Der Weg der Versöhnung – Immer wieder vergeben?!

Wer hat das nicht schon erlebt: Ein nahestehender Mensch hat uns durch sein Verhalten oder seine Worte verletzt. Obwohl wir innerlich vergeben und es nicht nachtragen wollen, bleibt in uns ein brodelnder Unfrieden.
Unsplash / youssef naddam
Muss man immer wieder um Vergebung bitten?

Manche halten Vergebung für falsche Nachgiebigkeit oder Schwäche. Der oder die «Schuldige» sollte durch unser Verhalten ein klares Signal bekommen, wie unverzeihlich das war, was er gesagt oder getan hat. Wir denken, wir dürften nicht zur Tagesordnung übergehen und «einfach» vergeben.

Aber wir alle sind darauf angewiesen, dass uns andere unsere Versäumnisse und Fehler nicht immer wieder vorhalten und uns vergeben. Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, machen wir nicht nur den anderen, sondern auch uns selbst das Leben sehr schwer.

Menschen, die nicht vergeben können oder wollen, werden bitter und hart, nicht nur mit anderen, sondern auch mit sich selbst. Wo wir nicht vergeben, verlieren wir nicht nur die Beziehung zum anderen, sondern auch mehr und mehr zu uns selbst, denn wir machen auch Fehler und machen uns schuldig. Wo wir andere bei ihrer Schuld festhalten, kommen wir auch selbst nicht weiter.

Vergebung ist ein Weg

Vor allem, wenn die Enttäuschung oder Verletzung tief sitzt, ist es mit einer einmaligen inneren Entscheidung nicht getan. Dann braucht es von uns immer wieder dieses innere Ja zur Vergebung. Da kommen Bitterkeit oder Verletzung immer wieder hoch – das haben wir selbst gar nicht im Griff. Dann heisst es dran bleiben und sich immer wieder neu zur Vergebung entscheiden.

Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Dem anderen zu vergeben ist nicht so sehr mit einem einzelnen Schritt als eher mit einem Weg zu vergleichen –  das gilt vor allem für Menschen, die man sehr lieb und deren Verhalten einen so verletzt hat.

Jesus setzt ein Beispiel

Bei Jesus ist Vergebung so etwas wie eine Grundkonstante. Wann immer wir zu ihm kommen und ihm unser Versagen bringen, wird er uns vergeben und sich uns zuwenden. Dabei erfahren wir einen unglaublichen Frieden, den nur er uns geben kann.

Jesus vergleicht einen Menschen, der nicht vergibt, mit einem Verwalter, der seinem König ein Riesenvermögen schuldet. Ihm wird die Schuld erlassen, doch gegenüber einem anderen, der ihm einen sehr kleinen Betrag schuldet, bleibt er unerbittlich.

In der Bibel wird berichtet, dass Petrus Jesus einmal fragte, wie oft man anderen vergeben soll. Jesus antwortete ihm: Siebzig mal siebenmal. In der Symbolsprache der Juden heisst das: Immer wieder, unendlich oft!

Dieser Artikel erschien bereits am 06.08.2013 bei Jesus.ch.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Kinder hören ihrem Leiter bei einem Input zu (Symbolbild)

Glauben, ein Leben lang – Was bekomme ich dafür?

Lohnt es sich, das, was ich für Gott und meinen Glauben investiere? Oder wofür mache ich das alles? Gedanken einer ...

Thema
Ein älterer Mann hält einen jüngeren zurück

Sollbruchstelle – Risse in der Biografie

Viele Menschen scheitern an ihrer Schwachstelle. Auch in der Bibel gibt es diverse Beispiele. Doch diese Risse in der ...

Thema
Die Sonne strahlt durch den Wald

Gott wirkt in uns – Gnade verändert, sonst ist sie billig

Wer Gottes unverdiente Liebe tief in seinem Herzen annimmt, wird davon verändert werden. Gnade ist weit mehr als ...

Thema
Betende Hände auf einer offenen Bibel

Nicht nur katholisch – Beichte – Neuanfang mit Unterstützung

Die Beichte gehört zu den bekanntesten Glaubensübungen und wird gleichzeitig am häufigsten abgelehnt. Richtig ...

Thema
Vergebung braucht Zeit

Vorschnell vergeben? – Vergebung, die verbindet

Nachsichtig sein, verzeihen und vergeben – was auf den ersten Blick ähnlich aussieht, sind völlig unterschiedliche ...

Thema
Frühlingsregen bringt neues Leben

Wenn der Regen «spricht» – Sechs geistliche Impulse für deine Glaubensreise

Der Frühlingsregen bringt nicht nur die Natur zum Aufblühen, sondern kann auch unser geistliches Leben neu beleben. ...

Thema
Mit Verletzungen umgehen lernen

Umgang mit Wunden – Verletzt - und jetzt?

Man muss ja nicht gerade ein Opfer von jugendlichen Schlägern oder Hooligans werden. Verletzungen gehören zu unserem ...

Thema
Wertvolle Wünze

Lost and found – Die verlorene Münze

Wenn uns etwas Wertvolles abhandenkommt, tut das weh. Wir investieren viel Zeit und Mühe, um es wiederzugewinnen. Auch ...

Thema
Ist Gutes tun im Leben nicht genug?

Einfach Gutes tun – Reicht das denn nicht?

Viele Menschen versuchen, gut zu sein und Gutes zu tun. Das sollte im Leben ja eigentlich reichen, oder? Die Frage ist ...