Zutiefst christlich – Einfach mal zur Ruhe kommen

In diesen Tagen – zwischen Weihnachten und Neujahr – haben viele von uns die Chance, einmal mehr als sonst zur Ruhe zu kommen. Ruhe ist nicht Faulheit, sondern eine grosse Tugend – und sie ist vom Schöpfer der Welt selbst angeordnet.
Unsplash / Adrian Swancar
Sich eine ruhige Auszeit zu nehmen, ist ein Gebot Gottes

Viele denken, dass Arbeit – und möglichst viel davon – eine «christliche» Tugend sei: Die protestantische Arbeitsethik verurteile doch Müssiggang als Faulheit. Dabei ist es in der Bibel ganz anders: Ruhe ist nicht nur ein notwendiges Übel, sondern geradezu ein Gebot Gottes: «Am siebenten Tag sollst du ruhen», heisst es in den Zehn Geboten. Als wenn Gott gewusst hätte, dass wir nicht zur Ruhe kommen, wenn es uns nicht befohlen wird.

War Gott müde?

«Am siebten Tag ruhte Gott von seinen Werken.» War Gott von der Schöpfung müde? Das ist unwahrscheinlich – Gott ist unerschöpfliche Energie und «wird nicht müde noch matt» (Buch Jesaja, Kapitel 40, Vers 28). Nein, die Schöpfung der Welt hat Gott nicht ermüdet. Aber am siebten Tag ruhte er – und setzte damit eine Regel, die wir Menschen befolgen sollen. Im Gegensatz zu Bildern, die unsere Gesellschaft sich gern von Gott macht: Der Gott der Bibel ist ein durch und durch menschenfreundlicher Gott. Er wusste, dass wir – im Gegensatz zu ihm – durchaus «müde und matt» werden. Dass wir nicht unermüdlich an der Arbeit sein können. Dass unsere Energien nicht unerschöpflich sind.

Ruhe ist also kein notwendiges Übel, sondern vom Schöpfer selbst angeordnet. Der «Sabbat» – also ein Ruhetag pro Woche – war das grosse Merkmal, welches das Volk, das nach Gottes Willen leben sollte, von seiner Umwelt unterschied. Dauernde Arbeit, pausenlose Aktivität, auch pausenloser Konsum: Das ist heidnisch, und Heidnisches ist menschenfeindlich – was wir an unserer sich entchristlichenden Gesellschaft durchaus studieren können.

Was drücken wir aus, wenn wir Ruhe machen?

1.)  Ich bin mehr als meine Leistung

Zum einen: Wenn ich ruhe, also nichts «leiste», bin ich voll Mensch. Jedes Wochenende sagen wir: Ich bin mehr als meine Leistung. Ich definiere mich nicht vor allem durch das, was ich produziere. Alle paar Tage höre ich bewusst auf mit dem Arbeiten und bin einfach ich selbst.

2.)  Ich bin bewusst abhängig

Damit hängt die tiefere Haltung zusammen: Wenn ich ruhe, empfange ich. Ich bin mehr als das, was ich aus mir selbst mache. Ich bin immer ein Empfangender, und wenn ich ruhe, sage ich Ja dazu. Und Menschen, die mit Gott leben, wissen es: Das entscheidende Tun in meinem Leben ist das, was ich Gott an mir tun lasse. Darum sind Gebet, Stille und das Hören auf Gott die wichtigsten Faktoren, die meine innere Qualität definieren.

3.)  Ich zentriere mich neu

Ein Rad, dessen Achse nicht gut sitzt, läuft nicht gut. Wenn ich ruhe, zentriere ich mich neu. Das hebräische Wort für Ruhe heisst «menuah» und hat viele Nuancen: Gelassenheit, Klarheit, Friede, Ruhe… Aus der Ruhe heraus finde ich neu meine Mitte. Damit werde ich auch frei für neue Herausforderungen. «Die Ruhe ist nicht der letzte Seufzer der Ermattung, sondern ein Offenwerden für neue Anfänge», schreibt der schwedische Schriftsteller Tomas Sjödin.

Die eigentliche Mitte unseres Lebens – das Zentrum, um das sich unser Leben dreht – soll Gott sein. Dazu sind wir geschaffen. Darum dient die Ruhe und der Ruhetag dazu, uns auch wieder auf Gott zu (kon)zentrieren. Ruhen heisst deshalb auch, bei Gott zu sein und zusammen mit ihm aufzuatmen.

Zeit, wieder mal richtig zur Ruhe zu kommen?

Wenn dein Leben unrund läuft und du viel Energie verschleisst und Stress produzierst – wann bist du das letzte Mal wirklich in Gott und mit Gott zur Ruhe gekommen?

Dieser Beitrag erschien im Dezember 2016 auf Jesus.ch

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Sich eine ruhige Auszeit zu nehmen, ist ein Gebot Gottes

Zutiefst christlich – Einfach mal zur Ruhe kommen

In diesen Tagen – zwischen Weihnachten und Neujahr – haben viele von uns die Chance, einmal mehr als sonst zur Ruhe zu ...

Thema
Das Faulsein üben

Lob des Nichtstuns – Faulheit? Na klar!

Nichtstun mit acht Buchstaben ist im Kreuzworträtsel «Faulheit». In der Realität ist sie eher verpönt, weil sich ...

Thema
Handy-freie Zeit

Entschleunigen – Weshalb ich sonntags offline bin

Auf der Suche nach Ruhe und Entschleunigung wagt Madeleine Ramstein mit ihrer Familie das Selbstexperiment: jeden ...

Thema
Zeit ist ein kostbares Gut

Raus aus der Effizienzfalle – Zeitvergeudung mal anders gesehen

Zeit ist ein kostbares Gut, und sie ist uns von Gott anvertraut. Deshalb ist es eine Schande, sie zu verschwenden – ...

Thema
Am Strand entspannen

Reinigend und erholsam – In der Stille Kraft tanken

Mit Stille habe ich ein Problem: Kaum habe ich freie Momente, sprudeln bei mir Ideen. Dabei liegt darin ein grosses ...

Thema
Am siebten Tag ruhen und feiern

Mein Ruhetags-Rückblick – Gebetsweg entlang der Schöpfungs-Geschichte

Gott segnete und heiligte den siebten Tag, den Tag der Ruhe. Könnte es sein, dass der Ruhetag eine Einladung dazu ist, ...

Thema
Atmen auch Sie ein und geniessen auch Sie die Ruhe zwischen den Jahren

Die Zeit auskosten – Ruhe finden zwischen den Jahren

Gott sei Dank gibt es die Zeit «zwischen den Jahren». Die Weihnachtszeit mit all dem Trubel ist vorbei und das neue ...

Thema
Sonnenaufgang

Gedankenanstoss – Es ist eine Frage des Glaubens

Das Einhalten eines wöchentlichen Ruhetags oder das Geben des Zehnten können äussere, religiöse Rituale sein – oder ...

Thema
Ein Mann ruht sich aus

Was tun, was lassen? – Die Kunst des Ausruhens

Warum sind wir so gerne gestresst? Fühlen uns richtig gut, wenn wir Punkte auf der To-Do-Liste abhaken können? Und ...