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Daniel Schiess

Unheilvolle Diagnose – Im Feuerofen mit Gottes Möglichkeiten rechnen

Die Ärzte gaben dem an Krebs erkrankten Dai Schiess nicht mehr lange zu leben. Wie er darauf reagierte und wie er an seinem Glauben festhielt, erzählt er in einem Bericht.

Die Ärzte gaben dem an Krebs erkrankten Dai Schiess nicht mehr lange zu leben. Wie er darauf reagierte und wie er an seinem Glauben festhielt, erzählt er in einem Bericht.

Schwer an Krebs erkrankt, gaben mir die Ärzte nur noch wenige  Monate zu leben. Der Schock war gross und viele Fragen kamen auf. 

Meine Frau und ich haben in unseren Jugendjahren nahestehende Personen an ähnlichen Krebserkrankungen sterben sehen. Sie waren überzeugte Christen, und wir hatten wie die Weltmeister gebetet – aus unserer Sicht ohne Erfolg. Auf der anderen Seite kennen wir auch viele Geschichten von Menschen, die von allerlei Krankheiten geheilt wurden. Wir wussten daher um die Kraft Gottes und um seine Möglichkeiten. Doch würde er hier und jetzt bei uns eingreifen? Würde Gott ausgerechnet mich heilen? Wir befanden uns in einem enormen Spannungsfeld vom Wissen um Gottes geniale Möglichkeiten und der Ungewissheit, wie die Krankheitsgeschichte ausgehen wird.

Wenn Gott uns rettet – und wenn nicht ...

Während dieser Zeit begegnete uns die heldenhafte Geschichte von den drei Männern im Feuerofen aus dem Buch Daniel. Sie überlebten das scheinbare Todesurteil ohne kleinste Verbrennungen. Gott griff auf wundersame Weise ein. Viel stärker als diese Tatsache berührte uns jedoch der vorangehende Dialog mit dem König. Dieser drohte den Männern mit dem Tod, wenn sie nicht einlenken und seinen Gott anbeten würden. Hämisch fragte er: «Welcher Gott kann euch dann noch aus meiner Hand retten?» Die drei Männer antworteten folgendermassen: «Wenn unser Gott, dem wir dienen, uns retten will, dann wird er uns aus dem glühenden Ofen und aus deiner Gewalt retten. Und wenn nicht, so sollst du, König, dennoch wissen, dass wir deinen Göttern nicht dienen und dein goldenes Bild nicht anbeten werden!» (Daniel, Kapitel 3, Verse 17–18)

Die drei Männer hatten eine feste Gewissheit von Gottes Möglichkeiten. Für sie war klar, dass Jahwe die Geschicke dieser Welt in den Händen hält. Der König und seine Götter sind ihrem Gott unterstellt, denn er allein ist souverän. Allerdings wussten sie keineswegs, wie die Auseinandersetzung ausgehen wird. Die Geschichte hätte glorreich oder auch fatal enden können. Interessanterweise hängt ihr Glaube jedoch nicht vom Ausgang der kritischen Situation ab. Ihr Vertrauen gilt ganz und gar dem Gott Israels. Er bleibt souverän, ob sie nun gerettet werden oder sterben.

Den Glauben nicht an das Wunder knüpfen

Diese Geschichte ermutigte uns, mit dem heilsamen Eingreifen Gottes zu rechnen. Gott ist mächtig. Er hat die Möglichkeit, ein Wunder zu bewirken. Entsprechend beteten und rechneten wir mit dem (menschlich gesehen) Unmöglichen. Anderseits entschieden wir uns, unseren Glauben nicht an ein Wunder zu knüpfen. Der souveräne Gott soll auch die Möglichkeit haben, nicht zu heilen. Wir beschlossen, an ihm festzuhalten, auch wenn wir durch Momente des Leidens gehen und am Ende anstatt des ersehnten Wunders der Tod eintritt.

Nach der Diagnose durchliefen wir eine schwierige Zeit von Chemotherapie und Operationen. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr und die Komplikationen begannen sich aneinanderzureihen. An den Möglichkeiten Gottes zweifelten wir nicht. Die Hoffnung auf ein Wunder wurde jedoch immer kleiner. Sein heilendes Eingreifen schien weit entfernt.

Nach dem ersten beschwerlichen Krankheitsjahr verbesserte sich der Gesundheitszustand wieder, wodurch eine Therapiepause eingelegt werden konnte. Doch die Ärzte hatten trotz positivem Verlauf eine pessimistische Haltung. Sie rechneten nicht mit einer Genesung. Beschwerden, verursacht durch Krankheit und Therapie, waren nach wie vor vorhanden, doch langsam keimte die Hoffnung auf Heilung wieder auf. Die Gesundheit verbesserte sich zunehmend und ist seit einiger Zeit konstant stabil.

Das Leben ist zurückgekehrt

Die unheilvolle Diagnose liegt nun knapp acht Jahre zurück. Das Leben ist zurückgekehrt und hat sich sogar durch die Geburt unserer Tochter vermehrt. Gott hat uns durch die Schwierigkeiten des «Feuerofens» begleitet und letztlich vor dem sicheren Tod gerettet. Wir sind dankbar, Gottes heilende Kraft erlebt zu haben, und geben ihm die Ehre. Wir rechnen weiterhin mit seinen genialen Möglichkeiten und wünschen uns, diese auch im Leben anderer zu sehen.

Dai Schiess ist seit August 2019 als Pastor in der BewegungPlus Biel tätig.

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