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In guten und schlechten Zeiten

Erwachsene Entscheidungen treffen – In guten und in schlechten Zeiten

Miriam Schulze hat mit ihrem Mann Daniel auch seine chronische Krankheit geheiratet. Eine bewusste Entscheidung – vor 14 Jahren.

Gemeinsam sind wir unterwegs – mit einer chronischen Krankheit im Gepäck. Als ich Daniel im Sommer 2010 geheiratet habe, wusste ich, dass Krankheit nun Teil meines Lebens sein würde. Mir war sehr bewusst, dass ich «Ja!» dazu gesagt hatte, dass mein Mann möglicherweise eine kürzere Lebenserwartung hatte als andere.

Auch wenn ich mir unsicher war, wie dieser Weg aussehen würde, wollte ich ihn mitgehen. Diese Ungewissheit, wie viel Zeit uns zusammen bleibt, lässt mich jeden Tag neu dankbar werden für diesen Tag. Jeder neue Morgen ist ein Geschenk für mich. Vielleicht ist das in diesen Jahren mein grösster Schatz geworden.

Eine erwachsene Entscheidung

Ich habe mich am Anfang unserer Ehe entschieden, Daniels Erkrankung als einen Teil unseres Lebens zu integrieren. Obwohl ich selbst nicht chronisch krank bin, habe ich die verschiedenen Länder der Heilung, von denen Daniel in seinem Buch schreibt, ebenfalls erlebt – in anderer Geschwindigkeit und eigener Intensität. Mein Wunsch, zu verstehen, was mit fortschreitender Krankheit auf uns zukommt und wie wir unser Leben aktiv verbessern und gestalten können, hilft mir, mich nicht hilflos oder ohnmächtig zu fühlen, sondern mein Leben aktiv zu gestalten.

Trotzdem bin ich auch immer wieder an meine eigenen Grenzen gestossen. Das Leid in all seinen Facetten zu spüren, auszuhalten und durchzuhalten, kostet mich viel Kraft. Die alltäglichen Herausforderungen lasten auch auf mir. Manchmal sind sie schwer zu tragen, an anderen Tagen sind sie leichter. Allein könnte ich den Weg nicht gehen und es ist ein grosses Geschenk, dass wir ihn als Ehepaar gemeinsam gehen können. Dass wir nicht versuchen, uns jeder alleine durchzukämpfen.

Daniel hat mir all die Jahre dabei geholfen, dass ich mit ihm weitergehen kann. Sein Humor, seine positive Lebenseinstellung, seine Liebe und Hingabe an Gott verwandeln mein Leben und meinen Glauben. In den schwierigsten Zeiten haben wir angefangen, die kleinsten guten Dinge in unserem Leben zu geniessen.

Wenn die Kraft nicht reicht

Es gab Tage, da reichte die Kraft nicht mehr aus. Alles Wichtige musste unwichtig werden und wurde abgesagt. Mitten in Schmerz, Trauer und Verlust haben wir uns aufgemacht, das Gute zu suchen: das Vogelgezwitscher, den Sonnenuntergang oder einen leckeren Tee. Das Gute und das Schlimme liegen oft direkt nebeneinander. Ich schaffe es, diesen Weg weiterzugehen, weil ich mich entscheide, dass das Gute schwerer wiegen soll als das Schlimme.

Es ist eine Entscheidung, und diese Entscheidung verändert alles. Das habe ich in über vierzehn Ehejahren immer wieder erlebt. Während dieser Zeit hat sich mein Gottesbild sehr stark verändert. Denn trotz all des Leids und Verlusts, ist mir Gott überaus liebevoll, gnädig, sorgend und grosszügig begegnet. In jedem neuen Abschnitt konnte ich neue Facetten an Gottes Wesen entdecken. Viele biblische Geschichten haben sich durch mein trauriges, verzweifeltes und ängstliches Herz ganz anders angefühlt.

Ich habe erfahren, dass Gott sich im Leid zu mir stellt und mir die Sicherheit gibt, dass ich nie allein bin. Vieles wird im Angesicht von Krankheit und Leid unwichtig und sinnlos – und das kann ein kostbarer Schlüssel sein, um das Leben in seiner Einfachheit zu entdecken. Mein Gebet ist, dass Menschen, die mit dem Leben kämpfen, vielleicht in chronischen Krisen, Kraft und Zuversicht bekommen.

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Zum Buch:
Die einen tragen Steine, die anderen Gold (SCM Hänssler)

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