Sonderurlaub in Athen – Die Sehnsucht nach Gott

Die Sommerferien sind für die meisten schon vorbei, einige schwelgen wohl noch in den Erinnerungen. Begeistert sind wir durch die Strassen gebummelt, haben in Cafés gegessen und Menschen beobachtet. Es gibt dabei Parallelen zu einer Reise von Paulus.

Die Sommerferien sind für die meisten schon vorbei, einige schwelgen vielleicht noch in den Erinnerungen. Begeistert sind wir durch die Strassen gebummelt, haben in Cafés gegessen und Menschen beobachtet, Sehenswürdigkeiten bestaunt und auf diese Weise einen Eindruck von Ort und Menschen gewonnen. Es gibt dabei Parallelen zu einer Reise von Paulus.

Ähnliches tat Paulus, als er «Sonderurlaub» in Athen hatte, weil er auf seine Mitarbeiter wartete. Dabei entdeckte er den Altar für den «unbekannten Gott». Menschen im Athen damals verehrten eine Vielzahl von Göttern und wollten wohl sicherstellen, dass sie keinen ausliessen und somit eventuellem Ungemach vorbeugen.

Paulus suchte das Gespräch mit den Athenern (Apostelgeschichte, Kapitel 17, Vers 16-34) und erklärte ihnen, wer dieser für sie unbekannte Gott ist. «Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind.», sagte er und zitierte hier sogar den hellenistischen Dichter Aratus. Paulus sah tiefer: Ihr sucht das Leben; ich nenne euch den, der das Leben, die Erfüllung ist: kyrios – Gott! Paulus sah das Bedürfnis seiner Zuhörer nach Geborgenheit und Heimat, nach Identität und Zugehörigkeit. Er nahm ihr Heimweh nach Gott wahr. Und er reagierte darauf: Gott ist dir nicht fern. In der Nähe Gottes lässt es sich sicher leben. Wenn man bei ihm zuhause ist, kann man heil werden und Heil finden. Der Theologe und Kirchenvater Augustin hat knapp 400 Jahre nach Paulus über alle Menschen gesagt: Du, Gott, hast uns auf dich hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir. Paulus realisierte diese Sehnsucht auch in Athen.

Im Alltag wie in den Ferien

Nehmen wir noch wahr, wonach die Menschen um uns herum Sehnsucht haben? Was ihre Ängste, Befürchtungen sind, aber auch, was ihr Heimweh ist?

Wie wäre es, wenn wir in nächster Zeit einmal durch unseren Ort gehen würden, so wie wir das in den Ferien tun? Uns Zeit nehmen, um wirklich hinzusehen? Uns Sachen erklären lassen, als seien wir fremd in der Stadt, uns in die Fussgängerzone setzen und die Menschen beobachten. Welchen Eindruck machen sie? Wer geht in den Häusern ein und aus? Gibt es Gedenktafeln, interessante Schilder, Wahrzeichen, Malereien an Häusern? Was ist ihre Bedeutung? Gibt es ein Rathaus? Welche Ämter, Angebote gibt es? Wer wartet dort? Gibt es Bücherläden? Wenn ja, was ist ihr Angebot? Gibt es Restaurants, Cafés? Wer ist ihr Publikum? Welche kulturellen Angebote gibt es und was sagen sie über das Interesse/Angebot im Ort ….?

Eine solche Übung kann uns bei der Wahrnehmung helfen, was Menschen beschäftigt und uns Anknüpfungspunkte geben, über das zu reden, was uns alle wirklich bewegt. Dazu kann auch gehören, über unsere tiefsten Sehnsüchte zu reden. Und davon zu sprechen, dass wir bei Gott unser Zuhause gefunden haben und was das im Alltag bedeutet. Dass bei Gott für alle Menschen Platz ist. Gottes Haus ist so gross, dass jede/r einziehen darf. Paulus damals lud die Athener ein, Wohnung, Zuhause bei Gott zu finden. Diese Einladung gilt noch heute.

Dr. Heike Geist, teilt sich die Geschäftsleitung der Schweizer Mennonitischen Mission (SMM) mit Max Wiedmer und unterrichtet am Theologischen Seminar Bienenberg.

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