Trend und/oder Treue – Durchstarten statt wegen Trends geistlich zu verkümmern

Manche Pastoren und Gemeinden jagen Trends hinterher, statt auf Kernwerte zu setzen. Neu ist dies nicht, Hosea machte einst die gleichen Beobachtungen. Dies zu erkennen, birgt auch die Chance auf Veränderung.
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Trends oder Treue?

«Immer mehr Pastoren und Gemeinden jagen Trends hinterher», beobachtet John Stange, Pastor und Professor an der «Cairn University». «Anstatt sich auf zentrale Bereiche wie Anbetung, Gebet, das Studium von Gottes Wort, Jüngerschaft und Evangelisation zu konzentrieren, stehen heute Effekthascherei, Unterhaltung, Inszenierung und kulturelle Relevanz im Vordergrund – auf Kosten der Wahrheit.»

Das Ergebnis seien Menschen, die sich Christen nennen, aber das Evangelium nicht erklären können, biblische Inhalte kaum verstehen und keine sichtbaren Früchte eines geisterfüllten Lebens hervorbringen.

Neu sei dieses Phänomen nicht. «Gottes Volk hat sich im Lauf der Geschichte immer wieder mit dieser Versuchung auseinandergesetzt. Umso wichtiger ist es, dass geistliche Leiter dieses Problem erkennen – denn oberflächliche Führung bringt oberflächliche Nachfolge hervor.»

1. Dein Leben zeigt die Tiefe deines Glaubens

«Denn es gibt keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande, sondern Fluchen und Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhandgenommen, und eine Blutschuld kommt nach der andern.» Die Bibel, Hosea Kapitel 4, Verse 1b und 2.

Die ersten drei Kapitel vom Propheten Hosea zeigen eindrucksvoll, wie tief Israels geistliche Untreue war. Statt den Herrn zu suchen, jagten die Menschen falschen Göttern und leeren Versprechen nach. Zur Zeit Hoseas fehlte es an echter geistlicher Hingabe. Das Volk wollte das Beste dieser Welt geniessen, ohne sich um ewige Dinge zu kümmern.

Auch für uns gilt: Die Früchte unseres Lebens bezeugen, was wir wirklich glauben. Wer Jesus Christus nachfolgt, vertraut ihm in allen Lebenslagen, gehorcht seinem Wort, bleibt innerlich wachsam und achtet andere als Mitträger des göttlichen Ebenbildes.

2. Geistliche Leiter sind verantwortlich für ihren Einfluss

«Zugrunde geht mein Volk, weil es ohne Erkenntnis Gottes ist. Weil du die Erkenntnis verworfen hast, will ich dich auch verwerfen, dass du nicht mehr mein Priester sein sollst. Weil du die Weisung deines Gottes vergessen hast, will ich auch deine Kinder vergessen. [...] Sie nähren sich von den Sündopfern meines Volks und sind begierig nach seiner Schuld.» Hosea Kapitel 4, Verse 6 und 8.

«Wenige Dinge sind so ernüchternd wie Heuchelei. Wir alle waren wohl schon einmal nicht konsequent. Doch ist geistliche Heuchelei bei dir die Ausnahme – oder ein Muster?», fragt John Stange. «Vor einiger Zeit erfuhr ich Neuigkeiten über einen früheren Weggefährten im Dienst. Lange hatte ich nichts von ihm gehört – bis ich erfuhr, dass er seine Familie verlassen hat und kein gutes Vorbild mehr ist für die Menschen, die ihm einst vertrauten.»

Auch in Hoseas Tagen war geistlicher Missbrauch ein Thema. Die Leiter hatten sich von Gottes Wort entfernt, und so stellte der Herr fest: Sein Volk ging «zugrunde aus Mangel an Erkenntnis». Die geistlichen Führer lehrten nicht mehr die Wahrheit – und lebten sie auch nicht vor. Statt das Volk mit Gottes Wahrheit zu nähren, profitierten sie von dessen Sünde und trieben es weiter hinein. Gott beschreibt sie als gierig und von Schuld fasziniert. Ein erschreckendes Bild.

Wenn Gott dich in eine geistliche Leitungsaufgabe beruft, musst du diese Verantwortung mit Hingabe verwalten. Sie erfordert Geduld, Opferbereitschaft und Selbstverleugnung. Geistliche Leitung dient nicht dem eigenen Vorteil, sondern dazu, Gottes Ehre sichtbar zu machen und anderen den Weg zu Jesus zu zeigen.

3. Wir sind nicht berufen, Unsinn anzubeten

«Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm antworten. Ja, der Geist der Hurerei hat sie verführt, dass sie mit ihrer Hurerei ihrem Gott wegliefen.» Hosea Kapitel 4, Vers 12.

Wenn man sich das Wesen geistlicher Götzenanbetung nüchtern ansieht, wirkt sie absurd. Die Israeliten praktizierten Wahrsagerei und verehrten hölzerne Götzen. Sie verwarfen die Wahrheit und wandten sich der Torheit zu – sie beteten nicht den Schöpfer an, sondern das Geschaffene. Ihre «Anbetung» war blanker Unsinn.

Als Christen sind wir nicht berufen, religiösen Unsinn zu betreiben. «Ich wurde Pastor in einer Zeit, in der ‘Gemeindewachstum’ das zentrale Thema vieler Konferenzen war. Und ja: Gott will, dass seine Gemeinde wächst – aber nicht auf Kosten der Wahrheit und echter Jüngerschaft. Leider habe ich in diesem Bestreben oft erlebt, wie Kirchen sich mit Ablenkung und Unsinn überhäufen», so John Stange. «In all diesen Jahren habe ich eines gelernt: Das wahre ‘Geheimnis’ gesunden Gemeindewachstums liegt im konsequenten, treuen Lehren, Leben und Verkündigen von Gottes Wort. Je tiefer wir in Gottes Wort eindringen, desto klarer wird unser Verständnis für Erlösung – und desto reifer wird unsere Nachfolge.»

4. Sturheit führt zu Schande

«Ja, Israel war störrisch wie eine störrische Kuh; soll da der Herr sie weiden lassen wie Lämmer auf freiem Feld? Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so lass es hinfahren. War ihr Zechen vorbei, hurten sie umso mehr, trieben es heftig; Schande war ihr Schild. Schon hat ein Sturm sie in seine Flügel gewickelt; so werden sie zuschanden durch ihre Opfer.» Hosea Kapitel 4, Verse 16 bis 19.

Zur Zeit Hoseas war Israel schwer zu führen. Gott verglich das Volk mit einer störrischen Kuh, die sich nicht lenken lässt. Obwohl er es nähren wollte, verweigerte es seine Zuwendung. Es glaubte, bei falschen Göttern Erfüllung zu finden – doch seine Sturheit führte nicht zum Segen, sondern zu Schande und Trennung.

«Ich möchte nicht, dass meine Beziehung zu Gott je so aussieht. Ich möchte nicht, dass er mich ‘gewähren lässt’. Früher bin ich oft vor ihm weggelaufen – heute will ich bei ihm bleiben. Durch den Heiligen Geist bin ich mit dem Vater versöhnt und in Christus verbunden und ich bete darum, dass mein Vertrauen zu ihm weiter wächst, egal durch welche Lebensphasen ich gehe.»

Und so schliesst John Stange: «Wenn auch du den Wunsch hast, geistlich zu wachsen, dann grabe dich tief in Gottes Wort ein. Lass den Heiligen Geist zu deinem Herzen sprechen und empfange seine Wahrheit mit offenen Armen. Vertraue darauf, dass er dein Denken erneuert, dich an Jesu Lehren erinnert und dich Schritt für Schritt heiliger macht, während du an seiner Seite durchs Leben gehst.»

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