Evangelisation neu entdecken – Die Menschen brauchen Jesus

Evangelisation ist die Einladung, einmal an der schönsten Feier des Universums teilzunehmen. Es gilt, eine Aufgabe neu zu entdecken: ein Zeuge Jesus zu sein.
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Zwei Frauen im Gespräch

Evangelisation ist die Einladung, einmal an der schönsten Feier des Universums teilzunehmen. Es gilt, eine Aufgabe neu zu entdecken: ein Zeuge Jesus zu sein.

Unsere laute Zeit überhört oftmals die leise Stimme Gottes, die uns zur Umkehr ruft. Die Coronakrise hat viele Zeitgenossen zum Nachdenken bewegt, weil sie der Stille nicht mehr ausweichen konnten. Jetzt ist es entscheidend, dass wir Christen eine passende Antwort für unsere nach Sinn und Halt suchenden Mitmenschen bereithalten.

Fünf Aufgaben hat die Kirche: Die Verkündigung des Wortes Gottes (Gottesdienst), das Unterrichten von Kindern und jungen Erwachsenen im christlichen Glauben (Katechese), praktische Hilfe für Notleidende (Diakonie), Beistand in schwierigen Lebenssituationen (Seelsorge) und die Einladung zum Glauben (Evangelisation und Mission). Vier dieser fünf Aufgaben erledigt sie relativ gut. Bei der Evangelisation hapert es. Aber es sollte für jeden Christen normal sein, andere Menschen auf Jesus hinzuweisen. Leider ist dies oftmals nicht mehr der Fall.

Retterliebe ist erkaltet

Die Coronamassnahmen haben die Durchführung klassischer Evangelisationen wie Zeltveranstaltungen, evangelistische Gottesdienste und Vortrage erschwert bzw. verunmöglicht. Livestream-Gottesdienste sind zwar Notlösungen, aber auf Dauer kein ebenbürtiger Ersatz, weil Menschen ein richtiges Gegenüber brauchen. Vielen Christen ist nicht mehr bewusst – oder sie blenden es aus –, dass unsere Mitmenschen verloren gehen, wenn sie Jesus Christus nicht als persönlichen Herrn und Heiland in ihrem Leben annehmen.

Die dringende Notwendigkeit, dass jeder Christ die Frohe Botschaft weitergibt, ist in der Postmoderne zum Problem geworden. Heute glauben viele an die Maxime: Wahrheit ist perspektivisch; die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Dadurch wähnen sich viele Christen in einer falschen Sicherheit. Die Retterliebe, andere Menschen auf Jesus aufmerksam zu machen, ist bei einigen offensichtlich «erkaltet» (Matthäus Kapitel 24, Vers 12).

Gott hat sich nicht geändert

Die Bibel schildert uns, dass Jesus die Wahrheit in Person ist (Johannes Kapitel 14, Vers 6). Deswegen ist für Christen keineswegs der postmoderne Mainstream mit seiner Relativierung des Wahrheitsbegriffes massgebend, sondern Gottes Wort. Jesus erklärte unmissverständlich, dass es sowohl einen Ort der ewigen Gemeinschaft mit Gott (Himmel/Paradies) gibt, an dem ewige Freude herrscht, als auch einen Ort des «Weinens und des Zähneknirschens» (Matthäus Kapitel 13, Vers 42), den Ort der ewigen Gottesferne (Hölle/Verdammnis), den er auch mit einem «Feuerofen» und mit der «äussersten Finsternis» beschrieb (Matthäus Kapitel 8, Vers 12). Nur weil viele Zeitgenossen so leben, als gäbe es weder Himmel noch Hölle, heisst das keinesfalls, dass Gottes Wesen und sein Charakter sich geändert hätten: Er ist nach wie vor der heilige Gott, der Sünde in seiner Gegenwart nicht dulden kann (vgl. Jesaja Kapitel 59, Vers 2).

Christ = Zeuge

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Michael Freiburghaus

Der Professor für Kirchengeschichte, Armin Sierszyn, fasst die Evangelisationsbestrebungen der ersten Christen so zusammen: «Die Mission der Alten Kirche ist nicht organisiert. Es gibt weder Missionsräte noch Missionsgesellschaften. Es wird planlos missioniert. Alle Christen sind beteiligt. Man ist immer zugleich Zeuge, oder man ist kein Christ.» Die Urchristen haben die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Aktivwerdung jedes Christen erkannt, weil sie den Missionsbefehl von Jesus «Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern» (Matthäus Kapitel 28, Vers 19) ernst genommen haben.

Es geht bei der Evangelisation nicht um einen Zehn-Schritte-Plan zum Erfolg. Wenn es so einfach wäre, dann wäre Evangelisation menschlich machbar. Wenn jedoch Suchende zum persönlichen Glauben an Jesus finden, ist das immer ein Geschenk, unverdiente Gnade und das Wirken des Heiligen Geistes (vgl. Epheser Kapitel 2, Vers 8; Apostelgeschichte Kapitel 2, Vers 47 b). Als der Evangelist Billy Graham (1918–2018) einmal gefragt wurde, was er rückblickend in seinem langen Leben gerne anders gemacht hatte, antwortete er: «Ich würde viel mehr Menschen schulen, über ihren Glauben zu reden, statt immer allein zu predigen.» Der Heilige Geist verleiht uns Gaben, die wir zur Evangelisation verwenden sollen (vgl. 1. Korinther Kapitel 12, Verse 4-11 und 28).

Die Leidenschaft für Evangelisation wird angefacht, wenn wir immer tiefer erkennen, dass Jesus uns liebt. Der Himmel ist das grösste Hochzeitsfest, weil Jesus seine Braut, die Gemeinde, heiratet. Evangelisation ist daher die Einladung, an der schönsten Feier des Universums teilzunehmen. Es ist die höchste Würdigung, im Team von Jesus dabei zu sein und ihm zu dienen, indem man andere Menschen zum «Hochzeitsmahl des Lammes» (Offenbarung Kapitel 19, Vers 9) einlädt. «Denn Gottes Mitarbeiter sind wir» (1. Korinther Kapitel 3, Vers 9).

Viele Möglichkeiten, ein Gebet

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Evangelisationen: Grossevangelisationen, zu denen Zeltveranstaltungen wie «Life on Stage» und evangelistische Vorträge gehören. Dann Freundschaftsevangelisation, bei der ein Christ Freundschaften zu Nichtchristen pflegt und sie zu Jesus einlädt. Ein bekanntes Beispiel dafür sind Glaubenskurse, die auch online durchführbar sind. Dann gibt es Schriftenmissionen, Internet, Radio und Fernsehen, wo über Medien, Drucksachen und Homepages das Evangelium dargelegt wird. Alle diese Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Sie ergänzen sich. Bei jeder Evangelisationsmethode ist das Gebet entscheidend: «Herr, zeige mir, welche Personen, mit denen ich heute zu tun habe, offen sind für deine Botschaft.» Wenn wir jeden Morgen so oder ähnlich beten, sind wir besser für die unterschiedlichen Begegnungen des Tages gerüstet.

Bei der Evangelisation kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen: Am Osterwochenende 2020 habe ich gesehen, wie Bibelverse und Zeichnungen mit Kreide auf die Strasse gemalt wurden. In der Nähe des Kantonsspitals Aarau fand ich an einem Anschlagbrett eines Quartiervereins einen Zettel mit dem bekannten Bibelvers: «Jesus sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater ausser durch mich» (Johannes Kapitel 14, Vers 6). Manchmal sind es kleine Gesten, die viel bewegen.

Kultur der Evangelisation entwickeln

Der Evangelist Mack Stiles gibt den wertvollen Hinweis, dass wir in Kirchgemeinden eine Kultur der Evangelisation entwickeln und fördern sollen, bei der auch Evangelisationsversuche gewürdigt werden, die auf den ersten Blick noch keine Bekehrungen erbracht haben: «Ich möchte gern in einer Gemeinde sein, in der sogar zaghafte Versuche der Evangelisation schon gelobt werden. Auch wenn eine evangelistische Bemühung nicht zu einer Bekehrung führt, ist evangelistischer Misserfolg allemal besser, als das Evangelisieren gar nicht erst zu versuchen.»

Jesus ermutigt uns, unsere Gaben zu entdecken und sie in einer örtlichen Gemeinde anzuwenden, um suchende Menschen zu ihm einzuladen. Solange Evangelisation in Liebe und Demut geschieht, ist sie immer zielführend (vgl. 1. Korinther Kapitel 13, Vers 13).

Michael Freiburghaus ist Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch (Schweiz), Armeeseelsorger, Präsident der «Schweizerischen Traktatmission» und der Stiftung «Zukunft CH».

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