Von der Schule bis zur Firma – Beten beim Arbeiten

«Ora et labora» hiess es früher in den Klöstern: Bete und arbeite. Inzwischen breitet sich der Gedanke immer weiter aus, dass Beten auch an einem normalen Arbeitsplatz sinnvoll und prägend sein kann.

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Gläubige rechnen mit Gottes Kraft am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Schülergebetskreise kennen viele Christen aus ihrer Zeit an der Schule. Man trifft sich in der Pause, in einer Freistunde oder sogar vor dem Unterricht. Nicht, um eben noch schnell Hausaufgaben zu machen oder die neuesten Infos über Mitschüler und Lehrerinnen auszutauschen, sondern um miteinander einen kurzen Bibeltext zu lesen und vor allem, um dann zu beten. Doch nicht nur an Schulen wird gebetet, ähnliches gibt es schon lange in verschiedenen Firmen, bis hin zum Bundeshaus in Bern oder dem Bundestag in Berlin.

Firmengebet im Trend

Wenn gläubige Menschen sich in ihrem Unternehmen zum Beten treffen, dann wollen sie nicht ihre Pause ausweiten, sondern Gott bewusst in ihr Arbeitsleben mit einschliessen. Dann wird für persönliche Anliegen gebetet und für die Herausforderungen beim Arbeiten, für Kolleginnen und Chefs, gute Geschäftsentscheidungen und die Menschen, die davon betroffen sind. Natürlich kann das informell passieren, einfach «wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind», wie es bereits im Neuen Testament steht. Viele bevorzugen es allerdings, ihr Beten anzumelden und mit der Firmenleitung abzusprechen. Man zeigt damit Transparenz und dass dieser Gebetskreis nichts Geheimes ist.

Die Grösse solcher Gebetskreise unterscheidet sich deutlich je nach Unternehmen. In kleinen Firmen setzen sich oft zwei Mitarbeitende beim Mittagessen zusammen, um zu beten. In grossen Unternehmen entwickeln sich manchmal regelrechte Bewegungen. Sie beginnen genauso klein – wie bei Daimler Benz in Waiblingen, wo Helmut Keller in den 1980er Jahren bemerkte, dass in seiner Abteilung weitere Christen arbeiteten. Sie taten sich damals zusammen. Heute ist daraus das Netzwerk «Christentreffen unterm Stern» gewachsen, in dem sich mehr als 1'800 Mitarbeitende an weltweit 50 Orten treffen. Neben den bereits beschriebenen Anliegen haben sie als Motto einen Satz des verstorbenen Evangelisten Billy Graham, der festhielt: «Ich glaube, dass eine der nächsten Erweckungen durch Gläubige am Arbeitsplatz hervorgerufen wird.»

So unterschiedlich das Beten auch in den verschiedenen Firmen aussieht, ob es per Videokonferenz oder in einem leeren Büro stattfindet, bei Daimler, Siemens, e-on oder beim Architekten um die Ecke, Uta Rohrmann vom «Sonntagsblatt» hält dazu fest: «Es ist ein Trend: Gläubige rechnen mit Gottes Kraft am Arbeitsplatz, treffen sich zum Gebet in ihren Unternehmen und vernetzen sich.»

Politikergebet als Segen

Einer der bekanntesten Verse in der Bibel in Bezug auf Politik ist die Aufforderung von Paulus im 1. Timotheusbrief, für die Obrigkeit zu beten, «für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können». Ähnlich wie in Unternehmen, treffen sich Politikerinnen und Parlamentarier aber auch selbst, um füreinander und für politische Fragen zu beten. Das geschieht bereits auf kommunaler Ebene und zieht sich durch bis in den Bundestag in Berlin beziehungsweise das Bundeshaus in Bern. In Deutschland trifft sich dazu eine lose, fraktionsübergreifende Gruppe von «Christen im Parlament» jeweils freitagmorgens zu einem ökumenischen Gebetsfrühstück. Dort wird geredet, auf Gottes Wort gehört, in erster Linie aber miteinander gebetet. Weil es kein offizieller Kreis mit definierten Mitgliedern ist, besteht keine Gefahr, dass er zur Imagepflege missbraucht wird. Was hier hinter verschlossenen Türen besprochen und umbetet wird, bleibt auch dort. Gleichzeitig hat es immer Auswirkungen auf die Politik, wenn Gott bewusst hineingenommen wird.

«Ora et labora» steht dafür, dass fromme Menschen in ihrem frommen Umfeld auch arbeiten sollten. Es steht aber genauso dafür, dass glaubende Menschen in ihrem Arbeitsumfeld auch beten sollten.

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