Oft gehört – neu verstanden – Gnade – Lebenselixier des Christen

«Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin» – das sagt kein Versager, sondern ein super-intelligenter und erfolgreicher Forscher. Wie kann er so etwas behaupten? Mit dem Begriff «Gnade» beginnen wir eine Serie zu altbekannten Begriffen aus der Bibel.
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Schöner Sonnenaufgang

Projekte, Ziele, Aufgaben, Dienste – unser Leben ist voll und mancher fragt sich: «Wie lange halte ich das so durch?» Auch als Christen fragen sich viele: Was ist die Energie, die mich vorwärts treibt? Was lässt mich durchhalten und im Alltag sowie in besonderen Situationen kraftvoll leben – und was verhindert, dass ich mich irgendwann enttäuscht zurückziehe?

Irgendwo pendeln wir immer wieder zwischen den Polen «Alles geschenkt» und «Anstrengung». Wie bringen wir diese beiden Seiten – Gottes Handeln und unsere Aktivität – zusammen?

Paulus war ein Aktivist erster Güte und hat diese Spannung unübertrefflich beschrieben: «Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade. Und seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung, sondern Gott selbst hat alles in seiner Gnade bewirkt.» (Die Bibel, erster Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 10) Knapp und präzise drückt er aus, was die Triebkraft seines Lebens war: die Gnade Gottes.

Vier Elemente fallen auf:

1. Gnade ist Gottes Antwort für Menschen, die nichts mehr von sich halten

Im Vers 9 sagt Paulus: «Ich bin der Geringste, gar nicht wert, ein Apostel zu heissen.» Hier war ein Mann, der alles gegeben hatte und eines Tages von Gott buchstäblich «vom hohen Ross» geholt wurde. Ein religiöser Eiferer, wie wir sie heute wieder vermehrt antreffen. Gerade Religion kann zu Höchstleistungen antreiben – man gibt alles, quasi mit göttlicher Legitimation. Bis bei Paulus der Augenblick kam, wo das alles in Sekunden zusammenstürzte. Wo er plötzlich die Wahrheit traf, Christus persönlich, und blitzartig erkannte, dass er auf der falschen Seite gestanden war. Seine Selbstachtung, gegründet auf Leistung, stürzte zusammen.

Kein Mensch kann die Gnade Gottes wirklich erleben, der sich auf seine Leistung und sein Gut-Sein stützt. Vor der Himmelfahrt der Gotteserkenntnis steht die Höllenfahrt der Selbsterkenntnis: «Ich kann mit all meinen Qualitäten vor Gott nichts bieten. Ich kann mir die Zuwendung Gottes nicht erarbeiten.» Das ist eine bittere Erkenntnis, die aber die Tür zur Gnade öffnet.

2. Gnade ist Gottes grosses «Aber»

«Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.» Ich liebe dieses Wort «Aber». Wir rechnen unsere Zeitrechnung seit Christus – mit ihm kam Gottes grosses «Aber» in die Welt. «Aber» verändert alles. «Aber» ist Widerspruch: So soll es nicht mehr sein. Ich bin unwürdig und ein grosser Sünder – aber Gott hat eingegriffen. Gott hat gegen die Macht des Bösen, der Schuld und des Versagens protestiert, seinen Sohn sterben und wieder auferstehen lassen und damit die Basis geschaffen, dass etwas völlig Neues möglich wird: ein Leben, das nicht auf Leistung aufbaut, sondern auf Bejahung und Annahme. Das ist Gnade – nicht etwas Billiges, sondern ein sehr teurer Weg. Sie hat Gott seinen Sohn gekostet – darum ist sie garantiert gültig!

3. Gnade gibt Identität

«Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.» Hier stellt sich einer hin, der genau weiss: Ich bin ein Sünder, ich habe es verbockt, ich habe in all meiner religiösen Leistung aufs falsche Pferd gesetzt – aber Gott hat mich begnadigt, voll angenommen und damit bin ich jemand! Gnade gibt einen festen Boden unter die Füsse – gerade weil sie nicht auf meinem Gut-Sein und meinen Bemühungen, sondern auf Gottes unbedingter, umfassenden Bejahung aufbaut.

4. Gnade ist Antrieb zu höchster Aktivität

Wer meint, dass man sich auf dieser Gnade nun wie auf einem Ruhekissen ausruhen kann, täuscht sich gewaltig: «Seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung, sondern Gott selbst hat alles in seiner Gnade bewirkt.» Gnade macht nicht faul, sondern regt ungeheuer an. Sie ist wie Backpulver oder wie ein Zaubertrank. Ich bin aktiv, setze mich ein und leiste etwas – und muss doch ganz ehrlich sagen, dass es die Gnade Gottes ist, die da in mir ihr Werk treibt.

Die gewöhnliche Arbeit des Tages, die Gestaltung der Familie, das Leben in der Ehe und der private Bereich vor Gott – die normalen Arbeiten des Tages sind der Prüfstein eines Charakters, der durch die Gnade Gottes geformt wurde. Hinter den kleinsten Einzelheiten, in denen ein Christ gehorsam ist, steht die ganze Kraft der Gnade. Und das Schönste ist: Gnade ist eine Energie, die unbeschränkt verfügbar ist. «Aus seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade», sagt Johannes im Rückblick auf ein langes Leben mit Jesus (Die Bibel, Johannes-Evangelium, Kapitel 1, Vers 16). Die Tatsache, dass Gott mich immer wieder bejaht, ist eine Energie, die für die vielen kleinen und grossen Aufgaben, aus denen mein Leben besteht, mehr als ausreicht. Amazing Grace!

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