Christine Hauke – «Als alles in meiner Ehe zerbrach, kam wahre Liebe»

Als Christine Hauke einen 29 Jahre älteren Witwer heiratet, verändert sich vieles in ihrem Leben. Dann erleidet ihr Mann mehrere Schlaganfälle: Kommunikation wird schwierig, teilweise gibt es Aggressionen. Trotzdem verlässt sie ihn nicht...

Als Christine Hauke einen 29 Jahre älteren Witwer heiratet, verändert sich vieles in ihrem Leben. Dann erleidet ihr Mann mehrere Schlaganfälle: Kommunikation wird schwierig, teilweise gibt es Aggressionen. Trotzdem verlässt sie ihn nicht – und erlebt, wie sich die Liebe verändert.Christine Hauke aus Deutschland ist eigentlich durch und durch Single. Die abenteuerlustige Missionarin reist fast 20 Jahre lang durch die halbe Welt, um Menschen von Jesus zu erzählen – und bezeichnet sich selbst als «glücklichster Single der Welt». Dann erhält sie einen Impuls von Gott: Sie wird mit 44 Jahren heiraten und zwar einen verwitweten Geschäftsmann mit zwei erwachsenen Kindern. Genauso erfüllt es sich.

Eifersucht und Ängste

Die ersten 2,5 Jahre der Ehe lieben sich die beiden sehr – doch diese Liebe ist überschattet von Eifersucht und Ängsten des 29 Jahre älteren Mannes. «Mein Mann war zweimal verheiratet und hatte beide Male durch den Tod seine Frauen verloren und er hatte einfach Angst, auch mich zu verlieren. Er hat sehr geklammert (…) und wollte mich einfach für sich haben.» Oft fliegen die Fetzen. Sie versöhnen sich zwar immer wieder schnell, aber das Leben ist für beide nicht einfach. Christine fühlt sich wie im Gefängnis, während ihr Mann nicht bereit ist, Dinge in seinem Leben aufzuarbeiten und umzudenken.

Die Wende

Dann erleidet er mehrere Schlaganfälle. Gott hatte Christine bereits darauf vorbereitet und ihr gesagt: «Er wird bald dein Kind werden…» Und genauso wird es: Nach den Schlaganfällen kann er nur noch wenige Worte sprechen. Dies erzeugt in dem zuvor so unabhängigen Geschäftsmann Aggressionen, die ihn drei Monate lang in die Psychiatrie bringen. Die beiden können nicht mehr normal miteinander kommunizieren, ihre ganze Beziehung verändert sich, doch anstatt dass die Liebe abnimmt, nimmt sie zu. «In diesen Monaten ist das ganze Ansehen zerbrochen, die Eifersucht, Ängste (…) und ab diesem Zeitpunkt ist eine Liebe entstanden, die wir vorher nicht hatten – es war eine ganz himmlische Liebe.»

Liebe vom Himmel

Doch wie ist das überhaupt möglich? Schon 13 Jahre zuvor hat Gott ihr einen Traum geschenkt, in dem Christine die göttliche Weisheit und Liebe umarmt, ein Bild, das auch in der Bibel zu finden ist. Richtig verstehen tut sie diesen Traum erst, als sie verheiratet ist – und insbesondere nach den Schlaganfällen ihres Mannes. «Die göttliche Weisheit gab mir ständig diese Liebe, die ich brauchte, damit die Ehe nicht zerbricht. Sie hat mich durch vieles geführt.»

Durch die Schlaganfälle in beiden Hirnhälften versteht ihr Mann die Dinge, die sie ihm sagt, gar nicht oder erst Stunden oder Tage später. Jeder Ausflug, jeder Arztbesuch, jeder Termin wird für Christine zum unkontrollierbaren Abenteuer. «Es war manchmal so chaotisch, dass ich nichts unter Kontrolle hatte.» Sie betet in dieser Zeit sehr viel, ist in den Alltagssituationen mit Gott im Gespräch und erhält sofort die Impulse, wie sie sich verhalten sollte – dies wird zu ihrem Lebensstil.

Und inmitten dieser Schwierigkeiten wird auch die Liebe zu ihrem Mann immer stärker, so dass sie es manchmal kaum aushält. «Es war wie eine Explosion», diese Liebe auf Herzensebene, die beide von Gott erhalten. «Menschliche Weisheit, so steht es in Jakobus 3, führt immer zu Eifersucht und Streit. Und diese menschliche Weisheit war wie geköpft nach den Schlaganfällen. (…) Die natürliche Weisheit, die Ehen auseinanderbringt und zur Scheidung führt, die wurde geköpft und dann kam diese göttliche Weisheit und eine Beziehung auf Herzensebene.» Dabei gibt es nichts, was Christine wirklich vermisst, denn obwohl ihr Mann nicht mehr so kann wie früher, bekommt sie von ihm doch viel mehr Liebe als früher, eine Liebe, die viel tiefer geht und nicht mehr von Eifersucht überschattet ist.

Vergebung, der Schlüssel

Und das, obwohl es auch sehr schwierige Situationen gibt und sie ihm immer wieder vergeben muss. Etwa, als er ihr an den Hals geht, weil sie ihm nicht sofort die Küchentür öffnet. Er versteht dies nicht, kann es aber nicht kommunizieren und wird dadurch aggressiv. Doch Christine lernt, ihm zu vergeben und auch ihr Mann findet Wege, bei ihr um Entschuldigung zu bitten. «Vergebung ist der Schlüssel! Und ich habe erlebt: In dem Moment, wo ich losgelassen habe, kam die Liebe wieder. (…) In diesen dreieinhalb Jahren, in denen ich viel Stress hatte und menschlich Unmögliches bewältigen musste, war ich keinen Tag krank und es ging mir gut. Menschlich hat man keine Erklärung, aber es war das Stück Himmel auf Erden, diese Liebe, die mich so gesättigt hat.»

Mittlerweile ist ihr Mann verstorben. Doch im Rückblick sagt sie ohne zu zögern, dass sie ihren Mann sofort wieder heiraten würde, auch nach allem, was sie durchmachen mussten. «Die menschliche Liebe sagt, ich liebe dich nur, wenn du so tickst, wie ich es von dir erwarte. Ich habe gelernt, ihn in der Schwachheit anzunehmen und bedingungslos zu lieben. (…) Es lohnt sich, sich für die bedingungslose Liebe zu entscheiden. Der Segen ist riesig!»

Über ihre erste Ehe hat Christine Hauke ein Buch geschrieben. Zudem spricht sie auf Einladung bei Frauenfrühstückstreffen, Gottesdiensten, aber auch in Hausgruppen und Einzelgesprächen.

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