Partnerschaften für Jesus – «Wir brauchen ein Umdenken für die Weltmission»

Während die christliche weltweite Mission voranschreitet, kämpfen viele Werke ums Überleben. Pastor Oliver Marti beschreitet mit Begeisterung neue Wege, um das Evangelium in die Welt zu tragen.

Während die christliche weltweite Mission voranschreitet, kämpfen viele Werke ums Überleben. Pastor Oliver Marti beschreitet mit Begeisterung neue Wege, um das Evangelium in die Welt zu tragen.

Oliver Marti ist verheiratet mit einer Südkoreanerin, hat vier Kinder und arbeitet als Pastor in der Pfimi Rheinfelden. Seine Liebe für die Weltmission führte zu einem Einsatz für die Partnerschaftsmission. In einem Interview gab er Auskunft über seine Leidenschaft für Partnerschaftsmission.

Livenet: Weshalb haben Sie ein Herz für Weltmission?
Oliver Marti: Im Alter von 20 Jahren wurde ich Christ. Seither habe ich eine Leidenschaft, das Evangelium in andere Nationen zu tragen. Schon immer liebte ich das Reisen. Ich bin begeistert von anderen Kulturen und Menschen. Mein Anliegen der Weltmission hat sich seither gefestigt und weiterentwickelt.

Was prägte Sie für die Missionsarbeit?
Nachdem ich Christ geworden war, arbeitete ich in einem christlichen Hilfswerk. Dort lernte ich sehr vieles über das Betreuen von christlichen Projekten. Später war ich vier Jahre im Missionsdienst in Neuseeland. In dieser Zeit las ich «Revolution in World Missions» von Dr. K.P. Yohannan. Darin schrieb er, dass unzählige Inder für einen Missionsdienst brennen, diesen jedoch aufgrund mangelnder Ressourcen nicht wahrnehmen können. Dieses Buch hat mein Verständnis von Mission geprägt. Ich begann mir ganz neue Gedanken über Weltmission zu machen.

Zu welchen Schlüssen sind Sie gekommen?
Ein wichtiger Gedanke wurde mir die Effizienz von Mission. Ich kam zur Überzeugung, dass wir mit unseren Ressourcen weit mehr bewegen können. Christen westlicher Länder sind sehr privilegiert, was Finanzen und Know-how betrifft. Dadurch haben wir die Möglichkeit, lokale einheimische Missionare freizusetzen.

Wenn wir einen Missionar aus der Schweiz in ein Drittweltland schicken, wird er Jahre der Einarbeitungszeit brauchen. In dieser Zeit kostet er monatlich 4'000 bis 6'000 Fr. In heutiger Zeit bleibt ein Langzeitmissionar durchschnittlich keine sieben Jahre auf dem Feld. Langfristiges Engagement ist dadurch limitiert. Ein lokaler Missionar braucht für seinen Unterhalt lediglich 50 Franken und ist vom ersten Tag an einsatzbereit. Er hat weder Sprach- noch Kulturbarrieren. Der Gedanke von Partnerschaftsmission wurde für mich immer interessanter.

Partnerschaftsmission? Was bedeutet das genau?
Es ist eine Zusammenarbeit mit lokalen Missionaren, welche auf freundschaftlicher Basis aufgebaut wird. Gemeinsam haben wir das Ziel, Gottes Auftrag in dieser Welt zu erreichen. Partnerschaftsmission bedeutet, einheimische Missionare zu unterstützen. Dies geschieht mit Ausbildung, Finanzen und Gebet. Sehr wichtig ist auch das Pflegen der Beziehungen. Als Frucht solcher Freundschaften entsteht gegenseitige Inspiration.

In der Schweiz haben wir so vieles an Wissen und Training. Das gebe ich gerne weiter. Mein Ziel ist es, meinen Freunden die Hände für ihren Dienst frei zu machen.

Was machen Sie konkret?
Zwei Jahre nach dem Lesen des Buches traf ich einen afrikanischen Missionar. Er war von Gott berufen und hatte eine brennende Vision für sein Land. Trotzdem war er entmutigt, war alleine und ohne Unterstützung.

Sofort sah ich meinen Auftrag. Seither besuchte ich ihn mehrmals im Togo, führte Schulungen durch und vertiefte Freundschaften mit den lokalen Leitern. Daraus erwuchs schliesslich eine wachsende Arbeit.

Ist die Zeit der klassischen Mission vorbei?
Ich glaube nicht, dass die klassische Mission vorbei ist. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir umdenken müssen. Besonders dort, wo es bereits eine gefestigte lokale Kirche gibt, müssen wir die Rolle des Unterstützers einnehmen.

Länder, die vor wenigen Jahrzehnten als Missionsgebiete galten, haben heute eine stärkere Kirche als wir. Trotzdem haben wir Möglichkeiten, sie zu unterstützen. Es braucht aber ein Umdenken.

Wie bringen Sie Gemeindearbeit und Weltmission unter einen Hut?
Meine Berufung besteht darin, Weltmission zu fördern. Dabei habe ich zwei Schwerpunkte: Erstens hat Gott mir einen Missionsauftrag für die Schweiz gegeben. Ich bin also ein einheimischer Missionar in der Schweiz.

Zweitens bin ich vom Auftrag überzeugt, Christen in ärmeren Ländern zu unterstützen. Diese Gemeinden sind in geistlicher Hinsicht oft sehr reich, haben aber Mangel an Finanzen und Ausbildung. Für die Mission in diesen Ländern können wir einen grossen Beitrag leisten. Materieller Reichtum und Ausbildung kann vieles bewirken. Das begeistert mich.

Obwohl ich meiner Berufung in der Schweiz nachkomme, kann ich doch lokalen Missionaren helfen, ihre Berufung auszuleben. Das ist für mich ein Privileg und eine grosse Befriedigung.

Was betrachten Sie als persönlichen Gewinn?
Jedes Mal wenn ich bei Freunden in anderen Ländern bin, werde ich selbst herausgefordert und beschenkt. Die Hingabe dieser Leute inspiriert mich. So wird mir klar, dass wir Christen im Westen mehr haben als wir brauchen. Diese lokalen Missionare öffnen mir die Augen, worum es in Gottes Reich wirklich geht. Im internationalen Austausch empfange ich sehr viel Inspiration. Das ist ein Gewinn für mich persönlich, aber auch für die Arbeit in meiner Gemeinde.

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