Gegen den Strom schwimmen – 5-fach anecken mit der christlichen Botschaft – und trotzdem gewinnen

Es ist ein Missverständnis, dass die Botschaft des Evangeliums völlig überzeitlich und kulturunabhängig ist. Genauso gross ist allerdings das Missverständnis, dass sich das Evangelium der umgebenden Kultur anzupassen hätte, damit man nicht aneckt.
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Junger Mann schwimmt gegen den Strom.

Es ist ein Missverständnis, dass die Botschaft des Evangeliums völlig überzeitlich und kulturunabhängig ist. Genauso gross ist allerdings das Missverständnis, dass sich das Evangelium der umgebenden Kultur anzupassen hätte, damit man nicht aneckt. Das «Gegen-den-Strom-Schwimmen» macht gerade die Anziehungskraft des Evangeliums aus.Eckig und unbequem war das Evangelium nämlich schon immer. Das Erstaunliche ist, dass dies allerdings nie etwas an seinem einladenden Charakter geändert hat. Denn die Punkte, mit denen sich christliche Botschaft in klaren Gegensatz zur Kultur setzt, machen gerade das Befreiende daran aus. Der Blogger und Studentenberater Stephen Mattson nennt im Relevant-Magazine exemplarisch die folgenden fünf Werte.

1. Geduld

«Hoffen wir aber auf etwas, das wir noch nicht sehen können, dann warten wir zuversichtlich darauf» (Römer, Kapitel 8, Vers 25).

Schnelligkeit ist Trumpf. Schriftliche Mitteilungen brauchen keine Woche mehr per Brief, sondern sind als Textnachricht sofort zugestellt. Nachrichten und Informationen sind weltweit in Echtzeit verfügbar. Auch Ergebnisse sollen möglichst sofort vorliegen. In solch einer Umgebung fällt es schwer, geduldig auf etwas zu warten. Warten und auf Gott zu vertrauen wird geradezu eine Gegenkultur. Denn damit akzeptieren wir die Tatsache, dass es Dinge gibt, die wir nicht kontrollieren oder beschleunigen können. Während die Gesellschaft weiter auf Effizienz und blitzschnelle Interaktion setzt, wird es immer schwieriger und gleichzeitig wertvoller, aus dem Hamsterrad herauszukommen, eine Pause zu machen, zu warten und dabei auf Gott zu hören.

2. Sanftmut

«Glücklich sind die Friedfertigen, denn sie werden die ganze Erde besitzen» (Matthäus, Kapitel 5, Vers 5).

Wir leben in einer Ellenbogengesellschaft: Der Lauteste drängt sich nach vorne. Aggressive Äusserungen, Streit und Polarisierungen dienen dazu, dass wir wahrnehmbar werden und uns positionieren. Da unterscheiden sich Kirchen und Gemeinden kaum von ihrer Umgebung. Auch sie kämpfen mit denselben Mitteln um Anerkennung und Einfluss. Doch die Grenzen zur reinen Effekthascherei sind fliessend – und Lebensveränderung geschieht nicht durch Lautstärke. Die Antwort von Jesus darauf war und ist bis heute Sanftmut. Und dies ist alles andere als Schwäche: Sie ist eine Quelle der Kraft, macht uns unabhängig von populistischen Meinungen und widersteht lauter Propaganda, irrationalen Ängsten, dummer Gewalt und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Sanftmut hilft uns dabei, uns im Durcheinander der Meinungen auf Gott zu konzentrieren und für ihn zu engagieren – ohne permanent um persönliche Anerkennung durch andere zu kämpfen.

3. Demut

«Jeder, der sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden» (Lukas, Kapitle 14, Vers 11).

Die Technik ermöglicht es, uns besser aussehen zu lassen: Auf Facebook posten wir das, was uns schmeichelt, und unsere Fotos bearbeiten wir so, dass Falten, Übergewicht und Co nicht mehr ins Auge fallen. Was wir sagen, das vertreten wir im Brustton der Überzeugung, egal ob es politische oder theologische Meinungen sind. Demut würde in diesem Zusammenhang bedeuten, dass wir uns nicht besser machen als wir sind. Dass wir zuhören, statt nur zu reden, höflich sind, statt Wahrheiten «auszuteilen», und Fehler zugeben. Wenn wir uns darauf einlassen, ist der erste Nebeneffekt die Erkenntnis, dass Demut uns nie kleiner macht, als wir wirklich sind.

4. Hoffnung

«Deshalb wünsche ich für euch alle, dass Gott, der diese Hoffnung schenkt, euch in eurem Glauben mit großer Freude und vollkommenem Frieden erfüllt, damit eure Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes wachse» (Römer, Kapitel, 15, Vers 13).

Unsere Ausgangssituation ist oft genug entmutigend: von Partnern im Stich gelassen, von der Gesellschaft verletzt, von Organisationen manipuliert, von Regierungen enttäuscht und von Religion beschädigt … Da ist es schwer, nicht zynisch oder pessimistisch zu werden. Als Christen sind wir hier nicht zu Optimismus aufgefordert, aber wir können durch Jesus eine Art Hoffnung gegen den Anschein erleben. Ohne gleich hinter allem einen Sinn zu erkennen, ohne Schlechtes schönzureden, wissen wir uns doch gehalten im Chaos der Welt.

5. Glaube

«Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht» (Hebräer, Kapitel 11, Vers 1).

Unser Universum ist unendlich komplex, unsere Gesellschaft multioptional. Bei all diesen unbegrenzten Perspektiven fällt es schwer, an etwas zu glauben, jemandem zu vertrauen. Doch solch ein leidenschaftliches Vertrauen – genau das meint die Bibel mit Glaube – meint nicht die Abwesenheit von Zweifeln, das Fehlen von Geheimnissen oder die Erwartung, dass jetzt alles ganz einfach sein müsste. Leidenschaftliches Vertrauen können wir trotzdem entwickeln. Und es hat eine Person als Gegenüber. Der Glaube an Gott ist nochmals eine Steigerung gegenüber dem Vertrauen in andere Menschen. Immerhin können wir ihn weder sehen noch messen. Glaube an Gott ist damit etwas Übernatürliches. Es hat scheinbar keinen Platz in unserem Denken. Doch obwohl wir damit anecken können, ist es genau das, was Menschenleben verändert.

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