Was satt macht: Das Brot Gottes

Im Johannesevangelium geht es nicht nur um die Spuren von Jesus, sondern es schimmert auch immer wieder die Gedankenwelt des Alten Testaments durch. Eine Miniserie zeigt diese Dimensionen auf, heute geht es um das Brot des Lebens.

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Gottes Wort sättigt

In Johannes Kapitel 6, Verse 22-29 sagt Jesus zur Menschenmenge: «'Amen, ich versichere euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr meine Wunder als Zeichen verstanden habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Bemüht euch nicht um vergängliche Nahrung, sondern um wirkliche Nahrung, die für das ewige Leben vorhält. Diese Nahrung wird euch der Menschensohn geben, denn ihn hat Gott, der Vater, als seinen Gesandten bestätigt.' Da fragten sie ihn: 'Was müssen wir denn tun, um Gottes Willen zu erfüllen?' Jesus antwortete: 'Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen, den er gesandt hat.'»

Ich mag das Bild von Gott, von dem alles Leben kommt und der sein Volk in der Wüste durch das Manna versorgt. Jesus weist mit diesem Bild auf die wahre Versorgung, die wir brauchen: nämlich ihm als dem Brot Gottes.

Unverständnis

Im Bericht aus Johannes Kapitel 6 erfahren wir, wie Jesus seine grosse Zuhörerschaft mit fünf Broten und zwei Fischen versorgt (Verse 1-13). Alle Zuhörer, weit über 5000, werden satt, so wie das Volk Israel es lange zuvor in der Wüste erlebte (2. Mose Kapitel 16, Verse 1-21). Er merkt, dass seine Zuhörer dieses Wunder wahrnehmen und ihn zum König machen wollen (Vers 15). Daraufhin schickt er seine Jünger nachts mit einem Boot zum anderen Ufer. Im Sturm begegnet er ihnen (Vers 16-21). Die Menge findet Jesus am nächsten Tag am anderen Ufer und geht ins Gespräch mit ihm.

Jesus kommt gleich zum Thema. Die Menschen sind an demjenigen interessiert, der ihnen so leicht Brot geben kann. Aber Jesus sagt ihnen, dass diese Brotvermehrung doch nur ein Zeichen war, das darauf hindeutet, dass die Menschen gerettet werden, die ihm vertrauen. Darauf fordert die Menge ein Zeichen – was überrascht, da sie doch gerade die wundersame Brotvermehrung erlebt haben. Sie fordern ein Zeichen wie das, das Mose ihnen gegeben hat: das Manna in der Wüste (2. Mose Kapitel 16, Verse 15-16). Jesus korrigiert sie und sagt, dass Gott, sein Vater, das Volk in der Wüste versorgt hat und nicht Mose. Mehr noch: Heute ist er, Jesus, das Brot, das vom Himmel gekommen ist und den Menschen das ewige Leben gibt. Als er schliesslich (bildhaft) deutlich macht, dass sie ihn «essen» müssen, um ewig leben zu können, wenden sich diese Menschen verständnislos von Jesus ab.

Da fragt Jesus seine Jünger, ob sie ihn jetzt auch verlassen wollen. Petrus sagt die bekannten Worte: «Herr, zu wem sollten wir gehen? Nur du hast Worte, die ewiges Leben schenken. Wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige Gottes bist» (Johannes Kapitel 6, Verse 68-69).

Petrus hat erkannt, dass Jesus mit dem Brot das Wort Gottes meint, das zum Leben führt. Hier verbindet sich das Wunder des Mannas mit dem Wunder der Brotvermehrung, das auf Jesus hindeutet. Ein kleiner Hinweis aus der Biografie von Jesus deutet auch darauf hin: Jesus wurde in Bethlehem geboren, was übersetzt so viel heisst wie «Brothausen».

Worum geht es eigentlich?

Im Kern geht es immer um die Beziehung zu Jesus. Die Menschen waren damals begeistert von dem Brotwunder, aber sahen nicht, dass das Brot ein Hinweis auf die Rettung durch Jesus ist. Nicht die Gabe darf im Mittelpunkt stehen, sondern nur Jesus als der Geber. Wenn das klar ist, dann darf ich mit Gottes Versorgung in meinem Leben rechnen, so wie Israel in der Wüste von Gott versorgt wurde.

Daraus ergeben sich ein paar Check-Punkte für mein Leben:

  • Bitte ich Gott meist nur um «etwas» oder verbringe ich Zeit mit ihm, um Jesus zu suchen?
     
  • Habe ich in den letzten zwölf Monaten Gott oder Jesus tiefer kennengelernt? Zum Beispiel neue Wesenszüge an ihm entdeckt?
     
  • Schaffe ich es, mich auch in materiellen Bedürfnissen auf Jesus zu verlassen? Ist das am (abnehmenden) Mass meiner Sorge erkennbar?
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