Bekannte Redensarten – Woher stammt «Eine Warnung in den Wind geschlagen»?

Die Wendung «etwas in den Wind schlagen» ist gebräuchlich. Sie kommt im allgemeinen Wortschatz ebenso vor wie in den Medien. Bereits in der Bibel kommt dieses geflügelte Wort vor – im Buch Jeremia.

Die Wendung «etwas in den Wind schlagen» ist gebräuchlich. Sie kommt im allgemeinen Wortschatz ebenso vor wie in den Medien. Bereits in der Bibel kommt dieses geflügelte Wort vor – im Buch Jeremia.

Weit zu suchen braucht man nicht, um im Alltag auf die Wendung «etwas in den Wind schlagen» zu stossen. Meist geht es dabei um Warnungen, die übergangen werden. Grundsätzlich geht es darum, etwas zu ignorieren.

So schrieb in diesen Tagen eine deutsche Zeitung: «Literaturnobelpreisträger Bob Dylan (75) hat erneut eine Ehrung in den Wind geschlagen: Er schwänzte eine Feier im Weissen Haus zu seinem Nobelpreis.»

Oder eine Zeitung in der Schweiz schrieb: «Doch diese Warnungen werden in den Wind geschlagen. Die Naivität unserer Behörden ist verantwortungslos. Man zieht es vor, wegzuschauen, sich zu ducken.»

Schon Jeremia brauchte die Worte

Diese Worte sind bereits seit längerem im Sprachgebrauch: Sie kommen bereits in der Bibel vor, in der Bibel, Jeremia, Kapitel 6, Vers 10. Dort betet der Prophet: «Herr, wen soll ich überhaupt noch warnen? Keiner hört mir zu, sie haben ihre Ohren verschlossen und schlagen meine Worte in den Wind. Was du sagst, finden sie lächerlich, es ist ihnen ganz und gar zuwider.»

Er enerviert sich, dass das Volk nicht darauf achtet, als er es kurz zuvor gewarnt hatte (ab Jeremia, Kapitel 6, Vers 1): «Flieht, ihr Leute von Benjamin, lauft weg aus Jerusalem! Blast das Signalhorn in Tekoa, richtet oberhalb von Bet-Kerem Zeichen auf, die den Menschen den Fluchtweg weisen. Denn von Norden her droht euch Unheil, euer Untergang naht! Jerusalem ist schön und verwöhnt, doch ich mache die Stadt auf dem Berg Zion dem Erdboden gleich.»

In den Wind geschlagen

Jahrelang riet er dem Volk, sich dem Herrn zuzuwenden, da ansonsten der Untergang drohe. Die Warnungen wurden – wie oben dokumentiert – «in den Wind geschlagen».

Schliesslich erfolgte der Untergang Jerusalems und des Tempels im Jahr 586 vor Christus durch den babylonischen König Nebukadnezar II.

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