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Laura M. Fabrycky mit ihrem Buch

Schlüssel zu Bonhoeffers Haus – Eine «Liebeserklärung» an Dietrich Bonhoeffer

Die amerikanische Schriftstellerin Laura M. Fabrycky ist dem Theologen Dietrich Bonhoeffer eher zufällig «begegnet», als ihr Mann Diplomat in Berlin war. Aus der Spurensuche ist nicht nur eine ehrenamtliche Tätigkeit entstanden.

Die amerikanische Schriftstellerin Laura M. Fabrycky ist dem Theologen Dietrich Bonhoeffer eher zufällig «begegnet», als ihr Mann Diplomat in Berlin war. Aus der Spurensuche ist nicht nur eine ehrenamtliche Tätigkeit entstanden, sondern auch ein Buch, in dem sie zeigt, wie der Theologe ihr Leben heute prägt.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat viele Menschen und Generationen geprägt. Wie es Laura M. Fabrycky mit dem Theologen der Bekennenden Kirche ergangen ist, beschreibt sie in ihrem Buch «Schlüssel zu Bonhoeffers Haus». Darin zeigt sie viele Facetten Bonhoeffers auf und beschreibt, wie sie bis heute von dessen Wirken profitiert.

Als Fabryckys Mann 2016 amerikanischer Diplomat in Berlin wird, tritt Bonhoeffer eher zufällig in ihr Leben. Sie erkundet ihr neues Umfeld und besucht wichtige historische Orte der Stadt. Dabei ist sie schnell von Bonhoeffer und dessen Spuren fasziniert. Sie nimmt an Führungen in dessen Haus in der Marienburger Allee 43 teil und ist beeindruckt, wie sich ihre «bis dahin verengte amerikanische Sicht» erweitert.

Das Buch beschreibt weniger die grossen Lebenslinien, sondern eher die Wahrheiten, die Bonhoeffers Leben geprägt haben. Es sind die Fragen nach der Identität, nach Freundschaften und dem richtigen Umgang mit der Bibel. Sie selbst empfindet sich in dieser Phase als politisch heimatlos, was mit den Turbulenzen um die Wahl von Donald Trump zu tun hat. Sie freut sich aber über die Erkenntnis, dass es «eine grössere Geschichte gibt als meine eigene».

Mutter und Grossmutter prägten die Identität

Als Fabrycky in Bonhoeffers Familiengeschichte eintaucht, erfährt sie, wie wichtig Identität und Herkunft für den Beziehungsmenschen sind. Ihn prägten eine vor Lebensfreude sprühende Mutter Paula und eine Grossmutter Jule, die auch den zivilen Ungehorsam nicht scheute. Es ging darum, bereit zu sein, anderen Menschen auch dann zu helfen, wenn es für einen selbst gefährlich werden konnte.

Die Autorin betont, wie viel Kraft Bonhoeffer für seinen unermüdlichen Einsatz für die Bekennende Kirche aufbringen musste. Eine Kraftquelle und ein Anker gegen die «aufpeitschenden inneren Wellen» waren für ihn die tägliche Losungs- und Bibellektüre. Sie halfen ihm, ein waches und bewusstes Leben zu führen, und er empfahl sie deswegen gerne weiter. Fabrycky kommt zu der Erkenntnis, dass soziales Handeln und Gebet zusammenhängen.

Auch wolle sie von Bonhoeffer lernen und über den Tellerrand schauen. Sowohl in Berlin als auch in New York habe der Theologe immer sein Lebensumfeld im Blick gehabt. In den USA habe er Kirchen als Orte erlebt, die die eigene Identität und Würde aufrichteten. In der Weltwirtschaftskrise war es für Bonhoeffer selbstverständlich, dass Christen Menschen in ihren alltäglichen Bedürfnissen unterstützen sollten: auch das ein Punkt, an dem Bonhoeffer den Blick der Autorin weitete.

Immer den Nächsten im Blick behalten

Theologie und Glauben waren für ihn niemals Privatsache, stellt die Autorin fest. Deswegen sollten Menschen immer wieder über ihren Glauben und ihre moralischen Verpflichtungen nachdenken. Wer Jesus nachfolgte, sollte aus Bonhoeffers Sicht seine Mitmenschen im Blick haben und sie im Leid unterstützen. Der Theologe habe stets gewusst, wie fragil das Gefüge der Bekennenden Kirche war. Er wollte aber nicht tatenlos beim Verfall des Staates zusehen. Sein Weg, den er ging, war der «verantwortungsbewussteste Ausdruck seines christlichen Glaubens».

Spuren hinterlassen hat bei ihr aber auch Bonhoeffers Beschäftigung mit Freundschaften und seinem eigenen Tod. Er pflegte mit vielen Menschen fruchtbare und inspirierende Beziehungen. Bonhoeffers Wirken erinnert die Autorin daran, «dass unsere Beziehungen zu anderen Menschen von entscheidender Bedeutung für das Wohl und das Leben aller sind». Bei der Beschäftigung mit dem Tod habe der Theologe stets darauf geblickt, was danach kommt.

Ein Schlüssel zu Bonhoeffers Haus

Fabrycky setzt sich deswegen – bis die Familie Berlin verlässt – dafür ein, dass dieser Ort und seine Geschichte bedeutsamer werden. Sie hat selbst damit begonnen, Führungen durch Bonhoeffers Haus anzubieten. Dafür hat sie die Schlüssel bekommen. Das Buch ist keine Bonhoeffer-Biografie im eigentlichen Sinne, sondern hat auch eine Schlüsselfunktion. Es gewährt interessante, chronologisch nicht geordnete Einblicke in verschiedene Lebensbereiche des Theologen.

Das gelingt der Autorin gut – auch mit den Bezügen zu ihrem eigenen Leben. Für sie ist aus einem Fremden ein wichtiger Mensch geworden, dessen Erbe sie wachhalten möchte. Von Bonhoeffer zu lernen, heisst für sie, auch Verantwortung zu übernehmen: im Grossen und im Kleinen. Wenn das möglichst viele Leser des Buches beherzigen, könnten sie etwas verändern und ihr Umfeld gestalten.

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Zum Buch:
Schlüssel zu Bonhoeffers Haus

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