Einmal oder immer wieder? – Warum Christen Gott immer wieder um Vergebung bitten

Mit dem Tod von Jesus wurden alle unsere Sünden vergeben, die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Warum spricht Jesus dann im «Vater unser» davon, jeden Tag neu um Vergebung zu bitten?
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Gebet um Vergebung

Mit dem Tod von Jesus wurden alle unsere Sünden vergeben, die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Warum spricht Jesus dann im «Vater unser» davon, jeden Tag neu um Vergebung zu bitten?

Ich habe schon öfters gehört, dass Christen ihre Sünden nicht regelmässig vor Gott bekennen oder um Vergebung bitten müssen. Ihr Argument: Wenn wir von aller Schuld aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft reingewaschen wurden, als wir zum Glauben kamen, dann ist es nicht nötig, zusätzlich neu um Vergebung zu bitten.

Ich kann dieses Argument verstehen. Wir wurden ganz von unseren Sünden freigemacht, als wir gerecht gesprochen wurden, stimmt's? Wenn Gott uns in dem Moment, in dem wir unseren Glauben auf seinen Sohn gesetzt haben, mit seiner ganzen Vergebung überschüttet hat, scheint es unlogisch, ihn erneut für Sünde um Vergebung zu bitten, die bereits vergeben wurde.

«Vergib uns unsere Schuld» – immer wieder?

Aber was machen wir dann mit der Aufforderung von Jesus, Gott jeden Tag zu bitten: «...vergib uns unsere Sünden» (Lukas, Kapitel 11, Vers 4)? Was machen wir mit Menschen wie David, ein Mann des Glaubens, den Gott disziplinierte, weil er seine Sünde eben nicht bekannt hatte? Schauen Sie mal, wie sehr er litt, bis er seine Sünde zugab und Gottes Vergebung erhielt: «Solange ich meine Schuld verschwieg, wurde ich von Krankheit zerfressen, den ganzen Tag habe ich nur gestöhnt. Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir. Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft wie unter stechender Sonnenglut. Dann endlich bekannte ich dir meine Sünde, meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir. Ich sagte: 'Ich will dem Herrn alle meine Vergehen bekennen.' Und du – ja, du befreitest mich von der Last meiner Sünde.» (Psalm 32, Verse 3-5)

Ein Paradoxon

Dies scheint eines der vielen Paradoxa der Bibel zu sein. Hat Gott denjenigen, die er vorherbestimmt, berufen und für gerecht erklärt hat (Römer, Kapitel 8, Verse 29-30), all ihre Sünden der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vergeben? Ja! Wird von Christen, die an Jesus glauben und am Kreuz festhalten, erwartet, dass sie fortlaufend ihre Sünden bekennen und Gottes Vergebung suchen? Ja! Bedeutet dies, dass wir immer neu «gerettet» werden müssen, wenn wir gesündigt haben? Auf keinen Fall!

Wenn ein Christ um Vergebung bittet, ist das keine Bitte, gerecht gesprochen zu werden. Das hat Gott schon längst getan. Aber Jesus sagte, dass selbst diejenigen, die «ein Bad genommen haben» und «ganz rein» sind, sich trotzdem hinterher «die Füsse waschen» müssen (Johannes, Kapitel 13, Vers 10).

Körper sauber, Füsse schmutzig

Wenn wir Jesus kennen und ihn lieben, wurde unser Leben durch das Evangelium grundsätzlich gerechtfertigt und «reingewaschen». Aber unsere «Füsse», die ständig vom Dreck dieser Erde beschmutzt werden, müssen regelmässig wieder gewaschen werden. Auch wenn die Sünden, die wir begehen, unsere Rettung nicht annullieren, stören und belasten sie doch unsere Gemeinschaft mit Gott. Und bis dieser Bruch durch Gottes vergebende Liebe wieder geheilt wird, stöhnen wir unter den Schmerzen, so wie König David, solange er seine Sünde nicht bekannte und keine Vergebung suchte.

Christen bekennen also ihre Sünden und suchen Vergebung nicht, um gerettet zu werden, sondern um ein reines Gewissen vor Gott zu haben und in Gemeinschaft mit ihm leben zu können. Durch das einmalige Opfer von Jesus wurden wir für allezeit von unserer Schuld befreit und perfekt gemacht (Hebräer, Kapitel 10, Vers 14). Aber hier und jetzt, während wir darauf warten, dass die für uns gekaufte Perfektion Realität wird, sind wir jeden Tag auf die Vergebung von Jesus angewiesen, die unsere Füsse wäscht und unser Gewissen reinigt.

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