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Stefan Loss

Buch «Auf Herz und Nieren» – Stefan Loss: «Das wichtigste Organ ist die Seele»

Als sein Arzt ihm 2008 eröffnet: «Sie haben Zystennieren», kann Stefan Loss mit dieser Information noch nichts anfangen. Doch zwöl Jahre später, nach Schmerzen, Nierenversagen, Dialyse und Organtransplantation, lebt er und ist Gott dafür dankbar.

Als sein Arzt ihm 2008 eröffnet: «Sie haben Zystennieren», kann Stefan Loss mit dieser Information noch nichts anfangen. Doch zwölf Jahre später, nach Krankheitsgeschichte, Schmerzen, Nierenversagen, Dialyse und Organtransplantation, lebt er und ist Gott dafür sehr dankbar. Und er hat ein Buch über den schwierigen Weg dahin geschrieben: «Auf Herz und Nieren. Als das Leben mit mir Achterbahn fuhr».Stefan Loss (58) ist ein Berufsneugieriger. Als Journalist hat er fast die ganze Welt bereist und über verschiedenste Menschen berichtet. Dabei waren Begegnungen mit Mördern, die im Gefängnis zum Glauben kamen und dort als Evangelisten arbeiteten, genauso wie Portraits von Durchschnittsbürgern. Spannend sind sie alle, denn sie sind wahr. Und sie beleuchten immer wieder, wie Gott mit den verschiedensten Typen in den unterschiedlichsten Situationen handelt. Doch was macht so ein Vollblutjournalist und Christ, wenn es plötzlich um ihn selbst geht? Wenn seine bis dahin normale Gesundheit sich einfach in nichts auflöst?

Kritische Distanz und schmerzhafte Nähe

Es gibt Bücher über persönliche Schicksale, die lege ich wieder aus der Hand. Entweder sind sie so «siegreich» geschrieben, dass es von der ersten Seite an völlig klar ist, dass nichts diesen Menschen aus der Bahn werfen kann, oder sie sind so voyeuristisch, dass es mir eher peinlich ist, was ich darin alles zu hören und zu sehen bekomme.

«Auf Herz und Nieren» ist anders. Stefan Loss behält und sucht die professionelle Distanz zu sich selbst, aber gleichzeitig gibt er sich nie mit Oberflächlichkeit zufrieden. Hier erzählt jemand, der erzählen kann – und der etwas zu sagen hat.

Als Christ ist nichts anders und alles anders

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Cover des Buches «Auf Herz und Nieren»

Spielt es eigentlich eine Rolle, ob der Autor auf Gott vertraut oder nicht? Loss geht nicht direkt auf diese Spannung ein, aber gleichzeitig thematisiert er sie immer wieder. Am Anfang nimmt er sich als «ganzheitlich krank» wahr. Natürlich. Denn eine lebensbedrohliche Diagnose stellt wirklich alles auf den Kopf. Und auch später erzählt er, mal augenzwinkernd, mal entschuldigend, von dem krankheitstypischen Egoismus, bei dem sich alles nur um ihn und sein Befinden dreht.

Darin unterscheidet sich der Autor nicht von den vielen anderen Menschen, die schwer krank sind – gläubig oder nicht. Aber man spürt beim Lesen, wie gut es ihm tut, sein Herz bei Gott auszuschütten, selbst wenn die Form nicht unbedingt gottesdiensttauglich ist. Für Stefan Loss wurde gebetet, doch Gott hat ihn nicht geheilt. Er hat geklagt und gefragt und nur wenige Antworten bekommen. Und mittendrin in seinem Krankheitselend hat er in einer Londoner Kirche einen ganz starken Gottesmoment erlebt: «Es war wie ein Nach-Hause-Kommen. Gott war hier und er war mir nah.»

Mehr als ein Happy End

Stefan Loss beschreibt im Buch eine Silvesterfeier in seiner Gemeinde. Dort erzählen einige von Schwierigkeiten, die sie überstanden haben. Er nicht. Denn er steckt ja noch mittendrin. Aber irgendwie hofft er darauf, am Ende eine fröhliche «Es war richtig schlimm, aber mit Gott zusammen hab ich’s überstanden – Halleluja!»-Geschichte zu erzählen.

Ich finde, das hat er mit seinem Buch zum Glück nicht geschafft. Dafür beschreibt er zu viele Schattenseiten und Zwischentöne. Trotzdem – oder gerade deswegen – vermittelt er darin eine unbändige Lebenslust und jede Menge Hoffnung. Vielleicht gelingt ihm das auch so gut, weil er bei sich bleibt und nicht predigt. Tolstoi beginnt seinen Klassiker «Anna Karenina» mit der Feststellung: «Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie ist auf ihre Weise unglücklich.» Diese Freiheit lässt Stefan Loss auch seinen Leserinnen und Lesern. Sie werden nicht gegängelt, damit sie die gleichen Erfahrungen wie der Autor machen können. Aber sie können zwischen Lachen und Weinen die Hoffnung gewinnen, dass Gott auch sie durchträgt.

Seit dem 28. Februar 2017 lebt der Journalist inzwischen mit einer Niere seiner Frau. Es geht ihm gut. Und er ist dankbar, dass das wichtigste Organ des Menschen bei ihm intakt ist: nicht die Niere, sondern seine Seele.

Ein ehrliches Buch – und längst nicht nur für Kranke geeignet.

Zum Buch:
Stefan Loss: Auf Herz und Nieren. Als das Leben mit mir Achterbahn fuhr
, Brunnen Verlag, Giessen, 176 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-7655-0744-1. SFr 24,90 / EUR 15,-

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