In Christus sein

In Christus sein heisst nicht bloss: sich in das Leben und die Worte Christi versenken, sondern: Anschluss an ihn haben.

Das Wort Jesu: »Bleibt in mir... Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht« (Joh. 15,4-7) hat nicht bloss die Bedeutung: Die Jünger sollen sich in sein Leben, sein Werk, seine Worte hineindenken oder sich andächtig da hineinversenken.

Das »Leben Jesu«, sein »Erlösungswerk«, sein »Wort« können ja, losgelöst von ihm, zu einem Neutrum werden, zu einem Gedankending, zu einem Schemen, an dem man mit grossem Eifer festhält, ohne doch Christus nahe zu sein.

Jesus sagt seinen Jüngern hier einfach: Sie sollen in direkter Berührung mit ihm bleiben, den Anschluss an seine Person festhalten. Es handelt sich hier um eine so reale Lebensverbindung, wie sie zwischen dem Weinstock und seinen Reben besteht. In Christus sein heisst danach: durch den unmittelbaren Anschluss an ihn teilhaben an der Fülle seines Lebens; mit anderen Worten: seine Kräfte aus den Tiefen der Gottheit schöpfen.

In Christus sein heisst: in seinem Wirkungsbereich sein

Wir haben im Deutschen eine Redewendung, die uns das »in Christus sein« sprachlich verständlich macht. Wir sprechen davon, dass jemand »in der Sonne liegt«, »im Wind steht«; damit meinen wir, er befindet sich dort, wo die Sonne scheint, der Wind weht: er ist den Wirkungen dieser Mächte ausgesetzt.

In Christus sein, heisst: im Wirkungsbereich Christi sein, unter dem Einfluss seiner Kräfte stehen, heisst: mit Christus in die Himmelswelt versetzt sein (Eph. 2,6).

Man kann es deutlich merken, ob man in Christus ist

Das ist nicht etwas, wovon man nicht wissen könnte, ob es so ist oder nicht. Jesus hat es seinen Jüngern deutlich gesagt: An jenem Tag werdet ihr es merken, dass ihr in mir seid und ich in euch (Joh. 14,20). Und Johannes nennt das Erkennungszeichen, an dem jeder feststellen kann, ob er in Christus ist, den »Geist, den er uns gegeben hat« (1. Joh. 3,24).

Das Wirken des Geistes ist immer spürbar. Der Schiffer kann es merken, ob Windstille ist oder ob ein frischer Wind sein Fahrzeug vorwärts bringt. Der Mensch kann es merken, ob es in seinem Leben göttlich vorwärts geht oder nicht. Christen können es feststellen, ob ihr Tun und Streben von oben her erleuchtet, gehoben, getragen ist oder ob sie trotz aller Kraftanstrengungen nicht vom Fleck kommen. Das heisst: Sie können es merken, ob sie Anschluss an Christus haben oder nicht.

Wer in Christus ist, in dem ist die Macht seiner Stärke (Eph. 6,10), der kann siegen auf der ganzen Linie (trotz einzelner Teilniederlagen, 2. Kor. 2,14). In der Schutzzone des Wirkens Christi (»in Christus«) hat man Frieden, man ist unverletzt, ungekränkt von feindlichen Mächten (Joh. 16,33).

Wer im Bereich der Lebensfülle Christi ist, an dem ist nichts zu tadeln (Röm. 8,1). Er fällt nicht aus der Gemeinschaft mit Gott, er tut nichts auf eigenes Risiko (»er sündigt nicht«, 1. Joh. 3,6). In ihm ist die Liebe des Vaters vollkommen, er lebt, wie Christus gelebt hat (1. Joh. 2,5-6).

In solch einem Menschen ist die Gerechtigkeit Gottes verwirklicht (2. Kor. 5,21). Er ist ein neues Geschöpf (2. Kor. 5,17).

In Christus bleibt, wer nach seinen Weisungen handelt

Bleiben in Christus kann der, der seine Gebote hält, der die besonderen Weisungen, die Christus ihm für sein Leben gibt, erfüllt (Joh. 15,10; 1. Joh. 3,24). Wer die Aufträge (eigentlich »Mandate«) Christi nicht ausführt, hat sich von ihm getrennt; er verliert den Anschluss an ihn, verdorrt und taugt nur noch dazu, verbrannt zu werden (Joh. 15,4-6).

Ein Soldat kann nur im Wirkungsbereich eines grossen Feldherrn bleiben (mitwirken), wenn er dessen Befehle ausführt und es sich nicht herausnimmt, auf eigene Faust zu handeln.

Alle, die in Christus sind, sind organisch miteinander verbunden

In Christus (im Bereich seiner Lebensmächte) fallen die Scheidewände zwischen den Menschen hin - sie sind alle eines (ein lebendiges Ganzes). Sie brauchen nicht weiter zusammengebracht zu werden durch besondere Vorsätze und Veranstaltungen, sie sind schon beisammen; man organisiert sie nicht, denn sie sind ein Organismus (Joh. 17,20-23).

Alle die vielen Vereine und Vereinchen mit ihren Verfassungen sind hinfällig; denn die Christen sind schon ohne sie zusammenverfasst unter einem Haupt; sie sind ein Leib in Christus (Röm. 12,5).

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