Lost and found – Die verlorene Münze

Wenn uns etwas Wertvolles abhandenkommt, tut das weh. Wir investieren viel Zeit und Mühe, um es wiederzugewinnen. Auch Gott kennt das, erklärt Luitgardis Parasie – anhand der Geschichte in Lukas Kapitel 15, Verse 8-10.
Unsplash/ André François McKenzie
Wertvolle Wünze

Wir wanderten mit einem befreundeten Ehepaar in den Alpen. Nach einem anstrengenden Anstieg gönnten wir uns eine Buttermilch auf einer Hütte. Wir genossen die traumhafte Aussicht. Dann ging es gestärkt weiter. Eine Stunde später gelangten wir an eine Kreuzung und waren nicht sicher, welchen Weg wir einschlagen sollten. «Ich guck mal eben auf meinem iPhone nach», sagte ich und griff in meine Jackentasche. Aber da war es nicht. Auch nicht in meinen anderen Taschen.

Ich war verstört. «Vorhin auf der Hütte hatte ich es noch», sagte ich, «es muss mir unterwegs rausgefallen sein. Was mache ich denn jetzt? Wenn das weg ist, dann ist das eine Katastrophe. Da ist doch alles drin, Terminkalender, dienstliche und private Emails, Nachrichten, mein ganzes Adressbuch.» «Lass uns zurückgehen und suchen», schlug mein Mann vor. Unsere Freunde setzten sich auf eine Bank und warteten.

Wir drehten jeden Stein um

Mein Mann und ich zogen los. Wir drehten quasi jeden Stein um, aber Fehlanzeige. Von Schritt zu Schritt wurde ich verzweifelter. Wir waren schon fast wieder an der Hütte, an der wir Rast gemacht hatten. Da kamen uns Leute entgegen. «Haben Sie Ihr Handy verloren?», fragten sie. «Ja», sagte ich, «wie kommen Sie darauf?» – «Sie haben sich gerade an ihre Jackentasche gefasst, als ob Sie etwas suchten. Wir haben ein iPhone gefunden, ist das Ihrs?» Ich war fassungslos, überwältigt, total erleichtert. Unsere Freunde freuten sich riesig, als wir mit dem Handy bei ihnen ankamen, sie sagten: «Wir haben gebetet, dass du es wiederfindest.»

Eine Frau, von der Jesus im Lukasevangelium erzählt, hat ebenfalls etwas sehr Wertvolles verloren: eine von zehn Drachmen, die sie besitzt. Die Drachme war eine kleine Silbermünze, etwa so gross wie unser Zehn-Cent-Stück. Ihr Wert entsprach dem Tageslohn eines Arbeiters. Für eine arme Frau war das ein Vermögen.

Die Frau ist entsetzt. Sie stellt ihr Haus auf den Kopf, um die Münze wiederzufinden. Mit einem Licht leuchtet sie in jede dunkle Ecke, unter jeden Schrank. Dabei fördert sie einiges zutage, was da nicht hingehört, aber nicht ihre Silbermünze. Sie veranstaltet einen Grossputz vom Keller bis zum Dach – und endlich, endlich findet sie sie. Was für ein Glück! Sie lädt ihre Freundinnen und Nachbarinnen ein, und sie feiern begeistert.

Gott ist wie diese Frau

Die Geschichte steht zwischen zwei anderen Gleichnissen. In allen geht es darum, dass Verlorenes wiedergefunden wird. Dabei steigert sich das Drama: Ein Hirte verliert eins von hundert Schafen, die Frau eine von zehn Silbermünzen, und ein Vater den jüngeren seiner beiden Söhne.

Jesus vergleicht Gott mit der Frau, die ihre Silbermünze sucht. Der Aufwand, den sie bei ihrer Suche betreibt, wird detailliert beschrieben. Sie gibt keine Ruhe, bis sie die verlorene Münze wiederhat. So ist Gott, sagt Jesus, wie diese Frau. Er ist unglaublich traurig, wenn einer seiner Menschen ihm abhandenkommt. Einfach abtaucht und denkt, er braucht Gott nicht. Das zerreisst Gott das Herz. Denn für ihn ist jede und jeder total kostbar. Er gibt alles, um die Verlorenen wiederzufinden. Und wenn es gelingt, ist Party im Himmel. Dann kann Gott sich nicht halten vor Freude. Es ist Gottes Sternstunde.

Der verlorene Thomas

Verloren war auch Thomas. Ich kenne ihn aus dem Gospelchor. Er hat mir erlaubt, dass ich seine Geschichte erzähle.

Thomas’ Zuhause war zerrüttet. Schon als Jugendlicher fing er an, Alkohol zu trinken. Er schwänzte immer häufiger die Schule, kiffte, trank und fiel durchs Abi. Sein Geld verdiente er als Taxifahrer. Und trank immer weiter. 1,9 Promille, das war irgendwann sein normales Level. Damit funktionierte er überhaupt erst. Andere Suchtmittel kamen hinzu. Er warf alles ein, was ihm in die Finger kam. Gesundheitlich wurde er mehr und mehr zum Wrack.

«Mit Musik kriegst du mich immer»

Dann, bei einem Klinikaufenthalt, schleppte eine Mitpatientin ihn mit in die Kirche. Für ihn war das der Hammer. «Die Predigt hat mich total angesprochen, und die sangen so mitreissende Lieder! Mit Musik kriegst du mich immer, das geht direkt ins Herz.» Er ging nun häufiger in den Gottesdienst. Erfuhr Freundlichkeit, seelische Wärme. Sehnsucht nach einem anderen Leben keimte in ihm auf. Er machte einen Entzug. «Gott hat mich Schritt für Schritt dahin geführt, dass ich dazu bereit war», sagt er. «Irgendwie hat er mich wohl immer im Blick gehabt. Das fing schon in meiner Jugend an, mit einer gläubigen Freundin meiner Mutter. Die hat für mich gebetet.»

Der Entzug war hart. Aber Thomas fühlte sich getragen durch Christen, die er kennengelernt hatte. «In mir ist so ein Urvertrauen zu Gott gewachsen», sagt er. «Abends bin ich oft spazieren gegangen und habe gebetet, dass ich es schaffe.»

«Gott hat mich immer gehalten»

Das hat Thomas. Seit einiger Zeit lebt er abstinent. In konkreten Schritten hat er sich ein neues Umfeld aufgebaut. In der Kirchengemeinde übernimmt er Aufgaben – zum Beispiel sonntags, da ist Thomas für den Kirchkaffee nach dem Gottesdienst zuständig. Er sagt: «Ich hab nie Geborgenheit und Schutz erfahren, und das erlebe ich jetzt mehr und mehr. Ich hadere nicht mehr mit meinem Schicksal, im Gegenteil: Ich bin so dankbar, denn ich sehe jetzt, Gott hat mich immer gehalten.»

Grossen Halt gibt ihm die Musik. Im Gospelchor singt er begeistert mit. «Wenn wir Amazing Grace singen, kriege ich Gänsehaut», sagt er. «Das ist doch genau meine Geschichte. Verloren – gefunden: ‚I once was lost, but now am found, was blind, but now I see‘ (Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden, war blind, aber nun sehe ich).»

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