Gehirnblutung überlebt – «Als ich schwach war, zeigte mir Gott seine Liebe»

Mit nur 22 Jahren hat Tim Eichler aus Essen eine Gehirnblutung. Nach der komplizierten Operation muss er vieles ganz neu lernen. Doch mitten in seiner Schwachheit erfährt er etwas Entscheidendes: Gott liebt mich, ohne dass ich etwas für ihn tue.

Mit nur 22 Jahren hat Tim Eichler aus Essen eine Gehirnblutung. Nach der komplizierten Operation muss er vieles ganz neu lernen. Der Heilungsprozess dauert länger als ihm lieb ist. Doch mitten in seiner Schwachheit erfährt er etwas Entscheidendes: Gott liebt mich, ohne dass ich etwas für ihn tue.

Langsam taste ich mich an der Wand entlang, um ins Bad zu kommen. Alles dreht sich, es fällt mir schwer, geradeaus zu laufen. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Butterkeks, der in warme Milch getaucht wurde. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett legen, anstatt mich für die Arbeit fertig zu machen.

Was wie ein schlimmer Morgen nach einer durchzechten Nacht klingt, waren in meinem Fall die Auswirkungen der Diagnose «zwei Zentimeter grosse Blutung im Kleinhirn», die ich am nächsten Tag im Krankenhaus zu hören bekam. Für mich ein Schock: Was? Hirnblutung? Und das mit 22 Jahren? Ich war doch immer sportlich aktiv, bin gerne klettern, joggen und slacklinen gegangen! Wie geht es jetzt weiter? Kann ich das wieder machen? Doch diese Fragen waren bei Weitem nicht das Schlimmste.

Warten auf den Eingriff

In den zwei Wochen bis zur Operation bekam ich viel Besuch von Freunden und Familie. Allen konnte ich anmerken, dass sie sich grosse Sorgen um mich machten und nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Sie waren sehr unbeholfen und überfordert. Mehr als «Wird schon wieder!» konnten sie mir meistens nicht zusprechen. Mich hat es traurig gemacht, meine Familie und meine Freunde so niedergeschlagen zu sehen und ich merkte ihnen an, wie sehr sie mein Krankheitszustand mitnahm.

Obwohl ich derjenige war, dem es körperlich nicht gut ging, war ich doch gleichzeitig derjenige, der eine tiefe Ruhe spürte. Gott schenkte mir einen existenziellen Frieden und so konnte ich meinen Besuchern Mut und Hoffnung zusprechen und ihnen sagen, dass ich die Gewissheit habe, dass mein Leben Jesus gehört und er das Beste aus der Situation machen wird – wie auch immer «das Beste» dann praktisch aussehen würde…

Schmerzen, Schwäche und Lähmungen

Die Operation verlief gut, doch da so eine Bohrung durchs Gehirn nie ohne Folgen bleibt, war auch ich am Anfang mit grossen Einschränkungen konfrontiert. Meine linke Seite war teilweise gelähmt und das Gleichgewicht war komplett weg. Was zur Folge hatte, dass ich die ersten sechs Wochen im Rollstuhl sass, danach vier Wochen am Rollator und danach ein halbes Jahr am Gehstock ging.

Darüber hinaus war meine Konzentration und Aufmerksamkeit betroffen, so dass ich die ersten Wochen nach dem Eingriff sehr müde war und viele Schmerzmittel brauchte. Jede noch so kleine Aktivität strengte mich an. Anfangs konnte ich mich nur ein paar Minuten mit einem Gesprächspartner unterhalten, dann brauchte ich eine kurze Pause.

Ausserdem hatte ich einen Monat lang Doppelbilder; das lag daran, dass das Gehirn durch die Operation geschwollen war.

Gott erwartet nichts von mir

Wer jetzt denkt: «Oh Mann! Das ist ja voll heftig!», hat mit Sicherheit Recht, aber die Zeit, in der es mir körperlich nicht gut ging, war die beste Zeit für meine Beziehung mit Gott.

Ich durfte zum Beispiel ganz neu erfahren, was es heisst, von ihm geliebt zu sein. Es gab viele Situationen, in denen es mir so schlecht ging, dass ich nichts mehr machen konnte, ausser im Bett zu liegen. Selbst zum Beten war ich zu schwach! Ich kann mich noch gut an die Situationen erinnern, in denen ich ganz unten war. Körperlich wie psychisch. Ich möchte es nicht schön reden. Auch wenn ich wusste, Gott ist da, ging es mir teilweise richtig dreckig!

Doch genau in dieser Zeit war die Gewissheit, dass ich Gottes geliebtes Kind bin, am stärksten. Ich wusste: Auch wenn ich im Moment rein gar nichts tun kann und nicht einmal in der Lage bin, zu meinem himmlischen Vater zu sprechen, von seiner Liebe kann mich nichts trennen. Auch nicht meine Schwachheit.

Ich habe erlebt, dass der Glaube an Gott trägt, wenn es im Leben hart auf hart kommt. Gottes Liebe ist grösser und stärker als alles andere! Auch wenn ich heute noch einige körperliche Einschränkungen habe und nicht weiss, wie viel sich noch verbessern oder wie meine Zukunft aussehen wird, weiss ich eines: Gott ist auch weiterhin bei mir und wird mich führen, leiten und gebrauchen.

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