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Menschen eines Stamms in Neu-Guinea (Symbolbild)

Das Friedenskind – Hinter der Flussbiegung warteten 400 Kannibalen

Nachdem er in einem Einbaum die letzte Kurve des Flusses umschifft hatte, sah Don Richardson 400 Sawi-Kannibalen im abgelegenen Neu-Guinea warten, maskiert, in voller Kriegsbemalung und mit Waffen in der Hand…

Nachdem er in einem Einbaum die letzte Kurve des Flusses umschifft hatte, sah Don Richardson 400 Sawi-Kannibalen im abgelegenen Neu-Guinea warten, maskiert, in voller Kriegsbemalung und mit Waffen in der Hand…

Richardson wusste nicht, ob sie ein Willkommensfest für ihn hatten oder ob er, seine junge Frau und sein Baby das Festessen waren. «Sehen wir gut genug aus, um gegessen zu werden?», dachte er.

«Wir konnten nichts anderes tun, als aus dem Kanu zu steigen und ans Ufer zu gehen. Mit Baby Stephen in meinem Arm und meine Frau Carol führend, ging ich vor und sie schlossen sich so eng um uns herum, dass wir uns kaum bewegen konnten. Ihre Augen glänzten vor Aufregung, aber sie waren völlig still, als warteten sie auf ein Signal.»

Jubelschreie

Dann kam das Signal, der Ruf «Asa!» gellte laut um sie herum. «Sie alle fingen an, in die Luft zu springen, ihre Waffen zu schwingen und vor Freude zu schreien, und sie tanzten im Takt ihrer Trommeln um uns herum.» So traf Don Richardson anno 1962 bei diesem Kannibalen-Stamm ein – «Asa» bedeutet offenbar nicht «lass uns essen».

Der Gedanke war nicht abwegig, die Sawi waren wilde Kopfjäger mit einer Vorliebe für Menschenfleisch. Aber sie hatten nicht die Absicht, die ersten Weissen zu essen, die ihre Region betraten, die südlichen Sumpfgebiete von Neu-Guinea. Sie hatten von solchen Missionaren von benachbarten Stämmen gehört, dass sie Medizin, Stahlwerkzeuge und Nylonfischschnüre mitbrachten, um zu helfen.

Hilfe war gekommen

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Don Richardson

Ihr Jubel an diesem Tag basierte auf der Erkenntnis, dass endlich Hilfe zu ihrem Stamm gekommen war. Don hatte Monate damit verbracht, sich auf den Tag vorzubereiten, der seine Frau und sein Kind während einer zehnstündigen Kanufahrt zu den Sawi brachte.

Zuvor hatte er ein Haus gebaut, die Stammesangehörigen waren zuvorkommend und hilfsbereit gewesen. Aber als er mit seiner Frau und seinem Kind auftauchte, fragte er sich: «Sind das dieselben freundlichen Menschen, die mir geholfen haben, mein kleines Haus zu bauen?» Oder wären sie nun feindselig gesinnt?

Doch es sollte gut kommen: «Sie hatten seit ein paar Jahren sehr positive Berichte über ungewöhnlich grosse, ungewöhnlich blasse, kränklich aussehende Menschen namens 'Tuans' gehört. Sie hatten gehofft, dass ein Tuan sich entscheiden würde, unter ihnen zu leben. Sie haben uns mir Freude empfangen.»

Alphabet erfunden

Die erste Aufgabe bestand darin, ihre Sprache ohne Buch, Lehrer oder Übersetzer zu lernen. Er begann damit, auf Dinge zu zeigen, in der Hoffnung, dass ihm jemand das Wort sagen würde.

Aber jedes Mal, wenn er auf verschiedene Gegenstände zeigte, sagten sie immer «redig». Schliesslich erkannte er, dass «redig» «Finger» bedeutet. Die Sawi zeigen nicht mit den Fingern; sie zeigen, indem sie ihre Lippen kräuseln und zielen.

Die geduldige Arbeit führte dazu, ein Alphabet zu erstellen und ein Neues Testament zu schreiben. «Sie wussten nicht, dass die Sprache schriftlich festgehalten werden kann.»

Judas ein guter Kerl?

Die Sawi-Kannibalen und Kopfjäger hatten nicht nur keine Vorstellung von Recht, Richtern und Bestrafung, sie schätzten auch Verrat. «Sie dachten, Judas sei ein guter Kerl. 'Er ist ein Meister des Verrats', sagten sie. 'Don, dieser Mann namens Judas hat uns noch eine Stufe besser gemacht.'»

Als er ihre Bewunderung für Judas in der Geschichte vom Verrat Jesu hörte, war Don verblüfft. «Ich sass mitten unter ihnen und betete: 'Herr, hilf. Ich brauche hier eine Gabe der Weisheit.'»

Die Chance zum Lernen ergab sich, als zwischen rivalisierenden Stämmen von neuem Krieg ausbrach. Pfeile flogen an seinen Fenstern vorbei. Menschen starben vor seiner Tür, als Gewalt und Rache unaufhörlich aufflammten. Vergeblich flehte Don die Sawi an, Frieden zu schliessen. Aber da sie Verrat als Tugend ansahen, konnten keine Friedensgespräche aufgenommen werden; niemand konnte jemandem vertrauen…

Das Friedenskind

Während ein endloses Gemetzel im Gange war, drohte Don schliesslich, den Stamm zu verlassen. Er würde seine Familie und all die Hilfe wieder abziehen.

Der Stamm war entsetzt. Sie hatten ihre Tuans liebgewonnen und brauchten die Medikamente und Werkzeuge. Sie dachten, der Verlust ihres geschätzten Missionars sei zu viel, um sie zu ertragen.

Ein Stammesführer machte also eine aussergewöhnliche Geste: Er gab dem feindlichen Stamm ein «Friedenskind» – sein eigenes Kind. So lange das Kind lebte, herrschte nach alter Sitte Frieden zwischen sich bekriegenden Stämmen.

Jesus – das Friedenskind

Diese Situation bewirkte noch etwas. Es gab Don die perfekte Metapher, um den Sawi verständlich zu machen, was Gott getan hatte. Jesus war Gottes Friedenskind, um den Konflikt zwischen der Sündhaftigkeit des Menschen und Gottes gerechtem Urteil zu beseitigen.

Im Laufe der Jahre wurden die meisten Mitglieder des Stammes Christen – und etliche von ihnen wurden selbst Missionare, um das Evangelium zu den Nachbarstämmen zu bringen.

Und was ist mit dem Friedenskind geschehen? Er wurde zum ersten Sawi, der ein Hochschulstudium absolvierte. Heute ist er Grundschulleiter.

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