Wie viele Infos sind hilfreich? – Wissensdurstige, Verschwörungs-Theoretiker und Beter

Christen sollen die Zeichen der Zeit erkennen. Das braucht offene Augen, gute Informationen und einen wachen Geist. Es ist aber die Gottesbeziehung, welche uns durch Krisen trägt. Ein Kommentar von Livenet-Redaktor Markus Richner-Mai.
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Markus Richner-Mai schreibt regelmässig Beiträge für Livenet

Seit Jahren lese ich regelmässig Bücher mit Hintergrundinformationen über das Zeitgeschehen. Das hat mir unter anderem zu einem Verständnis verholfen, weshalb Massenmedien ohne ersichtlichen Grund oft die gleichen Themen in den Vordergrund stellen oder weshalb ungeheure Geldsummen für medizinische Behandlungen ausgegeben werden, deren Nutzen längst widerlegt ist. Die Bücher, welche ich in vergangenen Jahren über den Nahostkonflikt gelesen habe, waren für mich hilfreich zum Verständnis des aktuellen Konflikts im Nahen Osten.

Wissenslücken stopfen

In ruhigen Momenten vertiefe ich mich gerne in irgendwelche Bücher. Ein hektisches Informieren liegt mir weniger und so fühlte ich mich in Coronazeiten oftmals überfordert. Das Geschehen nicht zu verstehen, war für mich oft schwierig. Unzählige Informationen und faktenfreie Stimmungsmache füllten die Mainstream- und auch die alternativen Medien. Ich wollte nicht naiv irgendjemandem Glauben schenken. Handkehrum widerstrebt es mir aber auch, herausfordernde Ansichten mit dem Kampfbegriff «Verschwörungstheorie» abzuwehren. Das ist respektlos. Also verschob ich eine vertiefte Lektüre.

Während einer Ferienwoche im Jahr 2023 las ich dann ein paar hundert Seiten über die Bill & Melinda Gates Stiftung und da ich gerade dabei war und weil ich mich auf potentielle Streitpunkte der Zukunft etwas wappnen wollte, fügte ich gleich noch ein (wie mir scheint) fundiertes Buch über die Investmentgesellschaft BlackRock hinzu. Während der leseintensiven Zeit durchlebte ich ziemlich aufwühlende Momente.

Brauchen wir diese Informationen eigentlich?

Fragen über Absichten von Globalisten, Konzernen und internationalen Organisationen können uns umtreiben. Dass unsere Welt einem Wandel unterworfen ist, liegt auf der Hand. Doch wie bewerten wir diese Umbrüche? Und: Sollen wir uns überhaupt mit diesen Dingen auseinandersetzen? Letztlich haben wir Christen ja einen anderen (primären) Auftrag, als die Machenschaften unserer gefallenen Welt zu studieren.

Wir sollten wachsam sein, die Zeichen der Zeit erkennen und, falls nötig, die Stimme erheben. Eine schweigende Kirche ist letztlich eine gutheissende Kirche. Nun mag jemand fragen, welchen Nutzen Hintergrundinformationen haben, wenn diese verwirren, beängstigen oder sogar zu Streit und Spaltung führen können? Wenn wir uns aber gegen fundierte Hintergrundinformationen entscheiden, sollten wir denn nicht konsequenterweise auf jeglichen Medienkonsum verzichten? Oberflächliche Berieselung von News kann ja auch nicht die Lösung sein.

Wenn die Auseinandersetzung zum Gebet führt

Informationen sollten uns zu einer Hilfe fürs Gebetsleben werden. Persönlich habe ich festgestellt, dass mich das hektische Informieren durch die unzähligen Beiträge im Internet nicht weiterbringt. Und die durch Algorithmen ausgewählten Inhalte der sozialen Medien fördern letztlich eher eine gesellschaftliche Polarisierung als eine fundierte Sichtweise.

Grundsätzlich braucht es nicht viel: Im Blick auf unlautere Machenschaften von Globalisten, Weltkonzernen und internationalen Organisationen kann ganz einfach dafür gebetet werden, dass Gott das Gute fördert und das Böse aufhält. Hierzu braucht es keine detaillierten Informationen darüber, welche Organisation genau was beabsichtigt. Für einzelne Christen mag es wichtig sein, sich zu informieren. Normalerweise ist es aber weise, niemanden von der gewonnenen Sichtweise überzeugen zu wollen – diese entspricht letztlich ohnehin kaum zu 100 Prozent der Wahrheit. Noch sinnloser ist es jedoch, Menschen für deren Meinung leichtfertig als Verschwörungstheoretiker (oder einen anderen diffamierenden Ausdruck) zu bezeichnen, ohne sich selbst mit der Materie auseinandergesetzt zu haben. Wäre es nicht schön, wenn wir gerade in Kirchen zu faktenbasierten Diskussionen finden würden, die uns direkt ins gemeinsame Gebet führen? Oder ist das heute schon ein Ding der Unmöglichkeit?

Letztlich geht es um die Beziehung mit Gott

Nachdem ich zahlreiche Bücher gelesen hatte, sind mir manche Dinge klarer geworden. Trotzdem fragte ich mich, was dieses Wissen für mich ändert. Um zu verstehen, dass böse Mächte in dieser Welt wirksam sind, genügt die Lektüre der Bibel. Auch die Überzeugung, dass die Gemeinde wachsam sein sollte, hat sich nicht verändert. Durch das angeeignete Wissen – welches in den Details nicht zwingendermassen korrekt ist – wurde mir aber die Dringlichkeit eines erweckten Glaubens neu bewusst. Wiederholt gingen mir die Augen dafür auf, wie ich mit meinem Verhalten einen kleinen Beitrag zum Erfolg eines schlechten Systems leiste. Das macht demütig.

Es ist eine Hilfe, die groben Dynamiken der heutigen Zeit zu verstehen. Viel wichtiger ist es mir aber, in enger Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist zu leben und mich von ihm führen zu lassen. Meinungsverschiedenheit und unnötige, spekulative Diskussionen sollen mich nicht vom Gebet abhalten – genauso wenig, wie ich meine Zeit sinnlos mit stimmungsmachenden News vergeuden möchte. Am Ende ist es meine Beziehung mit Gott, die mich durch kommende Krisen hindurchzuträgt. Informationen werden dies kaum können – egal wie korrekt sie sind.

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