Lügen, die wir glauben #2 – «Es muss mir egal sein, was andere über mich denken»

Sich von der Meinung anderer Menschen beherrschen zu lassen, ist destruktiv. Der Glaube, dass es uns egal sein muss, was andere Menschen über uns denken, ist aber auch nicht die Lösung.

Sich von der Meinung anderer Menschen beherrschen zu lassen, ist destruktiv. Der Glaube, dass es uns egal sein muss, was andere Menschen über uns denken, ist aber auch nicht die Lösung.

«Mir ist es egal, was andere Menschen über mich denken», sagt ein Christ ganz selbstbewusst. «Ich wünschte, ich wäre auch schon so weit», antwortet ein anderer, «aber ich leide noch oft unter Menschenfurcht.»

So ähnlich können Gespräche laufen und dabei wird es als besonders geistlich hingestellt, wenn man sich nicht um die Meinung der Mitmenschen kümmert.

Das Gegenteil von Menschenfurcht ist nicht Ignoranz

Um nicht Opfer von Menschenfurcht zu werden, glauben manche Christen, dass es ihnen egal sein muss, was andere über sie denken. Aber ganz ehrlich: Wenn mir die Meinung eines Menschen nichts bedeutet, ist dies doch ein Zeichen dafür, dass mir dieser Mensch egal ist. Stellen wir uns einen Ehemann vor, der seiner Frau sagt: «Es kümmert mich nicht, was du über mich denkst!» Bei der Frau würde die berechtigte Frage aufkommen, ob ihr Mann sie überhaupt noch liebt.

Wer Menschen liebt, wird sich dafür interessieren, was diese über sie denken. Für eine echte Beziehung ist die Meinung voneinander zentral wichtig. Man mag vielleicht vor dem Urteilen eines Fremden innerlich unberührt bleiben, bei einem geschätzten Menschen sollte dies aber anders sein. Die Meinung von Freunden zu ignorieren, ist Lieblosigkeit und Ignoranz.

Menschenfurcht macht uns krank

Menschenfurcht besteht darin, das persönliche Verhalten von der Meinung der Mitmenschen abhängig zu machen. Wenn Freunde negativ über uns denken, ist das verletzend und schmerzhaft. Auch wenn wir gut beraten sind, unser Verhalten mal kritisch zu hinterfragen, bedeutet das nicht, das eigene Verhalten von deren Meinung abhängig zu machen. Wer für die Bewunderung und Anerkennung anderer Menschen lebt, ist von Menschenfurcht gefangen.

Doch auch wenn jemand sehr ausgeprägt an Menschenfurcht leidet, besteht die Lösung nicht darin, dass er sich nicht mehr um die Meinung anderer kümmert. Vielmehr gilt es, sich an Gott auszurichten. Eine lebendige und liebevolle Beziehung mit Gott verdrängt Menschenfurcht. Je näher wir Gott kommen und je mehr wir von ihm begeistert sind, desto mehr werden seine Gedanken unser Verhalten bestimmen – und darin liegt echte Freiheit. Gottesfurcht ist das Heilmittel für Menschenfurcht (und nicht etwa Ignoranz oder Rebellion gegen andere Menschen).

Gesunde Anteilnahme und aufrichtige Nächstenliebe

Gottesfurcht ist nicht nur Heilmittel gegen Menschenfurcht, sondern auch Schlüssel für eine innige Gottesbeziehung und befreite Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Wer Gottes Annahme erfahren hat und aus einer lebendigen Gemeinschaft mit ihm lebt, wird einen ganz neuen Umgang mit den Meinungen von Mitmenschen haben.

Mit dem Bewusstsein, von Gott angenommen zu sein, kann ich anders mit Ablehnung und Kritik von Mitmenschen umgehen. Es fällt mir leichter, ihnen «entgegenzukommen», ohne mich selbst in Frage stellen zu müssen. Ich muss nicht jemand anderes sein und kann doch von der Wahrnehmung anderer lernen.

Katalysatoren von Menschenfurcht erkennen

Der grösste Feind von Gottesfurcht ist Menschenfurcht. Wenn ich dafür lebe, Menschen zu gefallen, wird mein Blick auf Gott vernebelt. Nachdem wir von Menschen verletzt wurden, stehen wir in besonderer Gefahr, der Menschenfurcht zu verfallen. Wir wünschen uns, von ihnen respektiert zu werden oder ein «bitte vergib mir!» zu hören. Wenn dies ausbleibt, kann die Verletzung schnell zu Unversöhnlichkeit und Bitterkeit führen. Paradoxerweise entstammen gerade in solchen Situationen Sätze wie «es ist mir egal, was Menschen von mir denken!». Rebellion und Ignoranz sind oft Anzeichen, dass jemandem die Meinung der anderen Menschen zu wichtig ist.

Verletzt zu werden, ist nicht das Problem. Der Schmerz sagt uns, dass uns die Mitmenschen und eine gute Beziehung mit ihnen nicht egal sind. Es kann befreiend sein, diese Tatsache anzuerkennen. Doch dann gilt es, den Menschen zu vergeben und Gott ganz bewusst an die erste Stelle im Leben zu setzen. Von ihm kommt echter Trost und Heilung für unsere verwundeten Seelen. Nur wenn mein Herz gesund ist, kann ich mich auch auf gesunde Weise für andere Menschen und ihre Meinung interessieren.

Fazit: Was auch immer uns geschieht, lassen wir uns nie dazu hinreissen zu glauben, dass uns die Meinung anderer Menschen nicht interessieren sollte.

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