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Wenn Sohn und Vater zusammenhalten (Symbolbild)

Laengner: «Auf in die Weite» – Ein Buch zum Leben und Sterben

Tom und Nils Laengner sind Vater und Sohn. Und sie sind ein tolles Team beim Sport, beim Erzählen und Schreiben. Als der Vater krank wird, machen sie ein Buch darüber, voller Mut, Hoffnung und Aufbruchsstimmung. Trotz des bevorstehenden Todes.

Wenn ein Journalist und ein Sportfotograf sich zusammentun und einen Text-Bildband über Radsport, Leistung und das Unterwegssein im Leben zusammenstellen, dann rechne ich mit Erfolgsstorys und tollen Erlebnissen. Dann gehören dort Fotos hinein, auf denen sich Jubel und Schweiss mischen. Genauso wie Aufforderungen, den inneren Schweinehund zu besiegen und ans Limit zu gehen. Eigentlich. Aber was ist, wenn der Autor bereits am Limit ist, bevor er das erste Mal auf den Fahrradsattel steigt?

Diagnose Darmkrebs

Tom Laengner war ursprünglich Lehrer. Nach 20 Jahren im Schuldienst sattelte er um und arbeitete als Journalist. Er reiste viel, schrieb Artikel und Kolumnen über das Leben, den Sport und immer wieder über seinen Glauben an einen Gott, der wirklich da ist. Als er die Diagnose «Darmkrebs» erhielt, war schnell klar, dass dies mehr war als ein Warnschuss. Die Ärzte gaben ihm noch drei Monate zu leben.

Laengner verstarb im Oktober 2024 im Alter von 67 Jahren. In den Wochen vorher stellte er allerdings mit seinem Sohn Nils, einem erfolgreichen Sportfotografen, noch ein Buch zusammen. Kurze Texte laden ein, das Leben zu feiern, es zu erleben statt zu erleiden, und immer wieder Jesus darin zu entdecken. Warum er dieses Buch noch schrieb, steht zwischen den Zeilen irgendwo darin: «Du sollst das Gute und Richtige tun, weil es gut und richtig ist. Was dabei herauskommt, ist Gottes Sache.» Was dabei herauskam, ist «Auf in die Weite. Manchmal muss man einfach losziehen, um Antworten zu suchen». Es ist ein wunderbares Buch geworden.

(K)Ein Buch für Kranke

Da hat also ein Sterbender ein Buch übers Leben geschrieben. Und beim Lesen und Blättern darin suche ich unwillkürlich nach Selbstmitleid, nach dem scheinbar tröstlichen Ton, den viele Autoren anschlagen, die sich an Kranke und Sterbende richten. Doch genau das tun Tom und Nils Laengner nicht. Sie erzählen in Bild und Text vom Unterwegssein im Leben, das wunderschön ist, prallvoll mit Glück und Segen. Hinter der nächsten Strassenbiegung kann jedoch bereits ein steiler Anstieg mit dem Fahrrad warten. Und Trauer und Tränen gehören genauso dazu wie unfassbares Glück. Was das Buch viel mehr zusammenhält als seine vielen Sportgeschichten, ist das Durchatmen irgendwo zwischendrin und das tiefe Wissen: Gott ist da. Und wie wohltuend ist es, gesehen zu werden. Das gilt für Kranke und Gesunde und ermöglicht eine besondere Perspektive aufs eigene Unterwegssein im Leben.

Einseiter, die nicht einseitig sind

Die Texte im Buch sind kurz. Wirklich kurz. Keiner ist länger als eine Seite. Doch sie sind alles andere als einseitig. Sie handeln vom Unterwegssein und vom Ankommen, von Selbstvertrauen und gutem Schlaf, von Freude und den Zutaten zum Menschsein. Nachdenklich sind sie und lustig. Natürlich habe ich nach dem Lesen nicht den Eindruck, dass das jeweilige Thema damit «behandelt» ist, aber immer wieder finde ich Gedanken, die mich treffen, Sätze, die mich begleiten. Bei aller Kürze sind die Texte nie platt.

Der Klappentext des Buchs nennt es ein «Coffee Table Book». Das ist ein Buch, das ich im Wohnzimmer auf dem Tisch liegenlassen kann. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Motive: Entweder entdecken meine Gäste solch ein Buch bei mir und halten mich daraufhin für besonders klug, weltgewandt oder was auch immer. Oder sie blättern hinein und vergessen für drei oder dreissig Minuten alles um sich herum und tauchen in eine Buchwelt ein, die sie bereichert und beglückt zurücklassen wird. «Auf in die Weite» ist solch ein beglückendes Buch. Nicht nur für Gäste. Bei mir wird es eine Weile auf dem Wohnzimmertisch liegen.

Zum Buch:
Tom Laengner, Nils Laengner: Auf in die Weite, Manchmal muss man einfach losziehen, um Antworten zu suchen

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