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Benedikt von Nursia, gemalt von Fra Angelico als Teil seiner Kreuzigungsdarstellung im Fresko des Konvents von San Marco

Spiritualität mit Auswirkungen – Benedikt von Nursia – Glauben gegen den Strom

Er gilt als Begründer des Mönchstums: Benedikt von Nursia. Der studierte Sohn reicher Eltern ging seinen eigenen Weg und verfasste mit der Benediktregel nicht nur die Grundlage für ein klösterliches, sondern für ein geordnetes geistliches Leben.

Er gilt als Begründer des Mönchstums: Benedikt von Nursia. Der studierte Sohn reicher Eltern ging seinen eigenen Weg und verfasste mit der Benediktregel nicht nur die Grundlage für ein klösterliches, sondern für ein geordnetes geistliches Leben.

Benedikt (ca. 480–547) gilt in der katholischen Kirche als Heiliger. Mit seiner Sehnsucht nach einer tiefen Spiritualität auch gegen Oberflächlichkeit und bürgerliche Prägung ist er vielen Christen auch heute noch ein Vorbild. Seine «Regula Benedicti» ist mehr als eine grundlegende Schrift für klösterliches Leben: Sie zeigt die Schönheit verbindlicher Gemeinschaft und betont ein ausgewogenes und massvolles Leben als Christ.

Ein Rückzug von der Gesellschaft

Benedikt kam zwar in Umbrien zur Welt, wurde aber als junger Mann von seinen reichen Eltern zum Studium nach Rom geschickt. Das sittenlose Leben dort stiess ihn so ab, dass er sich als Eremit drei Jahre lang in eine Höhle zurückzog. Dort lernte er nach der Überlieferung, sich ganz auf Gott auszurichten. Wegen seines guten Rufs wurde er bald darauf zum Vorsteher eines Klosters. Doch die Mönche dort störten sich an dem Oberen, der ihr religiös angehauchtes bürgerliches Leben infrage stellte. Sie versuchten, ihn zu vergiften, doch er überlebte den Anschlag. Enttäuscht kehrte er in seine Höhle zurück, doch er blieb dort nicht allein: Es folgten ihm Menschen mit einer tiefen Sehnsucht nach einem geistlichen Leben. So sammelte er inmitten der unbeständigen Zeit der Völkerwanderungen, als viele Mönche eher für sich blieben, viele Nachfolger.

Eine starke Gemeinschaft

Für diese Menschen gründete Benedikt Mönchskolonien, die er als Familien betrachtete. Die Gemeinschaften aus «Brüdern» hatten einen «Abbas» als Vater, einen erfahrenen und reifen Christen. Seine Idee war eine verbindliche Gemeinschaft, die sich weder als harte Asketen noch als angepasste Bürgerliche verstanden. Damit formte Benedikt klösterliche Gruppen, die verbindlich zusammenlebten, sesshaft waren, aufeinander achteten und eine liebevolle Gemeinschaft pflegten – die abendländische Klosterkultur war damit geboren.

Ein geregeltes Leben

Laut Legende zog Benedikt schliesslich auf den Monte Cassino, wo er 529 das Mutterkloster der Benediktinergründete. Dort verfasste er auch seine berühmte «Regula Benedicti», die Benediktinerregel, mit der er das alltägliche Zusammenleben ordnen wollte. Manches in diesen Regeln klingt heute antiquiert, anderes sehr aktuell. Benedikts Ziel war es, Gebet und Arbeit in ein gesundes Verhältnis zu bringen – später entwickelte sich daraus das bekannte «ora et labora» –, daneben spielten das Lesen der Bibel, das persönliche Suchen der Mönche und das Streben nach Einfachheit eine wichtige Rolle. Neben dem Gehorsam gegenüber den Leitern ging es darin auch um eine fast demokratische Mitverantwortung der «Brüder». Auch das Engagement für Kranke und Hilfsbedürftige findet darin breiten Raum.

Ein allgemeingültiger Ansatz

Bald nach dem Verfassen wurden Benedikts 73 Regeln von anderen monastischen Gruppierungen übernommen; ab dem 8. Jahrhundert waren sie in allen Klöstern verbindliche Grundlage des Zusammenlebens. Obwohl sich etliche seiner Gedanken nur um das Leben im Kloster drehen und einige nicht mehr zeitgemäss sind, bleiben die Benediktregeln bis heute Vorbild für viele Menschen: für Christen in (klösterlichen) Lebensgemeinschaften, für Gläubige auf der Suche nach Struktur in ihrem Leben, für konsequente Nachfolger von Jesus, die massvoll leben möchten, und genauso für Menschen, die einfach nach einer gesunden Work-Life-Balance suchen. Benedikt, der vor 1'500 Jahre lebte, hat ihnen allen etwas zu sagen. Bis heute.

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