Melissa Lischer – Wie sie aus der Depression fand

Mit sechs Jahren kommt Melissa Lischer in ein Kinderheim. Sie ringt in ihrem Leben ständig nach Liebe. Bis Jesus diese Sehnsucht stillt. Mit einer starken Stimme ausgestattet, singt die Künstlerin und junge Mutter von dem, was sie erlebt und bewegt.

Mit sechs Jahren kommt Melissa Lischer (31) in ein Kinderheim. Die Tochter eines Schweizers und einer Afrikanerin ringt in ihrem Leben ständig nach Liebe. Bis Jesus diese Sehnsucht stillt. Mit einer starken Stimme ausgestattet, singt die Künstlerin und junge Mutter von dem, was sie erlebt und bewegt.Melissa Lischers Geschichte beginnt mit dem Schicksal ihrer Mutter. Knapp 20, kommt diese von Kamerun in die Schweiz, heiratet einen Luzerner und bringt drei Kinder zur Welt. Melissa wird 1986 als mittleres geboren. Die Ehe der Eltern hält nicht. Mit drei kleinen Kindern auf sich alleine gestellt, fremder Sprache und Kultur ist Melissas Mutter völlig überfordert. Melissa erzählt: «Sie wurde kerngesund in eine Klinik zwangseingeliefert und mit Medikamenten ruhiggestellt. Niemand hat dafür gesorgt, dass sie uns behalten kann, keiner hat sie unterstützt. Noch heute ist meine Mutter abhängig von den Medikamenten und kann kein selbständiges Leben führen. Zu gerne wäre sie Anwältin geworden. In meinen Augen ist das, was damals geschah, ein Verbrechen!»

Hänseleien und Handball

Sechsjährig kommt das Mädchen zusammen mit seinen Geschwistern in ein Kinderheim in Luzern. Melissa vermisst ihre Mutter schmerzlich: «Ich habe mich so danach gesehnt, einmal in den Arm genommen zu werden.» Ihre Schulzeit ist schwierig; Melissa wird gehänselt und ausgegrenzt. Die Jagd nach Liebe wird zu ihrem Lebensziel. 14-jährig beginnt sie eine Beziehung mit einem Jungen, den sie vom Handball her kennt. Nun fühlt sie sich weniger einsam. Während der Lehre als Schuhverkäuferin wird sie depressiv. Ganz alleine kämpft Melissa gegen die Schatten und die Traurigkeit, schliesst die Ausbildung erfolgreich ab. Mit 20 arbeitet sie in einem Schuhgeschäft, wird immer wieder von Heulkrämpfen geschüttelt. Sie befolgt den Rat einer Arbeitskollegin und sucht eine Psychologin auf. «Diese war für mich eine Art Mutterersatz und hat mir sehr geholfen», sagt Melissa.

Liebe, Licht und Leichtigkeit

So richtig hell wird es in ihrem Leben zwei Jahre später. Ihre Schwester nimmt sie mit an eine christliche Veranstaltung. Die Lebensgeschichten beeindrucken Melissa: «Ich dachte mir, wenn Jesus diese verpfuschten Leben wiederhergestellt hat, dann ist er der einzige, der mir helfen kann.» Melissa betet mit einem Mitarbeiter und bittet Jesus, in ihr Leben zu kommen. «Das war der Moment, als die Depression, diese Schwere von mir abfiel. Liebe, Licht und Leichtigkeit kamen in mein Herz», so Melissa. Nur wenige Monate zuvor hatte sie ihrem Freund das Jawort gegeben. Dass ihre Beziehung auf wackligen Beinen stand, blendete sie aus. Das nächste Vorhaben: eine Familie gründen – eine kleine «heile Welt», die sie selbst nie gekannt hatte…

Musik statt Mutterschaft

Doch es soll nicht sein. Das Paar streitet immer mehr – zudem kann Melissas Mann mit deren Glauben nichts anfangen. Nach drei Jahren sind die beiden geschiedene Leute. In schmerzhaften, klärenden Prozessen arbeitet die junge Frau ihre Vergangenheit und Kindheit auf, begleitet von einer Seelsorgerin. Melissa, die von sich sagt, es sei schon immer Musik in ihr gewesen, fokussiert sich auf ihr Gesangstalent. Acht Jahre lang war sie als Leadsängerin in einer lokalen Big Band unterwegs gewesen. Nun startet sie ihre Solo-Karriere, nimmt Unterricht als Singer-Songwriterin. Melissa schreibt und singt, was Gott ihr aufs Herz legt. «Sein und mein Herz sind gekoppelt», erklärt die Künstlerin. «Ich wünsche mir, dass Menschen, die ihn nicht kennen, durch meine Musik Zugang zu Gott finden.»

Drei Singles und ein Baby

2012 unterschreibt Melissa bei profimedia einen Labelvertrag und feiert bald Erfolge. 2013 veröffentlich sie «Come Closer», ihre erste Single. 2014 folgt das Debütalbum «The Creation», 2016 und 2017 die beiden Singles «Color Explosions» und «Honest Song» – es sind professionelle, tiefgründige Feel-Good-Songs. Stopp! Was lief eigentlich 2015? Melissa schmunzelt: «In diesem Jahr habe ich wieder geheiratet.» Sagt’s und streichelt ihrem viermonatigen Sohn übers Köpfchen. Zusammen mit ihrem Mann wohnt Melissa heute im Zürcher Oberland. «Ich geniesse es, Mutter zu sein, habe musikalisch aber noch viele Ideen und werde wieder von mir hören lassen.»

Dieser Artikel stammt aus dem Jesus.ch-Print Nr. 44 zum Thema «Musik». Hier können Sie die neue Ausgabe bestellen oder herunterladen und verteilen.

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