Im Alltag – Wieso Werte leben, wenn das eh niemand wahrnimmt?

Es kann manchmal sehr ermüdend sein, immer das Korrekte zu tun oder zu sagen, selbst wenn wir allein sind. Ist das wirklich so wichtig?
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Nachdenklicher Mann

Es kann manchmal so ermüdend sein, immer das Korrekte zu tun oder zu sagen, selbst wenn wir allein sind. Ist das wirklich so wichtig?

Christen haben einen gewissen moralischen Standard, der sich von der Bibel ableiten lässt. Da sind natürlich die Zehn Gebote wie «Du sollst nicht töten» oder «Du sollst kein falsches Zeugnis geben», aber auch die Erweiterung dieser Gebote durch Jesus in der Bergpredigt. Auch Paulus schreibt an vielen Stellen, wie Christen miteinander und mit Nichtchristen umgehen sollen.

Trotzdem kann es manchmal frustrierend sein, diesen geradlinigen Lebensstil aufrecht zu halten, insbesondere in den Momenten, in denen man allein ist. Es sieht ja eh niemand, ob ich mich jetzt korrekt verhalte oder nicht. Manchmal ist das korrekte Verhalten auch viel komplizierter als das inkorrekte, wenn man etwa erst zuhause bemerkt, dass die Kassiererin einem einen Zwanziger-Schein statt einen Zehner im Wechselgeld zurückgegeben hat. Muss ich jetzt noch einmal los, um das Geld zurückzugeben? Oder wenn ich bei der Arbeit eine Krankheit vortäusche, statt die wahren Motive meines Fehlens erklären zu müssen…

Sie hatte allen Grund, aufzugeben

Vielleicht hat sich Ruth ähnlich gefühlt. Die junge Witwe hatte sich entschlossen, ihre Schwiegermutter – ebenfalls verwitwet – in deren Heimat zurückzubegleiten. Wusste sie, als sie diese Entscheidung traf, was das bedeutet? Sie musste sich nicht nur als alleinstehende Frau im von Männern geprägten Ausland durchschlagen, sondern auch noch ihre alte Schwiegermutter Noomi versorgen. Ob es ihr mal durch den Kopf ging, alles stehen und liegen zu lassen und zurück in die Heimat zu gehen? Oder sich ihre Schönheit zunutze zu machen und irgendwie an einen Mann zu kommen?

Aber Ruth war anders. Sie hatte durch ihre Schwiegerfamilie Gott kennengelernt und wollte ihm gefallen (Die Bibel, Ruth, Kapitel 2, Vers 12). Also sorgte sie im Stillen weiter für die Schwiegermutter, rackerte sich ab und half den beiden so, am Leben zu bleiben.

Im Stillen, aber nicht unbemerkt

Doch ihre korrekte Haltung blieb eben nicht unbemerkt. Nicht nur Gott sah das – und auch ihr Herz –, sondern die Menschen um sie herum. So erklärte etwa Boas, der reiche Landwirt und entfernte Verwandte Noomis, auf dessen Feld Ruth die liegengebliebenen Ähren auflas, bei ihrer ersten Begegnung: «Man hat mir berichtet, wie du seit dem Tod deines Mannes deiner Schwiegermutter beigestanden hast. Deine Eltern und dein Land hast du verlassen und dich einem Volk angeschlossen, das du vorher nicht kanntest. Du bist zum Herrn, dem Gott Israels, gekommen, um bei ihm Schutz und Zuflucht zu finden. Möge er alle deine Taten reich belohnen!» (Verse 11-12) Letztlich heirateten die beiden und wurden zu den Urgrosseltern von König David und letztlich zu Vorfahren von Jesus.

Unser Verhalten – ob gut oder schlecht, selbst wenn es im Privaten geschieht – bleibt nicht unbemerkt. Nicht nur von Gott. Auch die Menschen um uns herum merken, ob wir uns nur korrekt verhalten, weil man uns zuschaut, oder ob es aus Überzeugung geschieht. Und genau das kann andere dazu bringen (oder im negativen Fall davon abhalten), sich mehr mit dem Gott der Bibel zu befassen.

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