Und erstens kommt es anders... – Gelassen bleiben im Chaos?

Richtig glatt läuft im Leben kaum etwas. Die meisten Situationen haben wir nicht in der Hand, wie wir damit umgehen, aber schon. Evi Rodemann berichtet von einem Erlebnis, das zwar ihre Pläne durcheinanderwürfelte, aber nicht ihren inneren Frieden.
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Evi Rodemann

Kurz vor Weihnachten hatte ich noch eine Dienstreise im Kalender. Belfast war das Ziel. Es fühlte sich nicht wirklich nach Arbeit an, an einem Weihnachtskonzert von Künstlern teilzunehmen und so flog ich fröhlich rüber, freute mich auf die Begegnungen und die weihnachtliche Stimmung dort. Ich dachte, es wäre die perfekte Einstimmung in mein Weihnachten.

Am 22. Dezember sitze ich gelassen am Flughafen von Belfast mit einem Earl Grey-Tee, hänge noch all den wunderbaren Begegnungen gedanklich nach, während ich eine grosse Anzahl von Krankenwagen und Feuerwehren auf die Landebahn rasen sehe. So viel Blaulicht auf einem Haufen hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Ein Flugzeug war gelandet, aber etwas war daran nicht gut. Ich setze ein Stossgebet ab, hoffe, dass niemand verletzt wurde und schaue auf der Anzeigetafel nach meinem Flug.

Auf der Anzeigetafel sehe ich die ersten Streichungen. Mein Flug nach Hause steht noch, auch wenn sich gefühlt im Minutentakt die Verspätung verlängert. Ich bleibe gelassen und bin sicher, hier komme ich schon noch weg. Ich rede mit dem Bodenpersonal, das uns allen gut zuredet und meint, wir sollten nur etwas Geduld und Gelassenheit haben. So ganz traue ich dem jetzt nicht mehr und checke online, ob ich dort schon etwas über den Vorfall finden kann. Und tatsächlich: Ein Flugzeug, nur mit Personal an Bord, ist bei der Landung verunglückt, die wenigen Menschen an Bord sind Gott sei Dank nur leicht verletzt. Aber hey, jetzt lese ich, dass dieser Flughafen nur eine Start- und Landebahn hat und diese nun komplett gesperrt ist. So langsam wird mir bewusst: Von hier fliegt heute niemand mehr.

Nach drei Stunden Wartezeit die Gewissheit, dass alle Flüge gestrichen sind. Ein kollektiver und genervter Aufschrei ertönt im Terminal, denn alle wollen zu ihren Lieben nach Hause.

Für die Gelassenheit entscheiden

Wie so manches im Leben gehen Sachen schief. Nicht immer selbst verschuldet. Manches passiert einfach und wir haben Situationen nicht in der Hand. Wie wir damit umgehen, aber schon. Ich musste mich in diesem Moment entscheiden, Gott zu vertrauen. Dass er weiss, was ich jetzt brauche und mir die Kraft gibt, diese Situation zu akzeptieren und Lösungen zu finden. Ob nun in diesem eigentlich sehr kleinen Problem oder mit Problemen in dieser Welt, die mich herausfordern wie Umweltkatastrophen, Erdbeben und Kriege. Wie gehe ich mit Herausforderungen um?

Die gute Nachricht war: Es gab für mich einen Rückflug. Die schlechte Nachricht: Der Flug wurde mir für den 24. Dezember um 16 Uhr angeboten. Ich würde also Weihnachtsgottesdienst und wertvolle Familienzeit verpassen.

Akzeptieren und lösungsorientiert sein?

Klingt wie ein Paradox und doch ist es für mich wichtig geworden: Ich muss mich immer wieder entscheiden, Situationen, Menschen zu akzeptieren und gleichzeitig zu überlegen, was ich jetzt anders machen könnte, mich also nicht dem Fatalismus hingeben, der mich dann so oft ergreifen möchte.

Ich bat also die Fluglinie eindringlich, mir wenigstens für den 24. Dezember einen früheren Flug zu besorgen und konnte dann um 17 Uhr mit der Familie am Kaffeetisch sitzen. Ohne die Geschenke und den Nachtisch, die ich noch am 23. besorgen wollte, aber mit tiefem Frieden bei leuchtendem Tannenbaum und etlichen Weihnachtswundern später.

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