesetzte die Verantwortung tragen.» Da gelte es, loszulassen.

Berufung erkennen und annehmen

Es hilft, sich seiner Berufung im Klaren zu sein. Im sechsten Kapitel des Epheserbriefes fordert Paulus die Angestellten (Knechte) unter seinen Lesern auf, ihren Vorgesetzten zu dienen. Letztlich sei dies ein Dienst an Gott. Diese Botschaft ist für Hansruedi ein Schlüssel: «Genauso wie dem Vorgesetzten die Verantwortung für eine Firma oder Organisation anvertraut ist, hat Gott auch jeden Mitarbeiter an seine Stelle gesetzt.» Hansruedi hat ein Ja zu seinem Gabenprofil und seiner Berufung. Und genauso bejaht er seinen Vorgesetzten als denjenigen, der von Gott in seine Verantwortung gestellt worden ist. Das befreit!

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