Eine Frage der Weisheit – Wie die Bibel auf ein gesellschaftliches Problem antwortet

Im gesellschaftlichen Anforderungskatalog für heute steht alles Mögliche: Authentizität, Mehrheitsfähigkeit, Coolness… Was meistens fehlt, ist ein alter biblischer Wert, der uns sehr gut täte: Weisheit.
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Frau mit Bibel

Im gesellschaftlichen Anforderungskatalog für heute steht alles Mögliche: Authentizität, Mehrheitsfähigkeit, Coolness … Was meistens fehlt, ist ein alter biblischer Wert, der uns sehr gut täte: Weisheit.

Im Neuen Testament steht recht lapidar: «Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott» (Jakobus, Kapitel 1, Vers 5). Ein sehr aktuelles Anliegen! Denn sie fehlt heute in vielen Bereichen. Der Theologe und Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich, Dietrich Bonhoeffer, beobachtete zu seiner Zeit: «Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich blossstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern… Gegen die Dummheit sind wir wehrlos.»

Weisheit in der Politik

Wir brauchen gar nicht bis in die USA zu schauen, um in Gesellschaft und Politik einer Haltung des «Ich zuerst» zu begegnen. Was für ein dreijähriges Mädchen völlig normal ist, ist für einen 57-jährigen Politiker in Verantwortung allerdings eine Katastrophe. Denn wie wird Politik gestaltet? Richtig. Durch Debatten und Kompromisse. Wenn wir allerdings die Wahrheit gepachtet haben, keine Meinung ausser unserer gelten lassen und jeden Kompromiss für faul halten, dann ergeben sich kaum weise Entscheidungen.

Das ist übrigens kein weltliches Denken, sondern schon erfahrene biblische Politiker unterstreichen den Zusammenhang zwischen Kompromiss und Weisheit. König Salomo meinte: «Wo keine Beratung ist, da scheitern Pläne, wo aber viele Ratgeber sind, da kommen sie zustande» (Sprüche, Kapitel 15, Vers 22). Natürlich muss ein Ratschlag nicht gleich einen Kompromiss beinhalten. Aber hoffentlich tut er das, denn sonst haben wir keine Ratgeber um uns, sondern nur Ja-Sager.

Weisheit des Wandels

Häufig wird Weisheit gleichgesetzt mit einer festen Meinung bzw. einem unveränderlichen Standpunkt. Nichts könnte falscher sein. Nur wer weise ist, realisiert, dass sich die Welt verändert, dass wir selbst uns verändern und unsere Einstellung gleich mit. Hoffentlich ist das so! Paulus nennt dies sogar «vernünftiger Gottesdienst» und spricht davon, sich zu «verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes» (Römer, Kapitel 12, Vers 2). Ein unbekannter Kollege des Apostels aus der heutigen Zeit meint sogar: «Wenn dein Du von vor fünf Jahren dein heutiges Du nicht als Ketzer betrachtet hätte, bist du geistlich nicht gewachsen.»

Weisheit der Ungewissheit

In der Regel neigen wir dazu, uns für klüger zu halten als wir tatsächlich sind. Die Psychologen sprechen hier vom Dunning-Kruger-Effekt. Dummerweise lässt sich aber vieles im Leben nicht verstehen, und das Unsichere einfach für sicher zu erklären, hilft auch nicht weiter. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir gar nichts wissen können, aber es heisst, dass die meisten Wahrheiten mit Paradoxien und Mysterien verbunden sind. Wer an dieser Stelle für seine Erkenntnis kämpft, kämpft in der Regel eher um Kontrolle als für die Wahrheit. Wer weise ist, fragt und hinterfragt genauso, kann aber auch einfach ehrfürchtig staunen…

Der Wilberforce-Effekt

William Wilberforcewar ein britischer Politiker, der vor ca. 200 Jahren lebte. Zeitlebens kämpfte er im Parlament um die Abschaffung der Sklaverei. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wollte der damalige Premierminister Lord Addington ihn in seine Regierung holen. Das wäre ein echter Karriereschritt für ihn gewesen, aber gleichzeitig hätte es bedeutet, dass er sich nicht mehr für die Rechte der Sklaven einsetze könnte. Wilberforce betete und überlegte. Er entschied sich (siehe oben) gegen ein vordergründiges «Ich zuerst», arbeitete weiter an einem Wandel und akzeptierte die Unsicherheit, was seine Bemühungen ausrichten würden. Im Nachhinein gesehen war seine Entscheidung weise, nicht in die Regierung zu gehen. Denn tatsächlich konnte er nach 18 Jahren Kampf den «Slave Trade Act» durchsetzen, das Gesetz, das den Sklavenhandel verbot. Dafür kennt man William Wilberforce bis heute. Und Lord Addington? Keiner ausser ein paar Historikern weiss noch etwas von ihm…

Was meint Bonhoeffer dazu? «Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Sprüche Kapitel 1, Vers 7), sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.» Dann los. Überwinden wir.

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