Zeit für eine Kurskorrektur – Raus aus der Opferrolle!

Mich nervt so viel! ... Ich wurde echt mies behandelt! ... Das ist eine Zumutung! ... Warum passiert das (immer) mir? ... So vieles muss ich! ... Das ist so unfair! – Kennen Sie solche Gedanken?
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Junger Mann sitzt allein und traurig draussen.

Mich nervt so viel! ... Ich wurde echt mies behandelt! ... Das ist eine Zumutung! ... Warum passiert das (immer) mir? ... So vieles muss ich! ... Das ist so unfair! – Kennen Sie solche Gedanken?

Solche Kommentare weisen darauf hin, dass sich bei einem Menschen die Betrachtung eines Problems auf andere oder auf unfaire Umstände richtet.

Auch wenn dies im Einzelfall zutreffen mag, kann ein solcher Blick dazu führen, dass ein Mensch die Haltung entwickelt, dass ihm viel Ungerechtes widerfährt und er viel zu erdulden hat. Der Schritt zur Opferrolle ist da nicht weit. Eine solche Haltung ist auch unter Christen verbreitet. Manche halten es sogar für ihre Aufgabe, zu erdulden und zu leiden.

Keine Verantwortung – Kein Handlungsbedarf

Ein sehr angenehmer Nebeneffekt der Opferhaltung ist, dass ich selbst aussen vor bleibe. Denn wenn ich Opfer bin, liegt das Problem nicht bei mir, ich selbst trage keine Verantwortung, habe keinerlei Schuld und brauche auch nichts zu unternehmen. Eine solche Haltung findet sich in der Begebenheit des Sündenfalls, wie ihn die Bibel schildert.

Von Adam und Eva ist in der Bibel zu lesen, dass sie nicht bereit waren Verantwortung zu übernehmen, sondern sich als Opfer sahen. Als sie gefragt werden, wieso sie – entgegen der klaren Weisung von Gott – Früchte vom verbotenen Baum der Erkenntnis gegessen hatten, sprechen sie nicht über sich, sondern zeigen auf andere: Adam auf Eva und Eva auf die Schlange.

«Nur wegen ihr...»

Als Gott die beiden danach fragt, antwortet zunächst Adam: «Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran! Sie reichte mir eine Frucht von dem Baum – deswegen habe ich davon gegessen.» «Was hast du bloss getan?», wandte der Herr sich an die Frau. «Die Schlange hat mich dazu verführt! Nur wegen ihr habe ich die Frucht genommen», verteidigte sie sich. (Die Bibel, 1. Mose, Kapitel 3, Verse 11 bis 13)

Wer so in der Opferrolle steckt, wird passiv, womöglich auch selbstgerecht und bitter (wegen der vielen Ungerechtigkeiten und Zumutungen). Dazu gesellt sich oft Selbstmitleid. – Eine sehr ungute Mischung!

Vorteile der Opferrolle

Warum aber neigen Menschen dazu, sich in der Opferrolle bewusst oder unbewusst einzurichten? Nun, es ist recht bequem, denn ich selbst bin nicht gefordert. Zudem lässt sich so bei anderen Aufmerksamkeit und Mitleid gewinnen. Und da ich selbst nicht verantwortlich und schuld bin, fühle ich mich anderen moralisch überlegen.

Jesus will jedem Sinn, Liebe und Leben geben

Jesus aber sucht keine Menschen, die sich über andere erheben und auf sie zeigen. Er sucht in jedem Menschen ein Gegenüber. Er sieht uns nicht als jemanden, der Opfer ist oder nur Spielball der Umstände. Stattdessen will er uns – immer wieder neu – mit seinem Geist erfüllen, uns beistehen, Kraft geben und leiten.

Jesus hat jedem Menschen ein «Leben in Fülle» zugesagt. Das aber ist kein Abholschein für Erfolg, Reichtum und Gesundheit. Als Jesus von diesem Leben sprach, sagte er: «Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss. Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein.» (Die Bibel, Johannes-Evangelium, Kapitel 10, Verse 10 und 11).

«Leben in Fülle» heisst, dass Jesus in jedem Menschen, der das möchte und darum bittet, wohnt und lebt und zwar so, dass er die tiefsten Sehnsüchte nach Liebe und Sinn beantwortet und erfüllt.

Alles, was passiert, dient zum Guten

Und was die Frage betrifft, wie Menschen mit dem umgehen sollen, was ihnen widerfährt (ganz gleich ob fair oder unfair), macht der Apostel und Lehrer Paulus eine ganz entscheidende Aussage in seinem Brief an die Christen in Rom: «Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.» (Die Bibel, Römerbrief, Kapitel 8, Vers 28). – Eine  krasse Zusage!

Ein Gebet weit weg

Die Gültigkeit dieser Zusage ist nur ein Gebet weit weg. Wenn Sie möchten, können Sie zum Beispiel so beten: «Jesus, so vieles in meinem Leben erscheint mir schwer zu ertragen und auch unfair. Ich will nicht in der Opferrolle leben. Ich komme zu dir, weil ich deine Vergebung und deine Hilfe brauche. Komm und erfülle mich mit deinem Geist. Gib mir Kraft, meinen Teil der Verantwortung für mein Leben zu tragen. Gib mir ein Leben in Fülle, Jesus.»

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