Seele

Die Seele ist das im Menschen, was ihn zu einem Ich macht. Der Geist ist das im Menschen, wodurch er Gott benachbart istDas normale Verhältnis der menschlichen OrganeDer Leib oder auch die Seele als ThronräuberDie Seele ist das im Menschen, was ...

Die Seele ist das im Menschen, was ihn zu einem Ich macht. Der Geist ist das im Menschen, wodurch er Gott benachbart ist

Unter Seele (griechisch psyché) wird manchmal überhaupt das Leben des Menschen verstanden, meistens aber etwas ganz Bestimmtes im Menschen. Die Seele ist das im Menschen, was ihn zu einer Person macht, samt alledem, was zum Personenleben des Menschen gehört.

Die Seele hat die Fähigkeit, zu empfinden, zu denken, zu wollen, ein reiches Innenleben zu entfalten; sie verfügt über allerlei schöpferische Kräfte und Gaben, also auch über die verschiedenen »geistigen« Gaben. Und doch steht im Neuen Testament neben der Seele als etwas Besonderes der Geist (pneúma) da. Der Geist ist das im Menschen, wodurch er Gott benachbart ist, wodurch er zu Gott in Beziehung treten kann.

Der Heilige Geist, wenn er über den Menschen kommt, knüpft an den menschlichen Geist an (»der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist«, Röm. 8,16). Durch den Geist wird dann die ganze Persönlichkeit oder Seele des Menschen göttlich erleuchtet und belebt.

Das normale Verhältnis der menschlichen Organe

Nach der anderen Seite vermittelt der Leib der Seele die Beziehungen zur Umwelt, zur Schöpfung und zu den Mitmenschen. Er ist die Behausung der menschlichen Person, ihre Stütze und ihr Instrument, durch das sie auf ihre Umgebung einwirkt.

Letzten Endes ist der Mensch natürlich ein Ganzes, aber dieses Ganze ist nur dann im Gleichgewicht, wenn seine Organe im rechten Verhältnis zueinander stehen. Das Normale ist, dass der Geist Gottes den Geist des Menschen durchdringt, der menschliche Geist die Seele, und die Seele den Leib. Beim gottfernen Menschen aber entstehen schwere Gleichgewichtsstörungen.

Der Leib oder auch die Seele als Thronräuber

  • Es kann der Leib sich zum Herrn aufwerfen, so dass seine Triebe die erste Stelle im Menschenleben einnehmen und die Seele samt dem Geist ihm unterworfen werden.

  • Der Genusssüchtige lässt seine Einbildungskraft arbeiten, um sich neue Genüsse zu verschaffen; er spannt sein Denken und Wollen in derselben Richtung an.

  • Es kann aber auch die Seele die Herrschaft an sich reissen. Sie mag dann zwar nach der einen Seite in hohem Mass den Leib beherrschen. Nach der anderen Seite aber masst sie sich auch die Oberleitung über den Geist an und macht dessen Gaben, das Gewissen und die religiösen Kräfte, ihren menschlich-persönlichen (oder gesamt-persönlichen - nationalen oder anderen) Zwecken dienstbar.

So entsteht der seelische Mensch (1. Kor. 2,14). Bei diesen Gleichgewichtsstörungen ist das Menschenleben nach Gott hin abgeschlossen; es ist den Einwirkungen des göttlichen Geistes nicht mehr zugänglich. Das ruft tiefgreifende Veränderungen im ganzen Menschen hervor:

  • Die Seele mag ihre verschiedenen einzelnen Fähigkeiten bis zum höchsten Grade ausbilden; sie ermangelt doch des göttlichen Lichtes. Der seelische Mensch ist feingebildet, tiefreligiös - und doch unerleuchtet.

  • Der Geist ist wohl noch vorhanden, aber er ist verkrüppelt und versklavt.

  • Auch der Leib verliert seine ursprüngliche Würde und Kraft; er wird zum seelischen Leib, das heisst, er schöpft seine Kräfte und sein Licht aus der Person des Menschen, statt aus der Fülle der Gottheit.

In der Auferstehung wird der Mensch wieder mit dem geistlichen Leib angetan (1. Kor. 15,44).

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