Recht und Unrecht – Kein Urteil über andere?

Im christlichen Glauben ist häufig von Gerechtigkeit und Gericht die Rede. Warum soll es also daneben sein, wenn man klar sagt, was und wer richtig oder falsch ist? Warum sich nicht ein Urteil bilden und es aussprechen? In der Bibel kann man ...

Im christlichen Glauben ist häufig von Gerechtigkeit und Gericht die Rede. Warum soll es also daneben sein, wenn man klar sagt, was und wer richtig oder falsch ist? Warum sich nicht ein Urteil bilden und es aussprechen?

In der Bibel kann man viele Gebote und Hinweise finden, die es zu beachten gilt. Diese Gebote geben Orientierung; doch dies ist zuerst als Leitlinie für uns selbst gedacht, und nicht dafür, dass wir über andere und ihr Verhalten urteilen.

Gott ist Gesetzgeber und Richter

Jakobus, ein Mann, der zu den ersten Christen gehörte, sagte zum Thema Richten folgende klare Worte: «Gott allein ist beides: Gesetzgeber und Richter. Nur er kann verurteilen oder von Schuld freisprechen. Woher nimmst du dir also das Recht, deinen Mitmenschen zu verurteilen?» (Die Bibel, Jakobusbrief, Kapitel 4, Vers 12).

Natürlich können wir denken und sagen, dass wir eine Sache oder ein Verhalten gut oder nicht gut finden. Aber weiter gehen sollte es nicht. Schnell sind wir dann in einem Fahrwasser, in dem wir den anderen und sein Verhalten «im Bausch und Bogen» verurteilen. Wir verurteilen sie durch unsere Gedanken oder durch unser Verhalten.

Ein Urteil ist etwas Umfassendes und Endgültiges. Genau dazu aber sind wir nicht berechtigt. Gott allein ist das vorbehalten. Denn er kennt uns, unsere Gedanken und Motive sogar tatsächlich besser als wir selbst.

Überzeugung ja – urteilen nein

Darf man sich also keine Meinung über etwas oder ein Verhalten bilden? – Das ist nicht gemeint! Doch urteilen geht entscheidend weiter, weil es etwas Endgültiges ist.

Wer urteilt, der erhebt sich über jemand anderen, er masst sich an die Situation so zu erfassen, dass es ihn zu einem endgültigen Urteil berechtigt. Wer über andere urteilt, der setzt sich – bildlich gesprochen – auf einen Stuhl (nämlich den des Richters), der ihm nicht zusteht.

Gratwanderung


Es ist ein ziemlich schmaler Grad, auf dem man sich dabei bewegt: Auf der einen Seite Überzeugungen und feste Grundsätze zu haben und dazu zu stehen und auf der anderen Seite nicht von oben herab, nachtragend oder gar verurteilend zu reagieren.

Vergebung ist grösser als das Gesetz

Jesus wurde mit der Frage nach dem Richten sehr konkret konfrontiert: Einige Männer kamen zu ihm nmit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde – an ihrer Verfehlung gab es keinen Zweifel. Nach dem damals gültigen Gesetz der Juden hätte die Frau gesteinigt werden dürfen. Mit dieser Frage standen die Männer nun vor Jesus.

Jesus aber redet denen, die das tun wollen, ins Gewissen und ins Herz: «Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen» (Johannes-Evangelium, Kapitel 8, Vers 7).

Jesus verzichtet

Jesus wäre der Einzige gewesen, der das Recht gehabt hätte, über die Frau zu urteilen, denn tatsächlich war er ganz ohne Sünde. Doch er sagt zu der Frau folgende Worte: «Dann verurteile ich dich auch nicht… Geh, aber sündige nun nicht mehr» (Johannes, Kapitel 8, Vers 11).

Jesus hätte als einziger das Recht gehabt zu richten, aber er verzichtet darauf. Er richtet nicht, er spricht frei! Jesus sagt jedem Menschen, der mit seinem falschen Verhalten, seinen Fehlern zu ihm kommt. «Ich verurteile dich nicht, denn ich habe mich für dich verurteilen lassen.»
Das ist, was er getan, als er sich kreuzigen liess: Er nahm jede Verurteilung auf sich.
 

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