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Cole Prasse

Harte Diagnose statt Comeback – Was Cole Prasse durch 70 Nächte im Krankenhaus lernte

Nach einer schweren Krebsdiagnose kämpft Baseball-Talent Cole Prasse nicht nur um seine Gesundheit, sondern auch um seine sportliche Zukunft. Zwischen Krankenhausbett und Pitching-Mound findet er neuen Glauben, Kraft – und eine zweite Chance.

Cole Prasse (21) aus Spring im US-Bundesstaat Texas arbeitet an seinem Comeback im College-Baseball. «Bis letztes Jahr haben Sport und Bewegung mein Leben massgeblich bestimmt», berichtet der Sportler. Schon früh wusste er, dass er Sportler werden wollte. «Zunächst galt meine Leidenschaft dem Football, aber in der Highschool merkte ich, dass mein Talent eher im Baseball lag.»

Im Jahr 2023 musste er sich einer Ellbogenoperation unterziehen. Im Dezember 2023 erreichte er seinen zwölften Monat der insgesamt 18-monatigen Reha. «Genau an dem Tag, an dem ich erstmals wieder vom Pitching-Mound werfen durfte, fühlte ich mich plötzlich, als hätte ich einen Herzinfarkt. Mein Puls beruhigte sich nicht mehr, mein Brustkorb war extrem angespannt. Ich fuhr noch in derselben Nacht in die Notaufnahme. Dort entdeckten sie eine Geschwulst – direkt vor meinem Herzen, aber zum Glück ohne Verbindung zu ihm.»

Eine harte Diagnose

Die Diagnose lautete: Non-Hodgkin-Lymphom im Stadium II, zum Glück früh erkannt. «Insgesamt erhielt ich elf verschiedene Chemotherapien. Die Diagnose bekam ich am 27. Dezember, exakt sieben Monate vor meinem Geburtstag am 27. Juli. Wir hofften damals, dass ich an meinem Geburtstag krebsfrei sein könnte. Doch dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung.»

Durch die Behandlung war Cole Prasse schnell erschöpft. «Besonders die Gelenkschmerzen machten mir zu schaffen, früher als erwartet, nämlich bereits nach fünf Stunden. An den Tagen zwei und drei der Behandlung war ich meist schon über das Schlimmste hinweg.»

Diese Zeit war mental enorm herausfordernd. «Ich brauchte etwa einen Monat und einige Behandlungen, bis ich akzeptieren konnte, was gerade geschah. Ich war wütend; wer wäre das nicht? Es war das erste Mal seit meiner Kindheit, dass ich keinen Sport ausübte.»

Harte Zeiten im Spital

Er nahm ein Andachtsbuch hervor, das ihm einst eine Tante geschenkt hatte. «Es stand jahrelang unbeachtet auf dem Kaminsims. Doch in diesem Moment wusste ich: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, es aufzuschlagen – und ich bin so froh, dass ich es getan habe.»

In den ersten sieben Monaten musste er kaum ins Krankenhaus. «Ich konnte zu Hause bleiben, was vieles erleichterte. Aber man musste aufpassen: Menschenmengen meiden und Freunde durften nur vorbeikommen, wenn sie ganz sicher nicht krank waren.»

Der Krankenhausaufenthalt war härter. «An manchen Tagen konnte ich das Bett kaum verlassen. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil der Weg bis zum Ende des Flurs eine Qual war: Übelkeit, Erschöpfung, Schwindel.»

Viel über sich selbst gelernt

Man lernt viel über sich selbst, besonders über seine Gedankenwelt, beobachtet Cole Prasse. «Als Pitcher ist ein positives Selbstgespräch ein essenzieller Bestandteil meines Spiels. Allein in diesem Krankenhausbett, in der 70. Nacht, da begreift man, wie man wirklich denkt. Ich versuchte, alles ins Positive zu wenden, und dafür bin ich vor allem meinen Eltern dankbar.»

Auch seine drei besten Freunde waren eine enorme Stütze – sie meldeten sich täglich per Anruf oder Nachricht. «Ich wollte gesund werden, und ich umgab mich mit Menschen, die dasselbe wollten. Diese gemeinsame Haltung hat mir sehr geholfen. Die Sprachnachrichten von Familie und Freunden waren wie Balsam. Es geht oft nicht um Worte, sondern einfach darum, dass jemand da ist. Ich erinnere mich, wie ich zwischen meinen 17 täglichen Nickerchen aufwachte und meine Eltern auf der Couch sah; das reichte, um weiterzumachen. Zu wissen: Ich bin nicht allein.»

Gespräch mit Gott: «Warum ich?»

«Du kannst wütend darüber sein, oder das Beste daraus machen», erklärt Cole Prasse. «Ganz am Anfang führte ich Gespräche mit Gott, für die ich mich später entschuldigte. Es war einfach die Wut, weil ich so hart für etwas gearbeitet hatte und plötzlich entgleiste mein Leben. Ich fragte mich, warum. Was könnte Positives aus so etwas Negativem entstehen?»

Letztlich sah er zwei Seiten: die körperliche und die geistige. «Durch eine Regeländerung während meiner Behandlung erhielt ich eine neue Chance: Hätte ich die Diagnose nicht bekommen, dürfte ich heute nicht mehr spielen, jetzt sind bis zu sieben Jahre College-Baseball möglich.»

Andacht unter Tränen

Die geistige Seite bestand aus Gesprächen mit Gott. «Erst war ich wütend – dann versuchte ich zu verstehen. Später, beim Lesen der Andachten, kamen mir oft die Tränen. Ich erinnerte mich, wie wütend ich war und wie falsch ich damals dachte. Heute weiss ich: Ich gehe den richtigen Weg. Ich fühle Gottes Liebe.»

Nun ist er in der Remission und macht eine Immuntherapie. «Es wäre einfach, jetzt die Baseballschuhe an den Nagel zu hängen, mein Körper hat einiges mitgemacht. Aber ich weiss: Der Weg zurück wird hart, aber auch lohnend. Der Einsatz, den ich gegen den Krebs gezeigt habe, wird auch auf diesem Weg gefragt sein. Es ist Gottes Plan. Und die Chancen, die ich heute habe, hätte ich vor einem Jahr nicht bekommen, ohne diese Diagnose.»

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