Taubblinde lernen backen – Entscheidung auf Hawaii hallt in Jordanien nach

Der christliche Glauben ist für Kranke, Schwache und Alte. Das war für Gerhard Tschanz klar. Dass er sich heute im Pensionsalter in Jordanien für behinderte Kinder einsetzt, hat unter anderem mit einer Entscheidung zu tun, die er in Hawaii traf.

Der christliche Glauben ist nur für Kranke, Schwache und Alte. Das war für Gerhard Tschanz klar. Dass er sich heute im Pensionsalter in Jordanien für behinderte Kinder einsetzt, so dass sogar Taubblinde backen lernen, hat unter anderem mit einer Entscheidung zu tun, die er in Hawaii traf.

Als Koch reiste Gerhard Tschanz durch die Welt, nicht weniger als 22 Jahre lebte er im Ausland. «Meine Eltern waren tiefgläubig. Doch für mich war Jesus damals für die Alten und Kranken. Ich wollte leben!» Gerhard machte sich auf, lebte zunächst als Koch in Berlin, dann folgte Schweden und weitere Länder. «Ich wollte durch die ganze Welt reisen und später ein Restaurant eröffnen.»

Ein Freund von ihm hatte in einem schweizer Hotel eine leitende Stelle inne. Wenn Gerhard mal für ein paar Wochen in der Schweiz war, konnte er während dieser Zeit stets in dieser Gaststätte arbeiten. Hierzulande traf er ein Ehepaar, mit dem er ins Gespräch über den christlichen Glauben kam. «Die beiden fragten mich, ob ich Gott kenne und ich erklärte, dass ich ebenfalls Christ sei.» Wenn auch einfach kulturell. «Ich erwähnte, dass ich bald als Koch nach Hawaii ziehen würde und sie berichteten, dass sie jemanden kennen, der dort arbeitet, ob ich ihm einen Gruss ausrichten könne. Da sagte ich natürlich zu, da ich gerne neue Leute kennenlerne.»

Auf Hawaii gefunden

In Hawaii angekommen, setzte sich Tschanz bald mit dem jungen Japaner in Verbindung. «Auf Hawaii leben rund siebzig Prozent Asiaten. Sie besuchten mich zu dritt.» Sie fragten ihn im Laufe des Gesprächs, ob er mit in die christliche Gemeinde kommen würde. «Ja, warum nicht», sagte sich Tschanz. «Ich ging, weil ich so weitere neue Leute kennenlernen konnte.»

Eine Freundschaft entwickelte sich. «Mich berührte, dass sie mich immer wieder abholten und auch in die Jugendgruppe mitnahmen.» An einem Sonntag sagte der Pastor in die Gemeinde hinein: «Jesus liebt dich!» Diesen Satz hatte er zwar von den Eltern und von anderen Menschen zahllose Male gehört. Doch er spürte jetzt, dass es stimmte; durch die Liebe dieser jungen Personen auf Hawaii hatte er dies erfahren.

Das Abenteuer beginnt

Das Abenteuer begann jetzt aber erst richtig, erzählt Tschanz. Er arbeitete in einem Restaurant für Reiche, wo sich auch Filmstars zeigten. Dann begann sich Gerhard in einem Armenviertel in der Stadt zu engagieren. Später, in der Schweiz, wirkte er für das Blaue Kreuz, und eröffnete den 'Bunker' in Aarau.

Heute lebt er in Jordanien. Der Bruder seiner Frau setzt sich dort bereits seit 35 Jahren für Gehörlose ein. «Seit vier Jahren bin ich pensioniert und so entschieden wir uns, ihn einmal vor Ort zu besuchen, ich bin immer offen für Neues.»

Burger für junge Bürger

In diesem Institut wird für 140 gehörlose Jugendliche gesorgt, etwa 14 von ihnen sind taubblind. «Schon am ersten Tag berührte mich diese enorme Gemeinschaft, in der die Älteren für die Jüngeren sorgen.» Täglich besuchte Tschanz das Werk. «Die Kinder kamen immer auf mich zu, obschon ich die Gebärdensprache nicht beherrsche.»

Sie hatten von Mennoniten aus den USA rund zwölf Tonnen Truthahnfleisch in Dosen erhalten. «Ein Restaurant vor Ort konnte ihnen nicht weiterhelfen. Weil ich diese Dosen kannte, stellte ich mit dem Küchenteam des Instituts 4'000 'Turkey-Burger' her.» Ein schöner Vorrat. Dann hatte er die Idee, dass er noch andere Dinge zubereiten könnte.

Zimtschnecken in Jordanien

Wieder in der Schweiz bot er an, nach Jordanien zurückzukehren und etwas aufzubauen – die zuständige Person zeigte sich erfreut. Bei einer weiteren Jordanienreise brachte er den Kindern bei, wie sie backen können. «Ich erklärte ihnen jeden Schritt.» Mittlerweile reist Tschanz regelmässig hin und bleibt für jeweils mehrere Wochen. «Die Kinder haben riesige Freude, dass sie kreativ sein dürfen.»

«Die Blinden sehen es zwar nicht, aber sie schmecken es.» Zeitlich dauert es zwar länger, weil alles langsamer vor sich geht. Bis die Zimtschnecken gebacken sind, kann das rund drei Stunden dauern. «Aber die Kinder sind voller Freude. Wenn die Arbeit getan ist, springen sie mit dem Backblech zu ihren Kameraden.»

Gefunden

Normalerweise sind die Kinder zwischen drei und zwanzig Jahren alt. «Behinderte Kinder sind im Nahen Osten wie ausgestossen. Eine Frau, die zunächst gehörlos war und dann noch erblindete, lebte völlig verwahrlost bei ihrer Familie. Eine Kollegin von ihr, die an diesem Institut arbeitet, fragte, ob diese Frau nicht auch da leben könne.» Dies wurde ihr erlaubt. Innerhalb von einem Jahr fand sie durch die hier gewonnene Liebe zum Glauben.

Vor kurzem lehrte Tschanz die jungen Menschen, wie man Zöpfe macht. «Etliche lernten es und strahlten vor Freude.»

Pro Halbjahr fliegt Gerhard Tschanz für mehrere Wochen nach Jordanien. Dort zu wirken, sei eine neue Aufgabe für ihn. «Ich bin pensioniert und habe eine neue Berufung.»

Zur Webseite:
Buch: Der Auslandschweizer von Gerhard Tschanz
The Holy Land Institute for the Deaf

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