Nachhaltig leben – Was die Bibel zum Thema Nachhaltigkeit sagt

Nachhaltiges Leben beschäftigt unsere moderne Gesellschaft immer stärker. War das vor Tausenden von Jahren überhaupt schon ein Thema? Oder ist es Gott relativ egal, wie wir mit den Ressourcen umgehen ?
Unsplash / Petra Reid
Wie das Wort Gottes sollen wir nachhaltig leben (Symbolbild)

Wenn uns als Teenager zu Hause die Süssigkeiten ausgingen, dann hatten wir immer noch einen Notfallplan: Wir vergriffen uns an Mamas «Backschokolade». Die war zwar dunkel und bitter, aber in der grössten Not… Blöd war nur: Wenn unsere Mutter dann backen wollte und die Schokolade fehlte, dann wurde es schwierig mit dem Kuchen. Der schnelle «kleine Genuss» hat verhindert, dass der grössere Genuss (wir sprechen von Kuchen!) möglich wurde. Unser Schokoladenraub war nicht nachhaltig.

Viele Menschen haben jedoch nicht die Wahl zwischen kurzfristigem oder nachhaltigem Handeln: Vor einigen Jahren wurde über die langanhaltende Dürre auf Madagaskar berichtet, während der die Menschen dort verzweifelt ihr Saatgut verzehrten – auch wenn sie dann keine Aussaat fürs nächste Jahr hatten. Wer solche Not erlebt, käme nie auf die Idee, nur weil es angenehm und süss ist, heute die Ressourcen für morgen aufzubrauchen. Allerdings habe ich das Gefühl, wir in der westlichen Welt tun genau dies.

Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, sind manche Christen der Meinung: «Was soll das? Die Bibel jedenfalls sagt zu diesem (modernen) Thema nichts.» Weit gefehlt! Es ist ja gar kein modernes Thema, sondern spielt in agrarischen Kulturen immer eine Rolle. Daher überrascht es nicht, dass die Bibel darüber spricht. An einer Stelle enthält sie sogar ein regelrechtes Gebot zu nachhaltigem Handeln!

Das biblische Nachhaltigkeits-Gebot

«Wenn ihr unterwegs auf dem Boden oder in einem Baum ein Vogelnest findet, in dem junge Vögel oder Eier mit der Vogelmutter sind, dann sollt ihr nicht die Mutter zusammen mit den Jungen nehmen. Die Jungen dürft ihr nehmen, die Mutter sollt ihr aber fliegen lassen. Dann wird es euch gut gehen und ihr werdet lange leben.» (5. Mose Kapitel 22, Verse 6-7)

Zum kulturellen Hintergrund: Vögel werden im Mittelmeerraum bis heute gern mal in der Pfanne zubereitet oder frittiert, und dass Eier ein Grundnahrungsmittel sind, ist klar. Und nun enthält das Gesetz Gottes ein Gebot, das besagt: Man darf alles sammeln und verzehren, was nachwächst. Doch die «Quelle» muss unangetastet bleiben. Die Ressource muss sich reproduzieren können. Schnell stellt sich die Frage: Ist das tatsächlich so gemeint? So wörtlich, so «ökologisch»?

Zunächst ist schon auffällig, wo dieses Gebot steht. Es steht im 5. Buch Mose, im Gesetzbuch Gottes. Es ist logisch sehr schnell nachvollziehbar für jeden, der eine Rechnung aufmacht. Dennoch ist es mehr als Klugheit und Erfahrungsweisheit – es ist ein Gebot.

Was der Kontext sagt

Der betreffende Abschnitt, in dem die Anweisung steht, wird oft mit «Verschiedene Vorschriften» oder ähnlich überschrieben. Diese Vorschriften werden unterschiedlich begründet – und manchmal auch gar nicht. Die Begründung des Gebotes über die Vögel sticht demgegenüber heraus: «damit es dir gut geht und du deine Tage verlängerst», das heisst lange lebst. So, oder so ähnlich, werden auch andere Gebote begründet – unter anderem auch das Dekalog-Gebot, die Eltern zu ehren (2. Mose Kapitel 20, Vers 12) und überhaupt die Gesamtheit aller Gebote. Das ist ein Signal: Es handelt sich um ein nicht unwichtiges Gebot, wenn es ausgerechnet so begründet wird; es steht im Zentrum der Interessen Gottes.

Der Kontext erlaubt eine weitere Beobachtung. In der ersten Hälfte des besagten Kapitels 5. Mose Kapitel 22 sind Tiere mehrfach ein Thema. Das entlaufene Nutzvieh des Volksgenossen muss unbedingt wieder zurückgebracht werden. Die Weisungen sind so formuliert, dass nicht nur der «Bruder» vor Verlust geschützt werden soll, sondern dass auch die Tiere an sich schützenswert sind: «du darfst dich ihnen (Plural!) nicht entziehen» (Vers 4).

Es ist nicht zu viel hineingedeutet, wenn man davon ausgeht, dass Gott am Schutz der Tiere gelegen ist. So mahnt das Buch der Sprüche: «Der Gottesfürchtige sorgt für das Wohl seiner Tiere, die Gottlosen aber sind herzlos» (Kapitel 12, Vers 10).

Das Vogel-Gebot hat demgegenüber noch eine weitere Dimension. Wir haben ja notiert, dass Vogelfleisch und Eier auch zum Speisezettel der Menschen gehör(t)en. Diese Nahrungsquelle wird vom Vogel-Gebot geschützt. Gott ist offenbar interessiert daran, dass Menschen nur das konsumieren, was nachwachsen kann. Gott möchte Menschen und Schöpfung davor schützen, dass man die Quelle zuschüttet, aus der man trinkt; dass man den Ast absägt, auf dem man sitzt. Dieses Interesse wird auch anderweitig in der Bibel bestätigt.

Die Sünde der Ressourcenvernichtung

In diesem Zusammenhang ist eine prophetische Anklage in Hesekiel Kapitel 34 aussagekräftig. Die Verantwortungsträger in Gottes Volk werden angeprangert, weil sie die Erträge des Volks allein zum eigenen Wohlergehen konsumieren. Hesekiel verwendet das Bild von Hirten, die Milch, Wolle und Schlachtfleisch verbrauchen, die Herde aber weder weiden noch führen noch gesunden lassen.

Später erweitert Hesekiel die Anklage noch. Sie gilt dann nicht nur dem Führungspersonal, sondern allen in der «Herde». Gott richtet «zwischen Schaf und Schaf, den Widdern und den Böcken», genauer: «zwischen fettem Schaf und magerem Schaf». Die Sünde besteht nicht nur im Konsumieren von guter Weide und klarem Wasser, sondern auch darin, dass der Rest der Weide und des Wassers beschädigt («zerstampft» und «getrübt») wird. Es werden also ohne Not Ressourcen vernichtet, nicht durch übermässigen und egoistischen Konsum, sondern als Kollateralschaden dieses Konsums. Die Lebensgrundlage anderer wird so entzogen. Der Lebensstil ist nicht nachhaltig, und zwar aus Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit.

Das wiegt so schwer, dass Gott selbst sich des Missstandes annimmt, er erklärt die Lage sozusagen zur Chefsache. Dabei sorgt er nicht nur für neue Gemeinschaft für die Versprengten und Heilung für die Verletzten, sondern auch für Recht, und das schliesst Gerichtshandeln an dem «Fetten und Starken» ein.

Rückfrage: Verwendet das Prophetenwort von Hesekiel denn nicht Bilder, die auf geistliche Leitung zu beziehen sind? Der Hirte?! Antwort: Im Alten Testament ist «Hirte» zunächst einmal Ehrentitel für irdische Könige. Und die waren auch für Rechtssicherheit und wirtschaftliches Wohlergehen verantwortlich. Hinzu kommt: Hesekiel prangert in seiner Verkündigung nicht nur Götzendient an – sondern auch «irdisches» Unrecht: Gewalt, Mord, Wucherzinsen, Arme berauben, Erpressung, Bestechung, sexueller Missbrauch. Die Politiker haben daran Anteil. In der Bildrede von Kapitel 34 schimmern also sehr reale Missstände durch. Es geht auch um die Lebensressource der Nächsten.

Zurück zum Vogelmutterschutzgebot: In ihm verdichtet sich – als alltägliche Situation – das Interesse Gottes: Ressourcen sollen bewahrt bleiben. Gottes Leute müssen nachhaltig leben.

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