Reeto von Gunten – «Das Schlimmste ist, dass man sich daran gewöhnt»

Ein Schweizer Autor und Kleinkünstler warnt davor, Wahrheit und Moral preiszugeben und sich sogar daran zu gewöhnen.

Ein Schweizer Autor und Kleinkünstler warnt davor, Wahrheit und Moral preiszugeben und sich sogar daran zu gewöhnen.

Er habe sich an vieles gewöhnt, schreibt Reeto von Gunten in einer Kolumne in der Aargauer Zeitung: an Liebeskummer, Enttäuschungen, Schmerzen, Ängste, Gemeinheiten, Ungerechtigkeiten und Tiefschläge. Auch an den Klimawandel und die Abholzung der Regenwälder. «Ich akzeptiere Menschen, die während eines Gesprächs das Handy checken ... laufe an Bettlern vorbei und gehe den Problemen Anderer aus dem Weg.» – Und er setzt noch einen drauf: «Ich habe mich sogar daran gewöhnt, dass ich mich daran gewöhnt habe.»

Lügen ohne Scham

Laut von Gunten sind die Wahrheit und das Schamgefühl akut bedroht. Der Künstler greift dazu nicht einmal darauf zurück, dass ein Mann zum US-Präsidenten gewählt wurde, der 70 % seiner Wahlkampfreden auf Lügen aufbaute und dessen Stab den Begriff der «alternativen Fakten» hervorbrachte. Das Problem liegt für ihn darin, dass Lügen ohne jede Scham produziert werden. Und er fürchtet, dass man sich an diese «schamlose Lügerei» gewöhnen könnte. «Wir sind alle längst dabei ..., alles zu akzeptieren, was man uns glauben macht.»

Wir dürfen nicht aufgeben ...

Als Folge dieses Trends sieht von Gunten ein Revival für Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung. Und er meint dazu fast beschwörend: «Wir dürfen nicht aufgeben, wofür die Menschheit jahrhundertelang gekämpft hat. Die Menschlichkeit steht auf dem Spiel, Anstand und Mitgefühl. Alles was wir unter Zivilisation verstehen, droht zerstört zu werden.»

Es geht um die Zukunft der humanen Gesellschaft

Ob von Gunten sich bewusst ist, dass er mit diesem Herzensanliegen auch das Evangelium hinter sich hat? Die Lüge zerstört ja nicht nur die Wahrheit und Schamhaftigkeit, sondern auch ganz besonders die Liebe. Glaube, Hoffnung und Liebe, wie es der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, schreibt, tragen nicht nur die Gemeinde, sondern strahlen auch auf die Gesellschaft aus und fördern die Menschlichkeit. Wo diese erodiert, wird die Gesellschaft reif für Potentaten, denen man weder die Lüge noch die Willkür verübelt. Hier dürfen Christen, denen «der Stadt Bestes» ein Anliegen ist, nicht schweigen, auch wenn der Potentat ihnen die erhofften Zückerchen verabreicht.

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