Dean Otto

Göttliche Vergebung – Opfer, Arzt und Verursacher rennen Halbmarathon

Dean Otto war ein erfolgreicher Läufer und Triathlet. Dann wurde er von einem Pick-up umgefahren. Zwischenzeitlich war er gelähmt. Nun ist er vor kurzem einen Halbmarathon gerannt – Seite an Seite mit dem Unfallverursacher, dem er vergeben hat und dem ihn behandelnden Neurochirurgen Matt McGirt.

Es geschah im vergangenen September in der Früh, als es nach dem Neumond noch dunkel und dunstig war, so dass der Unfallfahrer die Scheibenwischer eingeschaltet hatte. Will Huffman fuhr mit seinem Pick-up Dean Otto, der sein Rad beleuchtet und reflektierende Textilien trug, um. Dieser erlitt ein Wirbelsäulen-Trauma, durch welches er bei der Ankunft im Spital von der Hüfte an abwärts gelähmt war.

Neurochirurg Matt McGirt setzte eine Titanplatte ein und versuchte Otto schonend beizubringen, dass seine Pläne, wieder laufen zu können, wohl überoptimistisch wären.

Will Huffman, Lenker des Unfallwagens, fragte sich, ob ihm Otto je vergeben würde – und ob er sich dies selbst überhaupt jemals vergeben kann.

Die Vorgeschichte

Früher war Dean Otto alkoholsüchtig und er nahm Schmerztabletten. Bis das Ganze seiner Frau zu viel wurde. Sie stellte ihn vor die Wahl: Therapie oder Scheidung. Er entschied sich für ein mehrwöchiges Programm.

Die Leute um ihn herum sprachen viel über Gott. Mit der Zeit begann er sich dafür zu interessieren und auch Gebet in Anspruch zu nehmen. «Ich begann zu glauben und wurde zu einem netteren Menschen, und bald darauf dachte ich gar nicht mehr ans Trinken.»

Der alte Dean Otto hätte den Unfallverursacher mit der grösstmöglichen Klage eingedeckt. Doch der neue Dean Otto antwortete mit einem Gebet noch an der Unfallstelle. «Herr, ich weiss nicht, was du für mich geplant hast. Doch was immer es ist, es ist grösser, als ich es verarbeiten kann. Alles gehört dir. Ich gebe alles dir und vertraue dir, dass dein Plan aufgeht.» Und er vergab Will.

Die Behandlung

Der Unfall geschah rund vier Kilometer vom einzigen Level-1-Trauma-Center entfernt, dem Carolina Medical Center in Charlotte. Deshalb war er innerhalb von Minuten im Notfallraum. Und der diensthabende Chirurg war Matt McGirt, der auf komplexe Wirbelsäulen-Operationen spezialisiert war. Dieser erkannte rasch eine ernsthafte Verletzung.

Neben den Schäden an der Wirbelsäule hatte er Knochenbrüche erlitten. Otto hatte von der Hüfte an abwärts keine Gefühle mehr. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann, um irreparable Schäden zu verhindern. Der entsprechende Eingriff dauerte 90 Minuten, doppelt so schnell wie normalerweise.

Die Regeneration

Gleichzeitig war McGirt klar, dass es Monate dauern könnte, bis klar ist, ob seine untere Körperhälfte wirklich gerettet ist. Nur zwei bis drei Prozent der Menschen, die einen solchen Eingriff durchmachen müssen, sind anschliessend wieder in der Lage, selbstständig zu gehen. Das erste Ziel ist jeweils, dass die Zehen wieder bewegt werden können.

«Am nächsten Morgen erlebte ich sehr sehr oft, dass die Patienten die ganze Nacht gebrütet hatten und überlegten, was in ihrem Leben nun geschehen ist, die Stimmung ist meist depressiv. Doch Dean lächelte und sagte: 'Schau, ich habe die ganze Nacht daran gearbeitet'.» Und er zeigte, dass er seine Zehen bewegen konnte.

Das Wunder

Derweil dachte Will Huffman nur an den Mann im Spital. Zusammen mit seiner Frau Jeanelle besuchte er Otto ein paar Tage nach dem Unfall. Dieser erkannte, dass sich die beiden unwohl fühlten und er erklärte, dass er ihm schon vergeben habe. Es sei ein Unfall gewesen, der jedem hätte geschehen können. Hoffman: «Das half mir bei meiner Verarbeitung.»

Und Dean Otto sagte zu McGirt: «Wenn ich wieder einen Halbmarathon rennen kann, wirst du mit mir rennen?» Dieser sagte: «Dean, wenn du je wieder einen Halbmarathon rennst, bin ich der erste, der mit dir rennt.» Vier Wochen nach dem Unfall rannte Otto ein Rennen über fünf Kilometer.

Der Halbmarathon

An einem Februarmorgen waren gerade Will und Jeanelle Huffman am Joggen, als ein anderer Läufer zu ihnen aufschloss: Dean Otto, der lächelte. Er glaubte nicht an Zufall, sondern an einen göttlichen Plan. Er lud die beiden ein zum Rennen, für das er selbst trainierte.

Kurzum luden McGirt und Otto auch Huffman zum von ihnen vereinbarten Halbmarathon ein … und unter grosser Medienbeachtung rannten Matt McGirt (42), Dean Otto (52) und Will Huffman (27) Seite an Seite in Kalifornien den Halbmarathon von Napa.

Er habe viele Wunder erlebt, sagt Dean. «Es ist ein Wunder, dass ich clean bin, dass meine Frau geblieben ist, dass ich mit meinem Arzt und mit dem Mann, der mich angefahren hat befreundet bin.»

Zur Webseite:
Homepage von Dean Otto

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