Mission hinterfragt – Lohnt sich ein Leben als Missionar?

Marjorie und Stanely Okoro sind Gemeindegründer in Lille, Frankreich. Woran sollten sie ihren Erfolg messen? Sollte man bei geringem Ertrag nicht besser aufhören oder an anderer Stelle investieren? Eine ehrliche Antwort von Marjorie Okoro.
FEG
Marjorie Okoro und ihr Mann Stanely arbeiten zusammen in Lille

In unserer schnelllebigen Welt, in der Zeit Geld bedeutet, dreht sich vieles um Effizienz und Rentabilität. Wir fragen uns: Wie kann man Ressourcen sinnvoll investieren, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen? Wie lässt sich noch mehr und Besseres erreichen? Und umgekehrt: Sollte man aufhören zu investieren, wenn der Ertrag zu gering ist? Das sind Fragen, die in der Geschäftswelt ständig gestellt werden, denn dort geht es in erster Linie um Gewinnmaximierung. 

Auch ich stelle mir diese Fragen, denn ich möchte eine gute Verwalterin im Dienst des Herrn sein – dazu fordert uns die Bibel schliesslich auf.

Pflanzen, die wieder eingehen

In unserer Gemeindegründungsarbeit ziehen wir regelmässig Bilanz über unsere Aktivitäten. Wir beten darum, dass Gott uns hilft, unsere Ressourcen bestmöglich einzusetzen, um dem Auftrag Christi nachzukommen und Menschen zu Jüngern Jesu zu machen (Matthäus Kapitel 28, Verse 18–20). Doch um ehrlich zu sein: Das Leben als Missionar in Frankreich scheint sich oft kaum zu lohnen. Man verbringt viel Zeit mit Menschen, bereitet Bibelarbeiten vor, betet und bewirtet Gäste – aber man sieht selten Bekehrungen.

Wir träumen von dem Samen, der wächst und reiche Frucht bringt. Stattdessen sehen wir viel öfter Samen, die verloren gehen, oder Pflanzen, die wieder eingehen (Matthäus Kapitel 13, Verse 4–8).

Mein Stolz führt dazu, dass ich anderen gerne Ergebnisse vorweisen würde. Wenn Leute fragen, was ich beruflich mache und ich es ihnen erkläre, wünsche ich mir oft nur eines: dass sie aufhören zu fragen, ob ich nicht auch einen «richtigen» Job habe. Doch genau das hilft mir, mich daran zu erinnern: Mein Wert hängt nicht davon ab, was andere über mich denken, sondern er kommt von meinem Herrn.

Wie Gott Effizienz misst

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass Gott Effizienz anders misst als wir. Es gibt immaterielle Werte, die man nur mit viel Zeit erreichen kann – wie zum Beispiel Vertrauen.

Ein Beispiel: Seit zwei Jahren gehen wir fast jeden Donnerstagnachmittag an denselben Ort, bieten Passanten Kaffee an und kommen mit ihnen ins Gespräch. Ein Mann kommt schon von Anfang an vorbei, um einen Kaffee zu trinken, doch tiefgehende Gespräche ergaben sich lange Zeit nicht. Vor Kurzem hatten wir ihn gefragt, was Glück für ihn bedeutet. Eine Woche später kam er wieder und erzählte, er habe die ganze Woche darüber nachgedacht. Für ihn sei Glück die Freundschaft, die sich über die Monate zwischen uns entwickelt habe. Seitdem führen wir oft tiefe Gespräche mit ihm, und er ist neugierig geworden, unseren Glauben zu verstehen. Wie viele Stunden und wie viel Kaffee hat es gekostet, um an diesen Punkt zu kommen? Sehr viele! Hat es sich gelohnt? Ja.

Aus menschlicher Sicht scheint das Leben als Missionar wenig rentabel zu sein. Es braucht die Unterstützung von Brüdern und Schwestern, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und manchmal trägt es nicht viele sichtbare Früchte, doch es ist eines der Mittel, die Gott der Kirche gegeben hat, um in ewige Reichtümer zu investieren, und es gibt nichts Lohnendes als das!

In letzter Zeit haben mehrere Teammitglieder uns von ihrer Müdigkeit und Entmutigung angesichts der wenigen sichtbaren Früchte berichtet. Möchtet ihr mit uns für alle Missionare in Frankreich beten? Danke!

Dieser Beitrag erschien zuerst im «fegmagazin»mit freundlicher Genehmigung der FEG.

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