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Russell Watson hatte ein Nahtoderlebnis

Star-Tenor Russel Watson – Er fand durch Schreckdiagnose zum Glauben

Wenn der Erfolg scheinbar viel zu spät kommt und dann die Probleme wachsen, verzweifeln viele. Der Sänger Russel Watson fand dadurch seinen Glauben an Gott.

Russell Watson (57) gehört zu den erfolgreichsten Tenören Englands und nebenbei läuft auch seine Karriere als Popsänger gut. Oder steht sein Opernprofil an zweiter Stelle? Darüber streiten nur seine Kritiker, denen er als Tenor zu poplastig und als Chartbreaker zu klassisch ausgerichtet ist. Er selbst meint nur: «Für mich zählen nur gut oder schlecht und selbst das hängt vom Geschmack des Zuhörers ab.»

Dass er mit dem Singen überhaupt einmal Erfolg haben würde, ahnte lange niemand. Der Schulabbrecher aus Manchester arbeitete bei einer Metallfirma an der Drehbank, um sich und seine Familie zu ernähren; abends jobbte er in Kneipen und sang dort Pop- und Musicalhits. Als jemand vorschlug, er könne doch mal «Nasty Doormat» (eklige Fussmatte) singen, verstand er sein Kneipenpublikum direkt und sang «Nessun Dorma» von Puccini. Danach war es still in der Kneipe.

Eine Bilderbuchkarriere

Jahrelang hatte Watson Gesangsunterricht gehabt, doch nie hätte er geglaubt, dass sich dieser auf einmal auszahlen würde. Bald sang er auf Feiern, bei grösseren Fussballspielen und trat schliesslich mit Ex-Beatle Paul McCartney und Startenor Luciano Pavarotti auf. Er sang vor vollen Hallen und genauso vor Prominenten wie dem Papst, der Queen und zwei US-Präsidenten. «The Voice» wurde er genannt, die Stimme, und so hiess 2000 auch sein erstes Album, das immerhin Platinstatus erreichte. Innerhalb kürzester Zeit kannte jeder in England den sympathischen 34-Jährigen. Bis heute konnte Watson über sieben Millionen Tonträger verkaufen – im Klassikbereich ist das eine Sensation! Wenn man ihn damals gefragt hätte, hätte das Leben für ihn so weitergehen können.

Der grosse Bruch

Im Jahr 2005 litt Russell Watson zunehmend unter starken Kopfschmerzen. «Das ist der Stress», erklärten ihm die Ärzte. «Kein Wunder bei Ihrem Auftrittspensum.» Als jedoch nach einem Flug in die USA auch sein Sehvermögen beeinträchtigt war, liess er sich genauer untersuchen und erhielt die Schockdiagnose Hirntumor. Zwei golfballgrosse Tumore wuchsen oberhalb seiner Nase im vorderen Schädelbereich. Sie waren zwar gutartig, aber sie mussten trotzdem schnell operiert werden.

Kaum hatte er sich von der OP erholt, hatte sich ein weiterer Tumor an der Hypophyse gebildet, der bereits Hirnblutungen verursachte. Seine Assistentin fand ihn orientierungslos auf und rief den Notarzt. Wie ernst es um ihn stand, realisierte er, als dieser ihn immer wieder aufforderte: «Bleiben Sie bei uns!» Sein lebensbedrohlicher Zustand brachte ihn ins Nachdenken. Glaube hatte bis dahin keinen grossen Stellenwert in seinem Leben gehabt. Emma Fowle schreibt darüber: «Als seine Gesundheit in eine Krise geriet, fand er schliesslich über den Glauben an ‘einen Gott’ und das Leben nach ‘christlichen Werten’ zu einem aktiven Glauben. ‘Das war der Punkt, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich intensiv zu beten begann’, sagt er.»

Licht aus dem Himmel

Bei einer der zahlreichen Untersuchungen während dieser Zeit hatte Watson ein besonderes Erlebnis. Er sah sich selbst an der Schwelle des Todes. Alles um ihn herum verschwamm – der Lärm des MRT genauso wie seine Schmerzen. Er hatte den Eindruck, seinen Körper zu verlassen und der schmale Lichtstreifen am Ende des Geräts wirkte auf ihn wie eine geöffnete Tür ins Licht. «Wenn ich da hindurchgehe, verlasse ich diese Welt», überlegte er, doch als er an seine Kinder dachte, entschied er sich zu bleiben. Das Dröhnen der Maschine setzte wieder ein und die Schmerzen kamen zurück – er lebte. Selbst im Rückblick unterstreicht Watson gegenüber Emma Fowle: «Ich denke, wenn man 100-prozentig davon überzeugt ist, dass es etwas nach dem Leben gibt, kann man wahrscheinlich ohne jegliche Angst vor dem Tod durchs Leben gehen. Das würde ich gerne glauben, aber zum jetzigen Zeitpunkt bin ich nicht dazu in der Lage.»

Eine Kraft für das Gute

Nach der Hirnblutung hatte Watson ein weiteres belastendes Erlebnis: Eines Nachts fiel er in eine Ohnmacht und wachte morgens nicht mehr auf. Erst mit einer Not-OP konnte er zurückgeholt werden, doch noch lange verfolgte ihn die Angst, seine Lieben vielleicht nie mehr wiederzusehen. Eine seiner Lösungen hierfür ist das Gebet: «Ich bete für alle Menschen, die ich liebe. So einfach ist das. Ich bete für meine Kinder, ich bete für meine Frau. Wenn ich etwas in den Nachrichten oder in den sozialen Medien sehe, dann bete ich.»

Daneben reduzierte der Sänger sein Pensum, nachdem es ihm wieder besser ging: Inzwischen erhält seine Familie einen grossen Anteil seiner Lebenszeit. Längst ist Watson davon überzeugt, dass sein musikalisches Talent ein Geschenk Gottes ist – auch wenn er es erst relativ spät entdeckte. Und nach seiner Krankheitserfahrungen setzt er diese Gabe gern als «musikalische Kraft für das Gute» ein. Manchmal spielt und singt er in einem Stadion mit 90'000 Menschen, manchmal vor 90 Senioren in einem Pflegeheim – er liebt beides. Auch wenn seine Tochter, die auf einer Demenzstation arbeitet, ihn anruft und von ihren Patienten ausrichtet: «Sie haben gefragt, ob du reinkommen und hallo sagen würdest.»

Gibt es einen Himmel?

Immer noch fragt sich Watson, ob es wirklich einen Himmel geben wird, aber er lächelt, als er sagt: «Das werde ich Jesus einmal fragen.» Bis dahin versucht er, seinen Glauben im Musikgeschäft zu leben, anderen Menschen mit seiner Stimme eine Freude zu machen und tauscht regelmässig mit einem guten Freund Bibelverse aus. Jeden Sonntag schreiben sie sich und ermutigen sich so gegenseitig. Vor Kurzem hängte sein Freund noch einen Gedanken des «Predigerkönigs» Charles Haddon Spurgeon an: «Je mehr Gnade wir haben, desto weniger werden wir an uns selbst denken, denn die Gnade ist wie das Licht, das unsere Unreinheit offenbart.» Und Watson nickt: «Das gefällt mir.»

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