Block oder Scheibe – Was für ein Stein schloss das Grab von Jesus?

Der Archäologe Amos Kloner untersuchte über 900 Steine, die während der Periode des Zweiten Tempels Höhlengräber verschlossen. Massive Steinblöcke sind in der Überzahl: Nur vier waren scheibenförmig und konnten somit gerollt werden.

Der Archäologe Amos Kloner untersuchte über 900 Steine, die während der Periode des Zweiten Tempels Höhlengräber verschlossen. Massive Steinblöcke sind in der Überzahl: Nur vier waren scheibenförmig und konnten somit gerollt werden. Diese vier Gräber gehörten den wohlhabendsten Familien.Die Bibel beschreibt in Johannes, Kapitel 20, Vers 1: «Am Sonntagmorgen, dem ersten Tag der neuen Woche, ging Maria aus Magdala noch vor Sonnenaufgang zum Grab. Da sah sie, dass der Stein, mit dem das Grab verschlossen gewesen war, nicht mehr vor dem Eingang lag.»

Dass Jesus in ein Grab für gewöhnliche Menschen gelegt wurde, dürfte daher wahrscheinlicher sein. Zumal es sich laut Matthäus, Kapitel 27, Verse 59 und 60 um einen Jünger von Jesus handelte, um Josef von Arimathäa: «Josef nahm den Toten, wickelte ihn in ein neues Leinentuch und legte ihn in eine unbenutzte Grabkammer, die er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Dann wälzte er einen grossen Stein vor den Eingang des Grabes.»

«Rollen»

Die Archäologen schlagen vor, dass das Grab Christi mit einem üblichen Steinblock verschlossen wurde, der auf einer Seite kegel- respektive korkenförmig gehauen war. Der Autor Urban C. von Wahlde prüfte diesen Gedanken anhand der Grab-Beschreibung im griechischen Urtext. Dabei ist er auf ein Detail im Johannes-Evangelium gestossen, das diese Idee trägt. Matthäus, Markus und Lukas dokumentierten im griechischen den Vorgang der Steinentfernung durch einen Engel mit dem Verb «kulio», das «rollen» bedeutet. Johannes benutzte das griechische Wort «hairo», was für «wegnehmen» steht.

Block rollen

Auf den ersten Blick scheint damit die Deutung der Steinscheibe schlüssiger. Doch Von Wahlde hält fest, dass es sehr gut denkbar ist, dass die Steinblöcke aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichts gerollt wurden. Und zwar sobald der korken- respektive kegelförmige Teil aus dem Grab gezogen war. Der überdimensionale Würfel wurde dann gekippt, und auf der Kante des Korkenteils gerollt. Das war freilich nicht so leicht wie bei einer Scheibe, aber wohl die einfachste Art und Weise, einen solchen Stein zu deplatzieren.

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